Fest­geld Test

Als ob die Zeiten für Sparer nicht hart genug wären, nehmen Banken ihnen noch ein paar Euro weg. Einige Geld­institute zahlen keinen Zinseszins.

Die DAB Bank findet, dass sie „Top-Zinsen“ anbietet, die sich „sehen lassen“ können. Was sie Sparer nicht sehen lässt: Trotz 1,2 Prozent Zins beträgt die Rendite nach vier Jahren nur 1,18 Prozent – sie wird auch effektiver Jahres­zins genannt.

Die Bank zahlt keinen Zinseszins. Statt die Erträge am Jahres­ende dem Spar­kapital zuzu­schlagen und dann mitzuver­zinsen, sammelt sie die Zinsen unver­zinst und zahlt sie erst am Ende der Lauf­zeit aus.

Eigentlich dachten wir, dass mehr­jährige Spar­angebote, bei denen der Zins­ertrag am Ende der Lauf­zeit ohne Zinseszins ausgezahlt wird, in Deutsch­land gar nicht mehr vorkommen. Doch fünf weitere Banken machen ähnlich fragwürdige Angebote.

Die Kunden, die zum Beispiel bei der DAB Bank ihr Erspartes für vier Jahre fest anlegen, verlieren Jahr für Jahr Geld. Für ein Fest­geld in Höhe von 10 000 Euro erhalten sie nach vier Jahren nur 480 Euro. Würde die Bank das Geld jähr­lich verzinsen und die bereits vergüteten Erträge weiter verzinsen, bekäme der Sparer 488,71 Euro Zinsen.

Für die Vergabe von Krediten schreibt die Preis­angaben­ver­ordnung den Banken vor, den effektiven Jahres­zins zu nennen. Auch für Spar­angebote sollte diese Angabe selbst­verständlich sein, ist sie aber nicht. Eine gesetzliche Regelung fehlt.

Der effektive Jahres­zins und der Nominalzins sind nur dann gleich, wenn die Zinsen jähr­lich ausgeschüttet werden oder wenn sie dem Anlage­konto gutgeschrieben und im Folge­jahr mitverzinst werden.

Auch die Oyak Anker Bank schreibt die Zinsen ohne Zinseszins erst am Ende der Lauf­zeit gut. Knapp 290 Euro weniger bekommen deshalb Sparer, die 10 000 Euro für zehn Jahre bei der Bank angelegt haben.

„Fest­geld – Die clevere Geld­anlage ganz ohne Risiko!“, wirbt die Bank. 2,45 Prozent Zinsen will sie dafür zahlen. Die Rendite, also der effektive Jahres­zins, liegt mit 2,22 Prozent pro Jahr deutlich nied­riger. Clever ist das Angebot vor allem für die Bank.

Knapp 290 Euro Verlust in zehn Jahren – manch einer hält das vielleicht für läppisch. Doch die Masche ist fies. Und es ist besser, sie zu kennen. Denn wenn die Zinsen für Fest­geld mal wieder höher sind, kassiert die Bank noch mehr. Bei einem Zins von 5 Prozent für zehn Jahre und 10 000 Euro Anlagesumme verlieren Sparer 1 289 Euro.

Grund für die heute so geringe Differenz zwischen Nominalzins und Rendite sind die derzeit nied­rigen Sparzinsen. Selbst der aktuelle Spitzenreiter, die von Essen Bank, zahlt nur 3,25 Prozent für eine Lauf­zeit von zehn Jahren. Zins und Rendite sind hier jedoch identisch.

Trick­sereien in der Werbung

Banken wie DAB Bank, Noris­bank, Oyak Anker Bank, ProCredit Bank, Wüstenrot Direct oder Ziraat Bank wissen, dass Kunden den Unterschied zwischen Zins und Rendite kaum kennen. Also tricksen sie bei der Zins­angabe, um Geschäfte zu machen.

Die Wüstenrot Direct führt für ihr Top Termingeld Flex „drei gute Gründe“ an. „Gut“ ist allerdings keiner der Gründe:

  • „Bis zu 1,25 Prozent pro Jahr“ sind eher mau. Die 1,25 Prozent Zins gibt es für eine Lauf­zeit von vier Jahren und die Rendite liegt mit 1,23 Prozent noch nied­riger. Zum Vergleich: Top-Anbieter zahlen zwischen 2,0 und 2,3 Prozent (siehe test.de/festgeld).
  • Der zweite gute Grund heißt: „0 Euro für die Konto­führung“. Doch das ist Stan­dard für Fest­geld­anlagen von Banken.
  • Der dritte Grund, „jeder­zeit sonder­verfügen“, klingt gut. Der Zins von 0,11 Prozent ist es aber nicht. So wenig bekommt ein Sparer rück­wirkend für den Betrag, den er vorzeitig abhebt.

Daneben­greifen können Sparer beim Fest­geld der deutschen Tochter der türkischen Ziraat Bank. „Mit unseren attraktiven Zinsen wächst Ihre Rendite stetig an“, wirbt die Direkt­bank auf ihrer Internetseite um Kunden. Im Antrags­formular können Anleger zwischen jähr­licher und endfäl­liger Zins­auszahlung wählen. Setzen sie das Kreuz an der falschen Stelle und wählen „endfäl­lig“, verzichten sie auf wachsende Zins­erträge.

Vorsicht, Steuerfalle

Im Produkt­informations­blatt der Ziraat Bank fehlt der Hinweis auf den Rendite­unterschied. Das Blatt, das anders als für Wert­papiere eine freiwil­lige Information der Banken ist, schützt sie nicht vor Fehl­entscheidungen (siehe Finanztest 08/2013).

Auch die negativen steuerlichen Folgen, die eine Auszahlung der gesamten Zinsen zum Ende der Lauf­zeit haben kann, werden mit keinem Wort erwähnt. Die Ansamm­lung kann zum Problem werden, wenn es vorher keine jähr­liche Gutschrift gab und nun alles auf einmal für die Steuer zählt.

Über­schreiten die Zins­erträge nämlich den Sparerpausch­betrag von 801 Euro für Allein­stehende oder 1 602 Euro für Paare, werden für Zinsen über dem Frei­betrag auch noch 25 Prozent Abgeltung­steuer plus Solidaritäts­zuschlag und gegebenenfalls Kirchen­steuer fällig.

Die Produkt­informations­blätter weisen nur allgemein auf die Steuer­pflicht von Zins­erträgen hin. Sparer erhalten den Rat, sich an „Ihren Steuerberater“ oder „Ihre zuständige Steuerbehörde“ zu wenden.

Viele Sparer werden an solche Fallen kaum denken, wissen sie doch, dass ihr Geld bei Banken mit Sitz in der europäischen Union in Höhe von mindestens 100 000 Euro pro Sparer und Bank gut geschützt ist. Was soll bei einer derart sicheren Anlage schief­gehen? Die Beispiele zeigen, dass die gesetzliche Einlagensicherung Sparer nicht vor blöden Tricks der Banken schützt.

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