Fest­geld Special

Über die Internetplatt­form Welt­sparen.de können deutsche Sparer Fest­geld­konten im Ausland eröffnen. Die First Investment Bank in Sofia bietet derzeit 2,9 Prozent Zinsen für einjährige Fest­geld-Anlagen an. Bulgarische Kunden bekommen jedoch 4,15 Prozent. Finanztest erklärt, wie das funk­tioniert und ob das Geld dort sicher angelegt ist.

Seit Dezember können sich Sparer bei Welt­sparen.de registrieren

Höchs­tens 1,7 Prozent Zinsen bekommen Sparer in Deutsch­land zurzeit für ein einjähriges Fest­geld. Das will die Saving­Global GmbH ändern. Im Dezember 2013 hat die Gesell­schaft aus Berlin die Onlineplatt­form Welt­sparen.de gestartet, die deutschen Sparern besser verzinste Fest­geld­konten bei ausländischen Banken in Europa anbietet. Das erste und bisher einzige Angebot stammt von der bulgarischen First Investment Bank in Sofia, kurz Fibank. Die Fibank verzinst einjähriges Fest­geld ab 10 000 Euro mit 2,9 Prozent Zinsen pro Jahr. Das Geld wird in Euro angelegt, sodass Sparer kein Währungs­risiko tragen. Schon bald sollen Zins­angebote von je einer norwegischen, einer italienischen und einer portugiesischen Direkt­bank hinzukommen. In Norwegen soll es zum Beispiel 2,2 Prozent Zinsen für ein einjähriges Fest­geld geben, bei einer Mindest­anlage von 15 000 Euro. Allerdings müssen die Kunden in norwegischen Kronen anlegen.

Tipp: Tages- und Fest­geld­angebote, die unseren Test­kriterien genügen, finden Sie in unseren Produktfindern für Zinsangebote

Abrechnungs­bank ist die MHB Bank

Um ein „Welt­spar­konto“ zu bekommen, das laut Eigenwerbung „Zugang zu den besten Spar­angeboten in Europa“ ermöglicht, müssen Interes­senten auf der Internetplatt­form „Kunde werden“. Sie füllen einen Konto­eröff­nungs­antrag samt Formular für die Identitäts­prüfung aus und eröffnen ein Konto bei der deutschen MHB Bank. Die MHB Bank ist Abrechnungs­bank für die Fest­geld­geschäfte, die Saving­Global über ihre Onlineplatt­form anbietet. Die Bank ist Mitglied in der Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken. Vom MHB-Bank­konto aus wird das Geld bei der ausländischen Part­nerbank angelegt. Sobald das Konto bei der MHB Bank eröffnet ist, sollen die Neukunden inner­halb einer Woche einen Willkommens­brief mit einer Geheim­nummer erhalten. Sie können sich dann auf Welt­sparen.de einloggen und ein Fest­geld im Online­banking auswählen. Die Konto­eröff­nung bei der Part­nerbank und die Über­weisung geschehen auto­matisch. Sobald das Konto bei der ausländischen Bank eröffnet ist, erhalten Sparer eine Bestätigung der Part­nerbank in ihrer elektronischen Post­box auf Welt­sparen.de.

Anbieter haftet nicht für die Angebote

Am Ende der Lauf­zeit über­weist die Part­nerbank das Geld mit Zinsen auf das Welt­spar­konto bei der MHB Bank zurück. Von dort kann der Sparer das Geld auf sein Referenz­konto – in der Regel das Giro­konto bei der Haus­bank – weiterleiten. Die Saving­Global bezeichnet sich als Nach­weismakler. Ihr Konzept: Die Firma ermöglicht über ihre Platt­form den Zugang zu den Fest­geld­konten, haftet aber nicht für die Angebote. Zurzeit ist die Fibank noch ihr einziger Partner.

Banken müssen EU-Pass haben

Alle Banken, die mit der Platt­form von Saving­Global zusammen­arbeiten, müssen ein paar Formalien erfüllen. Dazu gehört ein EU-Pass „zur Erbringung von grenz­über­schreitenden Dienst­leistungen“ und die Registrierung des Angebots für deutsche Sparer bei der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin). Die Fibank besitzt den EU-Pass und hat ihr Angebot bei der Bafin registriert.

Saving­Global und MHB Bank kassieren Provisionen

Kunden der Platt­form müssen für die Fest­geld­angebote von Welt­sparen.de keine Gebühren zahlen. Die Konto­führung ist kostenlos. Saving­Global und MHB Bank kassieren aber Provisionen von den Banken, deren Konten sie vermitteln. Wie viel die Fibank bezahlt, wollte sie uns nicht sagen. Die Höhe der Provision lässt sich aber erahnen. Denn laut Internetseite der Fibank erhalten bulgarische Kunden für ein einjähriges Fest­geld 4,15 Prozent Zinsen und damit deutlich mehr als deutsche Sparer, die 2,9 Prozent bekommen.

Fibank nicht in Finanztest-Tabelle

Bleibt die alles entscheidende Frage nach der Sicherheit der Einlagen. Die Fibank ist eine der größten Banken Bulgariens. Sie hat 3 000 Mitarbeiter und 150 Filialen im Land. Die Rating­agentur Fitch benotet die Bank im September 2013 mit „BB-“. Das beschreibt ein erhöhtes Ausfall­risiko. Wie bei allen Banken mit Sitz in der Europäischen Union sind bei der Fibank 100 000 Euro Guthaben pro Sparer und Bank gesetzlich garan­tiert. Trotzdem nehmen wir das Fest­geld­angebot der Fibank nicht in unsere regel­mäßigen Tabellen der Spitzen­angebote auf. Denn wir glauben derzeit nicht, dass genügend Geld im Einlagensicherungs­fonds Bulgariens ist, um alle Anleger im Pleitefall inner­halb der vorgeschriebenen Frist von 20 Werk­tagen zu entschädigen. Im Sicherungs­fonds Bulgariens sind nur 25 Banken Mitglied.

Warnendes Beispiel Parex Bank

Im Ernst­fall müsste wahr­scheinlich der bulgarische Staat für Guthaben bis zu 100 000 Euro haften. Ist er dazu nicht in der Lage, würde wohl die Europäische Union (EU) mit Krediten einspringen, so wie zuletzt in Zypern. Dort wurde Spargeld bis zur Höhe von 100 000 Euro durch Kredite aus dem Europäischen Stabilitäts­mecha­nismus (ESM) gesichert. Ein Beispiel dafür, wie die Pleite einer Bank abge­wendet werden kann, lieferte im Jahr 2008 die Parex Bank aus Lett­land. Als sie in Schwierig­keiten geriet, über­nahm der lettische Staat 51 Prozent der Anteile des ange­schlagenen Geld­hauses. Im Gegen­zug erhielt Lett­land Kredite der EU und vom Interna­tionalen Währungs­fonds. Die lettische Finanz­aufsicht verfügte gleich­zeitig, dass jeder Privatkunde nur noch bis zu 50 000 Euro pro Monat von seinem Parex-Konto abheben darf. Auch deutsche Parex-Kunden waren von diesem Limit betroffen. Schließ­lich bekamen sie aber ihr Geld zurück. Die Bank existiert inzwischen nicht mehr. Sie wurde abge­wickelt.

Sicherungs­fonds für jedes EU-Land

Wie prekär die wirt­schaftliche Lage einiger EU-Länder und wie unterschiedlich die Qualität der Einlagensicherungs­systeme ist, wissen auch die EU-Finanz­minister. Um die Staats­haushalte zu entlasten und damit die Steuerzahler künftig nicht mehr mit den Kosten von Bankenpleiten zu belasten, haben sie im Dezember 2013 zwei Sicherungs­systeme beschlossen. Zum einen soll ein Banken­abwick­lungs­fonds von den Banken selbst mit rund 55 Milliarden Euro gefüllt werden. Im Ernst­fall finanziert der Fonds die geordnete Pleite einer Bank, um Turbulenzen an den Finanzmärkten zu verhindern. Zum anderen muss jedes EU-Land einen Einlagensicherungs­fonds aufbauen, den die Banken mit durch­schnitt­lich 0,8 Prozent der geschützten Guthaben als Sicherungs­vermögen füllen. Insgesamt sollen so inner­halb von zehn Jahren 60 Milliarden Euro zusammen­kommen. Die Verwaltung der Fonds soll bei den Ländern bleiben.

Letzt­lich haftet der Steuerzahler

Bisher ist allerdings nicht sicher, ob die Beschlüsse umge­setzt werden. Nach Angaben von EU-Parlaments­präsident Martin Schulz (SPD) will das EU-Parlament sie ablehnen. Einst­weilen werden bei einer Bank­pleite wohl weiter Staat, EU und damit die Steuerzahler fehlende Mittel im Sicherungs­fonds eines Landes ausgleichen.

Welt­sparen stößt in eine Markt­lücke

Das Angebot von Welt­sparen.de stößt in eine Markt­lücke. Denn die Hürden, die deutsche Sparer über­winden müssen, um die besseren Zins­angebote bei Banken im Ausland zu bekommen, sind oft hoch. Nieder­ländische Banken wie die NIBC Direct oder Amsterdam Trade Bank bieten in ihrer Heimat höhere Zinsen als in Deutsch­land an. Um die besseren Zinsen in Holland zu bekommen, muss der Kunden einen Erst­wohn­sitz im Land nach­weisen. Andere Banken verlangen eine Konto­eröff­nung vor Ort, was eine teure Anreise nötig macht. Welt­sparen.de hat also Potenzial, wenn es der Platt­form gelingt, Topzins­angebote ausländischer Banken anzu­bieten, deren Heimatländer eine über­zeugende Einlagensicherung haben.

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