Fernunterricht Test

Die Schulen für Fernunterricht machen mit ihrer telefonischen Beratung schlechte Werbung für sich. Unsere Tester wussten danach oft immer noch nicht, welcher Kurs zu ihnen passt.

Ralf Angler (Name von der Redaktion geändert) ist Mitte 40 und schon gut acht Jahre lang immer auf demselben Posten in einer Speditionsfirma beschäftigt. Seit September sitzt er wieder auf der Schulbank. Er bildet sich im Thema ­„Europäische Betriebswirtschaft“ weiter.

Die Schulbank steht zu Hause, er nutzt sie nur in der Freizeit. Der Lehrer sitzt etwa 700 Kilometer entfernt. Mit ihm ist er überwiegend per Post und Internet im Kontakt. Ralf Angler ist einer von rund 200 000 Fernschülern in Deutschland.

Fernunterricht zur beruflichen Weiterbildung heißt, zwischen rund 6 und 15 Stunden neben dem Beruf zu lernen, manchmal nur wenige Wochen, aber auch bis zu zwei Jahren. Ein Kurs kann mehrere Tausend Euro kosten. Wer sich das leistet und sicher sein will, dass er durchhält, muss genau wissen, worauf er sich einlässt.

Ralf Angler wusste das aus Berichten von Bekannten. Diesen Vorteil hatten unsere Testpersonen von Finanztest nicht. Sie sollten herausfinden, wie die elf wichtigsten Anbieter von Fernunterricht telefonisch beraten und schriftlich informieren. Weiß der Interessent danach, ob der Kurs zu ihm passt, ob er alle Voraussetzungen mitbringt und ob er damit sein Ziel erreichen kann?

Hauptsächlich Mittelmaß

Die Ergebnisse waren mittelmäßig bis schlecht. Oft wussten unsere Tester nach der Beratung nicht, ob sich Fernunterricht für sie eignet und welcher Kurs passt.

Nur die Akademie für Betriebswirtschaftliche Weiterbildung (bbw) erreichte das Finanztest-Qualitätsurteil „gut“. Über die Hälfte der Anbieter, sechs Institute, ­bekam ein „Befriedigend“, drei nur ein „Ausreichend“. Bei der Hamburger Akademie für Fernstudien werden ­Anrufer ­sogar „mangelhaft“ beraten.

Eine Testperson erkundigte sich dort nach den geforderten Voraussetzungen und bekam zu hören: „Sehen Sie im Studienkatalog nach.“ Auf die Frage nach den beruflichen Möglichkeiten hieß es: „Informieren Sie sich beim Arbeitsamt.“ Ein anderer Tester bekam auf diese Fragen die Antwort: „Schlagen Sie den Studienwegweiser auf. Lesen können Sie ja wohl?“

Die meisten Berater drängten die Anrufer nicht zum Vertragsabschluss. Sie waren auch gleich beim ersten Anruf zu einer Beratung bereit und nahmen sich im Schnitt eine Viertelstunde Zeit. Doch die Beratung war oft schematisch und ging kaum auf die Bedürfnisse des Anrufers ein.

Bei der BSA-Akademie erkundigte sich eine Testperson, die sich zum Wellnesslehrer weiterbilden wollte, ob und wie sie fehlende Praxis ausgleichen kann. Die Antwort: „Sie trainieren doch bestimmt in ­einem Fitnessstudio? Das reicht.“ Das ist Quatsch. Eine solche Ausbildung erfordert wesentlich mehr Vorkenntnisse.

„Weiterbildung ist immer gut“

Fernunterricht verlangt neben Zeit und Geld auch Disziplin und Unterstützung in der Familie. Wenn die Tester diese besonderen Anforderungen ansprachen, gab es häufig lediglich die Empfehlung, doch die Probezeit in Anspruch zu nehmen. Dann würden sie selbst herausfinden, ob es die geeignete Lernform sei.

„Kinder sind kein Problem“, bekam eine Testerin zu hören, die sich nicht sicher war, ob ihre Familie ein Hindernis sei.

Spärlich flossen – trotz Nachfragen – Hinweise zu den beruflichen Möglichkeiten nach Abschluss der Weiterbildung. Zur Antwort gab es Phrasen wie „Weiterbildung ist immer gut“. Dabei sind die Aussichten im Beruf ein Hauptgrund, warum sich Menschen weiterbilden. Ralf Angler rechnet sich in zwei Jahren Chancen auf einen höheren Posten bei seiner europaweit tätigen Firma aus.

Nicht alle halten sich ans Gesetz

Auch die schriftlichen Informationen ­waren oft nicht vollständig oder einzelne Aspekte waren darin schwer zu finden. Zudem gibt es im Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) Vorschriften, was der Kunde im Informationsmaterial finden muss. Der Anbieter Teia hielt sie nicht vollständig ein.

Hier fehlten allein sechs der zwölf erforderlichen Angaben: Welche Gültigkeit hat der Abschluss des Lehrgangs? In welchen Abständen bekommt der Fernschüler das Lehrmaterial geschickt? In welchen Raten kann er zahlen? Welches Widerrufsrecht hat er? In welchen Fällen kann er kündigen und was ist die Mindestdauer des Vertrags?

Die Akad verteilte wichtige Informationen über mehrere Broschüren. Einige waren nur in kleiner Schrift auf dem ­Anmeldeformular oder in den Geschäftsbedingungen zu finden.

Dass es besser geht, bewies die Akademie für Betriebswirtschaftliche Weiterbildung. Der Testsieger schickte Material passend zum angeforderten Kurs, detailliert und übersichtlich. Da fällt die Entscheidung für einen Fernlehrgang gleich leichter.

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