Fernunterricht Spanisch Test

Das Sofa wird zum Arbeitsplatz. Wer per Fernkurs Spanisch lernt, braucht Ausdauer und Disziplin.

Dass Spanischlernen „in“ ist, könnten die Anbieter von Fernkursen nutzen. Doch statt guter Eingangsgespräche bieten sie Verkaufsberatung und überzeugen weder mit Lehrmaterialien noch mit Betreuung. Das zeigte der Test von sieben Fernkursen.

Die Dame am Telefon war zuversichtlich. „Machen Sie sich keine Gedanken. Wenn Sie eine Frage haben, greifen Sie einfach zum Hörer und sprechen mit Ihrem Fernlehrer.“ Unsere Testerin hatte sich vor der Buchung des 14-monatigen Spanisch-Grundkurses für rund 1  400 Euro erkundigt, wen sie im Notfall anrufen könne. Darauf, dass unter der Telefonnummer nur die Mailbox-Stimme des Lehrers erklingen würde, hatte die Beraterin der Fernakademie für Erwachsenenbildung nicht deutlich hingewiesen. Zwei Monate später ärgerte sich unsere Testerin: „Es klang doch so, als ob ich jederzeit meinen Lehrer erreichen könnte. Da wurden falsche Hoffnungen geweckt.“

Wir wollten wissen, wie man heute Spanisch per Fernkurs lernt und wie gut der Service der Anbieter ist. Dafür haben wir geschulte Tester in Anfängerkurse von sieben Anbietern geschickt.

Ein Ergebnis des Tests: In gute Information am Telefon investieren Fernanbieter nicht. Das geschilderte Gespräch bei der Fernakademie für Erwachsenenbildung gehörte zusammen mit dem beim ILS Institut für Lernsysteme zu den besseren im Test. Ihre Eingangsgespräche waren immerhin von „mittlerer“ Qualität. Die übrigen fünf Anbieter bekamen hier nur ein „niedrig“. Denn oft wurden nicht nur falsche Erwartungen geweckt, sondern die Berater stellten sich nicht mit ihrer Qualifikation vor, informierten nur unzureichend über die Kursinhalte und erkundigten sich nicht nach vorhandenen Fremdsprachenkenntnissen oder Fernlernerfahrungen.

Lehrmaterialien sind entscheidend

Wer einen Fernlehrgang bucht, muss bedenken, dass hier der wöchentliche Kontakt zum Lehrer in Fleisch und Blut ebenso fehlt wie der zu den Mitschülern. Gruppendiskussionen und Partnerübungen sind unmöglich, auch die schnelle Frage nach dem Unterricht.

Deshalb steht und fällt ein Fernlehrgang mit den Lehrmaterialien, einer guten fachlichen Betreuung und effektiven Lernstrategien fürs Selberpauken, die der Sprachschüler an die Hand bekommt. Diese Aspekte haben wir unter der Kategorie „fachliche Qualität“ zusammengefasst und bewertet. Auch in diesem Prüfpunkt fanden wir viele Mängel. Kein Anbieter kam über eine „mittlere“ fachliche Qualität hinaus (siehe Tabelle). Insgesamt fanden sich oft gute Lerntipps nicht ausreichend genug in den Übungen wieder.

Ein eindeutig zu hohes Kursniveau bot die Europäische Fernhochschule Hamburg. In nur neun Monaten kann ein Berufstätiger die angestrebte Stufe B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens kaum erreichen. Außerdem ist das hier benutzte Lehrmaterial, Huebers „Paso a paso“, nicht zum Selbstlernen konzipiert.

Eine „niedrige“ Qualität mussten wir dem Kurs „Spanisch I“ von Akad bescheinigen: Mündliche Übungen wurden gar nicht kontrolliert, und die Lehrmaterialien waren didaktisch veraltet.

Sprechen lernt man nicht

Auch die Betreuung, die ebenfalls in die fachliche Qualität einfließt, ließ zu wünschen übrig. Akad schaffte zum Beispiel während des Kurses seinen Betreuer am Telefon ab. „Komplexe inhaltliche Fragen lassen sich aber per E-Mail kaum beantworten“, entrüstete sich unsere Testperson. Zickerts Akademie für Sprach-Fernkurse bot keinen direkten Kontakt zum Lehrer an. Unpersönlich lief es auch bei der Hamburger Akademie für Fernstudien, wo wechselnde Lehrer die schriftlichen Aufgaben korrigierten.

Fazit: Hör-, Lese- und Schreibkompetenz kann man bei der Fernakademie für Erwachsenenbildung, dem ILS Institut für Lernsysteme und der Studiengemeinschaft Darmstadt erwerben. Doch das Sprechen lernt man auch hier nicht – das ist der Nachteil der Fernkurse. Nach acht Wochen resümierte eine Testerin: „Wozu soll ich denn Spanisch lernen, wenn keiner zuhört?“

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