Zins­angebote ausländischer Direkt­banken sind oft attraktiv, vergleicht man sie mit den Konditionen deutscher Geld­institute, die sich immer mehr der Null­linie annähern. Aber nicht alle europäischen Institute sind empfehlens­wert. Finanztest sagt, welche Anbieter interes­sant sind – und wo Anleger lieber vorsichtig sein sollten.

Wohin mit dem Spargeld?

Da kann ich mein Geld doch gleich unters Kopf­kissen legen – der Gedanke drängt sich auf, fragt man nach den Konditionen für Tages- oder Fest­geld. Viele Banken zahlen nicht mehr als 0,02 oder 0,05 Prozent Zinsen. Auch 0 Prozent sind keine Seltenheit mehr. Wohin also mit dem Spargeld? Bei einer Bank oder Sparkasse lagert es natürlich sicherer als unter dem Kopf­kissen. Und es gibt auch noch Institute, die sogar weit mehr als 1 Prozent Zinsen zahlen. Die besten Renditen für Fest­geld bieten Online­banken, die häufig Töchter ausländischer Unternehmen sind.

Tipp: Wo Sie derzeit die höchsten Zinsen für Spargeld erhalten, erfahren Sie in unseren Produktfindern Zinsen. Alle 14 Tage aktualisieren wir die Daten­banken. Sie enthalten die attraktivsten Konditionen für über 800 Angebote für Tages­geld und Fest­geld mit unterschiedlicher Lauf­zeit sowie für ethisch-ökologische Spar­angebote.

Kann man denen trauen?

In den vergangenen Monaten sind einige neue Anbieter auf diesem Markt hinzugekommen. Viele Leser fragen nach, ob sie ihnen trauen können. Sie wissen nicht, wer sich hinter Namen wie Sber­bank Direct, First­Save Euro oder Fimbank verbirgt und ob ihr Geld dort sicher ist. Wie solide ein Kredit­institut aufgestellt ist, kann die Stiftung Warentest nicht beur­teilen. Doch was passiert im Pleitefall? Nach EU-Vorgaben sollen 100 000 Euro pro Person geschützt sein. Es gibt jedoch keine gemein­same Haftung – jedes EU-Land hat für seine Banken ein eigenes Sicherungs­system oder muss dieses noch aufbauen. Reicht die Einlagensicherung nicht aus, müsste das entsprechende Land einspringen.

Funk­tioniert die Einlagensicherung im Ernst­fall?

Deshalb beur­teilen wir die Einlagensicherung eines Landes nur als vertrauens­würdig, wenn die drei größten Rating­agenturen die Finanz­kraft des Landes mit Bestnoten (AAA oder AA) bewertet haben. Ist das nicht der Fall, haben wir Bedenken, ob dieses Land im Falle einer größeren Bankenpleite Anleger so zeit­nah entschädigen könnte, wie es das EU-Recht vorschreibt.

1,50 Prozent sind möglich

Die Stiftung Warentest stellt jeden Monat Listen mit den besten Zins­angeboten zusammen. In diese Listen nimmt sie nur Banken auf, hinter denen eine vertrauens­würdige Einlagensicherung steht. Spitze für Fest­geld mit drei Jahren Lauf­zeit sind derzeit zum Beispiel 1,50 Prozent. Der Produktfinder Festgeld zeigt Ihnen, welche Bank die höchsten Zinsen zahlt.

Konto eröffnen ist einfach

Ein Konto im Internet zu eröffnen, ist leichter, als viele denken. Die erforderlichen Formulare finden Anleger auf der Internetseite der Bank. Mit den ausgefüllten Formularen und ihrem Personal­ausweis geht der Sparer in eine Post­filiale. Dort prüft ein Mitarbeiter die Identität des Kunden und bestätigt sie gegen­über der Bank (Post-Ident-Verfahren).

Umweg Zins­platt­form

Für Fest­geld mit einer Lauf­zeit von einem Jahr sind derzeit 1,25 Prozent spitze, für zwei Jahre 1,35 Prozent. Anbieter ist die First­Save Euro mit Sitz in Groß­britannien. Diese Topzinsen sind nicht direkt bei der Bank erhältlich, sondern über eine Zins­platt­form im Internet: Weltsparen.de. Sparer melden sich auf der Platt­form an und richten ein Verrechnungs­konto bei der deutschen Part­nerbank ein: die MHB-Bank in Frank­furt am Main. Von dort fließt das Geld an die ausländische Bank. Auch die Bank Close Brothers, die für dreijäh­riges Fest­geld 1,4 Prozent Rendite bietet, ist nur über eine Zins­platt­form erreich­bar: Zinspilot.de. Partner ist in dem Fall die Sutor-Bank in Hamburg.

Achtung: Bei First­Save Euro und Close Brothers werden seit Januar 2016 im Pleitefall nur noch 75 000 Pfund über die britische Einlagensicherung garan­tiert. Dies entspricht aufgrund von Währungs­verlusten derzeit umge­rechnet knapp 96 000 Euro. Sparer sollten bei diesen Banken wegen des Wechsel­kurs­risikos deutlich weniger anlegen und einen Risikopuffer lassen.

Nicht empfehlens­werte Angebote

Auf den Platt­formen stehen auch ausländische Zins­angebote, von denen wir abraten. Das betrifft beispiels­weise einjährige Fest­gelder der maltesischen Fimbank auf Zins‧pilot.de und der kroatischen Kent­Bank auf Savedo.de mit jeweils 1,61 Prozent oder der portugiesischen Banco BNI Europa auf Weltsparen.de mit 1,60 Prozent. Es handelt sich um Angebote von Banken aus EU-Ländern ohne Top-Ratings der Agenturen Fitch, Moody‘s und Stan­dard & Poor‘s.

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