Fernseher im Test

Zwischen­bilder gegen das Ruckeln

848
Fernseher im Test - Top-Bild und Ton – geht auch günstig
Rechnerei. Fernseher können das ursprüng­liche Video­signal um zusätzliche Zwischen­bilder ergänzen. © Stiftung Warentest

Moderne Fernseher können das Ruckeln von Film­bildern wegrechnen. Manchen Cineasten ist das ein Graus. Dabei ist es oft nur eine Frage der Dosis, wie die Experten der Stiftung Warentest meinen. Worum es bei der Bewegt­bild­optimierung geht und was Sie an Ihrem Fernseher diesbezüglich einstellen können.

Fernseher im Test Testergebnisse für 292 Fernseher

Inhalt

Tom Cruise und die Bewegt­bild­optimierung

Schauspieler Tom Cruise hat eine Mission: Er findet, dass Fernseher falsch einge­stellt sind. Das will er ändern.

Mit einem Video auf Twitter hat er für dieses Anliegen auch bei solchen Medien Aufmerk­samkeit erregt, die sich sonst weniger mit Voreinstel­lungen von Fernsehern befassen.

In dem Video steht er in heroischer Fliegermontur an der Seite seines Dreh­buch­autors und Regisseurs Christopher McQuarrie und erläutert dem Zuschauer, dass er an seinem Fernseher die Bewegt­bild­optimierung abschalten soll. Nur so könne er Filme so ansehen, wie sie aussehen sollen.

Was die Bewegungs­glättung leistet

Damit hat sich der Star der Mission-Impossible-Filme in einer Debatte zu Wort gemeldet, die eine kleine, aber sendungs­bewusste Gemeinde von Film­freunden und -schaffenden schon seit Jahren antreibt. Sie wenden sich gegen eine Technik, die heute bei den meisten besseren Fernsehern voreinge­stellt ist: Motion Smoothing genannt, also Bewegungs­glättung.

Mit der Technik verringern die Geräte Bild­ruckeln und Bewegungs­unschärfen. Sie errechnen zwischen den Einzel­bildern des dargestellten Video­signals zusätzliche Zwischen­bilder. So erscheinen kontinuierliche Bewegungen, wie etwa lang­same Kamera­schwenks, natürlicher und fließender.

„Filme sehen aus wie Fernsehen“

Doch genau das geht Tom Cruise und seinen Mitstreitern gegen den Strich. Es wider­spricht ihrem Verständnis des Mediums Film: Traditionell besteht ein Kino­film aus 24 Einzel­bildern pro Sekunde. Diese eher geringe Bild­rate stammt noch aus Zeiten analoger Film­streifen, trifft aber auch heute auf die meisten Film­produktionen zu.

Wenn ein Fernseher diesen 24 Bildern eigene Zwischen­bilder hinzufügt, geht für Puristen der ursprüng­liche Film­charakter verloren. Sie nennen das „Seifen­oper-Effekt“ – denn Fernsehsendungen werden mit höheren Bild­raten über­tragen.

Der Vorwurf lautet: Mit Motion Smoothing sehen Filme aus wie Fernsehen. Echte Film­freunde sollten deshalb die Technik abstellen – meinen jedenfalls manche Cineasten.

Stiftung Warentest: Feinere Bild­einstel­lungen sind möglich

Was bei der Debatte um „An“ oder „Aus“ verloren geht: Moderne Fernseher erlauben deutlich feinere Einstel­lungen. So lässt sich die Bild­optimierung bei gleich­mäßigen Bewegungen meist in mehreren Stufen verändern. Oft sind sogar Bild­ruckeln und Bewegungs­unschärfen separat zu regeln.

Die Voreinstel­lungen sind in der Tat nicht immer optimal. Wer an seinem Fernseher den besten Kompromiss suchen oder die Sache komplett abschalten will, findet die Einstel­lungen bei LG im Bedienmenü zum Beispiel unter dem Stich­wort „TruMotion“. Bei Loewe heißt es „DMM“, bei Panasonic „IFC“ (Intelligent Frame Creation), bei Philips „Perfect Natural Motion“, bei Samsung „Auto Motion Plus“, bei Sony „Motionflow“, bei Toshiba und Grundig „MEMC“.

Auch eine Frage des Bild­inhalts

Wie sinn­voll Techniken zur Bild­optimierung sind, hängt auch vom Bild­inhalt ab: Während ihr Nutzen bei Filmen umstritten sein mag, sind sie etwa bei Sport­über­tragungen fraglos sinn­voll – wer will schon ruckelnde Fußballer oder Skispringer sehen?

Auch deshalb bewertet es die Stiftung Warentest negativ, wenn Fernseher über­haupt keine Bewegt­bild­optimierung bieten.

Umge­kehrt sollte man sie aber auf jeden Fall ausschalten, wenn der Fernseher als Monitor für schnelle Action-Spiele etwa von der Spiel­konsole genutzt wird. Denn das Errechnen der Zwischen­bilder kostet Zeit, was bei schnellen Spielen problematisch ist.

Die meisten Geräte bieten für verschiedene Anwendungen passende Voreinstel­lungen: etwa einen „Cinema“- und einen „Gaming“-Modus, in denen Bild­optimierungen wie Motion Smoothing oder Rausch­unterdrückung stark reduziert oder abge­schaltet sind.

Fernseher im Test Testergebnisse für 292 Fernseher

848

Mehr zum Thema

  • TV-Anschlüsse Die 7 wichtigsten Anschlüsse am Fernseher

    - Auf der Rück­seite eines Fernsehers tummeln sich zahlreiche Buchsen. Doch welche TV-Anschlüsse haben welchen Nutzen? Eine Über­sicht der wichtigsten Ein- und Ausgänge.

  • FAQ DVB-T2 HD Antworten zum Antennen­fernsehen

    - Die neue Antennen­technik DVB-T2 HD ist einge­führt, die letzten geplanten Sendemasten gingen im Sommer 2019 on air. Größter Vorteil: Endlich gibt es auch via Antenne...

  • Staubsauger im Test Akkus­auger gegen Boden­staubsauger

    - Test­ergeb­nisse, Preise und Ausstattung für 122 Staubsauger: Mit dem Staubsauger-Test der Stiftung Warentest finden Sie Ihren persönlichen...

848 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

joojanta am 27.05.2022 um 17:52 Uhr
Eignung für helle Umgebungen

Ich hätte gerne in Ihren Tests genauere Aussagen bezüglich der Eignung der TVs in hellen Umgebungen. Hintergrund: Meine Partnerin hat eine Sehbehinderung, die eine höhere Bildhelligkeit und einen besseren Kontrast bei dunklen Szenen erfordert. Ich liebäugele bereits seit längerem mit dem LG 55C17LB, aber da TVs mit QLED-Technologie teils die über 3-fache Maximalhelligkeit als das LG OLED-Gerät erreichen, befürchte ich, dass die Helligkeit tagsüber nicht ausreicht. Bitte nehmen Sie Helligkeits-Messdaten in Ihre Tabellen auf.

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.04.2022 um 10:39 Uhr
Metz

@SIGI2014: Unsere Testplätze sind leider begrenzt, wir können nicht alle Modelle untersuchen.

SIGI2014 am 21.04.2022 um 10:19 Uhr
Metz

Warum sind Fernseher von Metz nicht im Test?

knuetzel am 05.04.2022 um 08:11 Uhr
Abwertung bei Zwangswerbung (z.B. Tizen, WebOS)

@Stiftung Warentest,
da ich gerade auf der Suche nach einem neuen TV bin ich auf das Thema versteckte / offene Werbung im Betriebssystemen der TV-Geräte gestoßen. Auch weil sich anscheinend ein neuer Hersteller (Vizio) auf den Weg nach Europa macht, bei dem das direkt Thema ist.
Ich würde mir wünschen, dass sie das deutlicher thematisieren und als Grund für eine sehr klare Abwertung (mindestens eine ganze Note) der Geräte in ihr Bewertungssystem aufnehmen.
Es ist das eine, dass ich bei einem Amazon-Stick Werbung für Produkte bekomme. Wenn ich einen Stick vom weltgrößten Händler kaufe, sollte mir das im Vorfeld klar sein. Wenn mir aber mein Fernseher von LG, Samsung und Co. Spagetti und Cola verkaufen möchte, dann hab ich was dagegen. Einen nervenden Stick kann ich jederzeit austauschen, einen Fernseher (auch aus ökologischer Sicht) nicht.
Beste Grüße und Danke für die immer informativen Test

Profilbild Stiftung_Warentest am 14.03.2022 um 11:03 Uhr
Kopfhörer und Aufnahme

@Peter: Sie können für jedes einzelne Modell in unserer Tabelle selbst nachschauen, ob es die gewünschten Funktionen hat. Über die Filter-Funktion können Sie auch nach bestimmten Anbietern suchen.
www.test.de/Fernseher-im-Test-1629201-tabelle/