Fertiglesebrillen Test

Ob Fertigbrillen für Alterssichtige gut genug sind, müssen Optiker oder Augenarzt feststellen. Wir haben geprüft, ob sie die Mindestanforderungen erfüllen.

Fertigbrillen sind Bestseller: Denn Alterssichtigen reicht eine einzige Lesebrille meist nicht aus. Wer sie nicht am Halsband mit sich herumtragen oder ständig nach ihr suchen will, deponiert seine Lesehilfe jeweils vor Ort: zu Hause, am Arbeitsplatz, im Auto, in der Aktentasche, im Sportbeutel. So haben insbesondere Alterssichtige, meist Menschen ab 45, im Laufe der Zeit eine hübsche Kollektion Lesebrillen in Gebrauch. Praktisch, dass es die Produkte ganz preiswert „von der Stange“ gibt. Die billigste der Testauswahl kostet 2 Euro.

Fertiglesebrillen wurden als Schnäppchen in den letzten Jahren millionenfach verkauft: im Supermarkt, in der Drogerie, am Flughafen, in Autobahnraststätten oder Tankstellen, zum Beispiel für Autofahrer, denen es nicht mehr gelingen will, den Stadtplan zu lesen. Auch Kaffeeröster mischen mit bei diesem großen Geschäft.

Billig kommt meist gar nicht billig daher: Zu den meisten Fertigbrillen liefert der Anbieter noch ein Etui mit. Das kann ein schmuckloses Kunststofffutteral wie bei der Fielmann-Brille für 7,95 Euro sein oder eine aus Hartholz gefräste, verleimte Holzschatulle mit Magnetverschluss wie bei der I need you Jazz für 22 Euro.

Lesehilfen in der Kritik

Fertiglesebrillen Test

Ohne Goldfarbe: Fassung und Bügel von Star Optic wurden nach dem Schweiß­belastungstest unansehnlich und rauh.

Auch Optiker bieten ein breites, modisch gestyltes Billigbrillensortiment an. Dieser Vertriebsweg verwundert etwas. Denn der Zentralverband der Augenoptiker warnte bereits vor Jahren vor Fertigbrillen, ebenso der Berufsverband der Augenärzte (BVA). Augenärzte und Optiker meiden im Zusammenhang mit Fertigbrillen das Wort „Brille“. Sie sprechen von „Lesehilfen“ oder „Notbrillen“.

Denn Fertiglesebrillen sind kein Ersatz für eine vom Fachmann angepasste Lesebrille, keine Alternative zur individuellen Versorgung. Dabei wird kräftig hochge­stapelt: Fast die Hälfte der von uns geprüften Fertiglesebrillen tragen die zu viel versprechende Produktbezeichnung „Lesebrille“. Korrekt sind „Fertiglesebrille“ oder „Zweit- und Ersatzlesebrille“ wie zum Beispiel bei CyberLook. Der Kundeninformation sollen zudem Angaben dienen, die vorgeschrieben sind: wie die optische Stärke in Dioptrien, über die meist auf einem Aufkleber informiert wird. Das Symbol eines durchgestrichenen Autos soll Autofahrer warnen. Weil bei Fertigbrillen für Kurzsichtige die Gefahren für den Straßenverkehr viel größer sind, ist der Verkauf von konfektionierten Brillen für Kurzsichtige sogar durch höchstrichterliche Entscheidung untersagt worden.

Warnhinweise vorgeschrieben

Fertiglesebrillen Test

Federscharniere: Keine Schäden bei Überdehnung der Bügel.

Der Optiker sollte Käufer von Billigbrillen im Laden beraten – was bei den Testkäufen auch meist geschah. Dennoch kann es nicht schaden, wenn der Kunde aktiv nachfragt. Ansonsten müssen sich Käufer an Informationen auf einem Anhänger halten. Auf den gut lesbaren Warnhinweisen soll stehen: „Nur zum Nahsehen und Lesen geeignet.“ „Nicht beim Führen von Kraftfahrzeugen“, „nicht als Augenschutzgerät gebrauchen“, „Nur eine regelmäßige fachkundige Augenuntersu­chung ermöglicht eine optimale Sehhilfe und überprüft die Gesundheit Ihrer Augen.“ Das zeigt: Auch die beste Fertiglesebrille ist nicht mehr als ein Kompromiss. Sie wird kaum mit einer individuell angepassten mithalten können. Wenn überhaupt, dann erfüllt eine Fertigbrille allenfalls zufällig die Voraussetzungen für optimalen Sehkomfort. Sie nimmt keine Rücksicht darauf, ob die Sehstärke der Augen unterschiedlich, wie groß der Abstand zwischen den Pupillen ist oder ob eine Hornhautverkrümmung durch das Brillenglas korrigiert werden sollte. Fertigbrillen bieten Durchschnittswerte an, ohne Rücksicht auf Besonderheiten:

  • Mehr als 2,5 Millionen Brillenträger haben eine Hornhautverkrümmung, die nur durch individuell gefertigte Brillengläser ausgeglichen werden kann. Je stärker die Hornhautverkrümmung, umso unvollkommener wird die Korrektionswirkung der Fertiglesebrille sein. Sie wird zwar die Alterssichtigkeit korrigieren, aber sie kann keine optimale Sehschärfe liefern.
  • Die Dioptrienzahl ist in beiden Gläsern gleich. Das ist aber nur für etwa jeden zehnten Brillenträger die geeignete Lösung. Durch nicht optimale Korrekturwerte rechts und links wird unter unterschiedlichen Entfernungen „scharf“ gelesen. Es ist zwar möglich, das andere Auge „scharf zu stellen“. Da dies aber nur gekoppelt ablaufen kann, wird das andere Auge auf „unscharf“ gestellt. Die Folge: zum Teil beträchtliche Sehunruhe.
  • Augen sollten durch die optischen Mittelpunkte der Gläser blicken. Die Punkte liegen oft nicht an den richtigen Stellen.

Augen sind anpassungsfähig. Wer nur Fertigbrillen nutzt, kennt optimales Sehen meist nicht. Selbst wenn man glaubt, per Fertigbrille besser zu sehen, können auf Dauer Probleme auftreten: rote Augen durch Überanstrengung bei falscher Sehstärke, Sehunruhe bei Ungleichsichtigkeit, Kopfschmerzen. Die Ursachen werden häufig nicht erkannt. Immerhin: Bleibende Schäden durch Fertigbrillen wurden bisher nicht nachgewiesen.

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