Fertiglesebrillen Test

Sie sind billig und liegen voll im Trend: Fertigbrillen von der Stange. Heute gibt es sie sogar an Tankstellen, Autobahnraststätten und im Supermarkt. Ein paar Millionen Exemplare werden Jahr für Jahr verkauft. Kein Wunder: Die billigsten Lesehilfen kosten nur zwei Euro. Echten Durchblick bringen sie allerdings selten. test.de sagt, warum.

Kaum Durchblick von der Stange

Augenärzte und Optiker warnen: „Brillen von der Stange sind bestenfalls Notbrillen – kein Ersatz für eine individuell angepasste Brille“. Trotzdem werden die billigen Lesehilfen selbst von Optikern verkauft. Eine Brille für ein paar Euro: Das zieht Kunden an. Die Stiftung Warentest hat die Probe aufs Exempel gemacht. Zehn Tester zogen los, um sich eine Fertigbrille zu kaufen. Ohne Beratung: Frei von der Stange. Die Tester wählten Brillen, mit denen sie gut sehen konnten. Anschließend prüften Experten, ob die Brille tatsächlich zur Testperson passt. Ergebnis: Nur zwei von zehn Testern hatten passende Brillen gefunden - eher zufällig als gezielt.

Besser individuell

Bei den anderen acht wurde die Sehschwäche nicht richtig korrigiert. Hauptursache: Unterschiedlich starke Sehschwäche auf beiden Augen. Viele Testpersonen sahen auf dem linken und rechten Auge unterschiedlich gut. Ein weit verbreitetes Phänomen, das eine Fertigbrille nicht korrigieren kann. Trotzdem empfanden die Tester ihre Lesehilfe als gut. Erst der direkte Vergleich mit einer individuell angepassten Brille öffnete den Testpersonen die Augen. Mit der angepassten Brille konnten sie besser sehen. Auch eine Verkrümmung der Hornhaut lässt sich nur durch speziell abgestimmte Gläser korrigieren. 2,5 Millionen Brillenträger haben eine solche Hornhautverkrümmung. Für sie macht eine Fertigbrille wenig Sinn. Fertigbrillen sind Durchschnittsbrillen, ohne Rücksicht auf Besonderheiten.

Preiswerte Zweitbrille

Als Notbehelf oder Zweitbrille bei einfacher Sehschwäche sind die billigen Lesehilfen aber durchaus geeignet. In puncto Optik sind alle getesteten Brillen gut: keine Kratzer, keine Schlieren und keine Fehler im Glas. Auch die Dioptrienzahl stimmte bei allen Brillen mit der Angabe auf der Packung überein. Wer seine Sehstärke kennt und die gleiche Sehkraft auf beiden Augen hat, findet in den Lesehilfen eine preiswerte Zweitbrille. Vor allem die Angebote aus Drogerie- und Supermärkten sind unschlagbar günstig: Eine Brille kostet hier oft nur zwei bis drei Euro. Beispiel: Star Optic Lesehilfe (Schlecker), CyberLook faltbare Zweitbrille (Lidl) und No Name Lesebrille (City Discount).

Wenig haltbar

Schwachpunkt mancher Fertigbrille ist ihre Haltbarkeit. Beispiel: die Billigbrillen von Lidl und Schlecker. Hier löste sich die Beschichtung der Brillenbügel. Der Lack ist nicht ausreichend schweißbeständig. Das hat gleich zwei Nachteile: Erstens sehen die Brillenbügel schnell hässlich und fleckig aus. Zweitens kann sich Nickel aus den Metallbügeln lösen. Eine Gefahr für Allergiker: Nickel kann die Haut röten und zu Ekzemen führen. Auch im Praxistest gab es Probleme. Viele Fertigbrillen saßen nicht gut auf der Nase. Kein Wunder: Fertigbrillen sind Einheitsware. Hier hilft nur Ausprobieren, bis ein Gestell zufällig passt. Wichtig: Die Pupillen müssen möglichst genau durch den optischen Mittelpunkt der Brillengläser blicken. Das kann nur ein Fachmann prüfen.

Wenig Informationen

Schlechte Noten vergaben die Tester für die Kennzeichnung der Brillen. Oft fehlten Warnhinweise wie „Nur zum Nahsehen und Lesen geeignet“ oder „Nicht zum Führen von Kraftfahrzeugen“. Die Europanorm für Fertigbrillen schreibt solche Warnungen vor. Auch die Informationen über Grenzen und Nutzen der Fertigbrille sind dünn. Nur sieben Brillen kamen mit Gebrauchshinweisen daher. Wer noch keine Fertigbrille hatte, sollte sich beim Kauf beraten lassen. Fragen Sie Ihren Augenarzt oder Optiker und kaufen Sie die erste Brille nicht allein.

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