Fernunterricht Englisch Test

To be or not to be? Im Fernkurs ist spontanes Nachfragen schwierig, denn die Fernlehrer sind nicht sofort per Telefon oder Mail erreichbar.

Schlechte Betreuung, veraltetes Lehrmaterial und kaum Chancen zum Sprechen: Das ist das enttäuschende Fazit unseres Tests von sechs Fernkursen Englisch. Kein Wunder, dass unseren Testern das Lernen wenig Spaß machte.

Wer viel geschäftlich unterwegs ist, auf dem Land wohnt oder zu Hause kleine Kinder betreut und trotzdem Englisch, Spanisch oder Chinesisch mit einem Lehrer lernen möchte, hat eine altbekannte Möglichkeit: den Fernunterricht. Rund 17  000 Menschen, zwei Drittel von ihnen weiblich, büffeln jährlich auf diese Weise eine Fremdsprache. Das Lehrmaterial und die Korrekturen kommen per Post und E-Mail. Der Nachteil: Weder Lehrer noch Mitschüler erlebt man in Fleisch und Blut – oder nur in einigen Kursen während einer kurzen Präsenzphase.

Mühsamer Spracherwerb

Wir wollten wissen, wie man im Computer-Zeitalter Englisch per Fernkurs lernt und haben jeweils die ersten zwei Monate von sechs Lehrgängen ohne Präsenzphase getestet. Die Kurse selbst dauern zwischen 9 und 14 Monaten und kosten zwischen 528 und 1  386 Euro.

Fazit: Das Englischlernen per Fernkurs ist mühsam und macht wenig Spaß. Veraltete Bücher und Hefte und das Fehlen eines kontinuierlichen persönlichen Ansprechpartners demotivierten unsere Tester. Dabei sollen gerade geeignete Lehrmaterialien und der gute Draht zum Betreuer die Nachteile des einsamen Lernens wettmachen. Außerdem braucht ein Fernlerner eine gute Selbstlernstrategie. Längst nicht alle Anbieter förderten das Selbstlernen zum Beispiel durch Lerntipps oder Arbeitstechniken. Da kein Anbieter alle Anforderungen erfüllte, bewerteten wir die fachliche Qualität bestenfalls mit „mittel“.

Bei Akad und der Studiengemeinschaft Darmstadt nannten wir die fachliche Qualität sogar nur „niedrig“. Ihre fachdidaktisch veralteten Lehrbriefe setzten auf das Pauken von Grammatik und Vokabellernen durch Wort-für-Wortübersetzungen. Bei der modernen Fremdsprachendidaktik aber geht es um die Anwendung von Sprache. Vokabeln lernt man heute im Kontext.

14 Tage Warten ist zu lang

Mühsam war das Hin- und Herspulen mit Kassetten bei Akad und Zickerts Akademie für Sprach-Fernkurse. Da ist der bloße Umgang mit Audio-CDs bei den anderen Anbietern von Vorteil.

Wer monatelang zu Hause allein lernt, ist auf eine intensive, persönliche und fachliche Betreuung angewiesen. Diese bot kein Anbieter. Im besten Fall stellten sich Dozenten mit einem Standardbrief bei den Lernenden vor. Alle Tester vermissten, dass sie nicht einfach ihren Lehrer im Notfall per Telefon oder E-Mail sofort erreichen konnten. „Mir fehlte einfach der persönliche Kontakt“, brachte es eine Testperson auf den Punkt. Drei Fachbetreuer in nur acht Wochen bei der Studiengemeinschaft Darmstadt, das sind eindeutig zu viele.

Auch der Umgang mit den eingesandten schriftlichen Aufgaben ließ zu wünschen übrig. Bei Akad dauerte die Rücksendung der korrigierten Aufgaben bis zu 14 Tage. Fast überall regierte bei den Korrekturen der Rotstift. Statt Tipps, wie man Fehler vermeiden kann, oder Hinweisen auf die Ursachen hagelte es Schulnoten. Positiv fielen hier nur die teilweise umfassenderen Kommentare vom ILS Institut für Lernsysteme auf.

Telefon viel zu selten genutzt

Die Sprechkompetenz kam in allen Kursen eindeutig zu kurz. Einzig das ILS Institut für Lernsysteme nutzte während der zwei Monate die Möglichkeit, Aussprache und Wortschatz am Telefon zu üben. Bei Akad fehlte die Kontrolle der mündlichen Aufgaben ganz.

Ein gutes Eingangsgespräch sollte gerade bei einem Fernkurs selbstverständlich sein. Schließlich ist das Fernlernen eine besondere Herausforderung und der Informationsbedarf des Interessenten im Vorfeld sehr hoch. Doch häufig verwiesen die Kontaktpersonen am Telefon auf das schriftliche Material, anstatt auf die Fragen unserer Tester einzugehen. Positiv fielen hier die Berater der Fernakademie für Erwachsenenbildung und des ILS Instituts für Lernsysteme auf, die die Sprachkenntnisse unserer Tester richtig einschätzen konnten.

Punkten konnten alle Anbieter nur bei der Qualität der Kursinformation, die wir in allen Fällen mit „hoch“ bewerteten. Das liegt daran, dass die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) alle Sprachkurse zulassen muss und dabei auch die Kursinformation überprüft. Doch die ZFU-Zulassung ist noch lange keine Garantie für einen guten Englischkurs.

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