Fernseher Unternehmensverantwortung Test

Die Multis der Elektronikbranche setzen auf gute Umweltpolitik. Ihr Einsatz für Mitarbeiter ist eher schwach. Nur Grundig und Loewe sind stark engagiert.

Ihre Namen stehen für modernste Unterhaltungselektronik: LG, JVC, Samsung und Sony. Die Angst, Konzernfremden Einblick in ihre Hochtechnologie-Lösungen zu gewähren, ist groß. Groß genug, um eine Überprüfung ihrer gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) in unserem ersten CSR-Test in der Elektronikbranche abzulehnen oder ihr aus dem Weg zu gehen.

Die anderen acht Anbieter der 23 getesteten Flachbildfernseher gewährten uns dagegen Zutritt zu ihren deutschen Firmenstandorten. Doch nur fünf von ihnen – Grundig, Loewe, Metz, Panasonic und Pioneer – ließen uns auch die Fertigungsstätten besichtigen. Diese Unternehmen geben Aufschluss über das soziale und ökologische Engagement in der Produktionskette.

Bei so viel Verschlossenheit sieht das Ergebnis mager aus: Nur fünf der zwölf TV-Anbieter können beweisen, dass sie sich deutlich für Soziales und Umwelt einsetzen. Von diesen sind Grundig und Loewe als Einzige „stark engagiert“. Grundig verdankt das seinem türkischen Eigentümer und Produzenten Beko Elektronik, der Grundig als Marke gekauft hat und fortführt. Vier Anbieter zeigen „bescheidene Ansätze“, Toshiba zumindest „Ansätze“.

Wenige fertigen Bildschirm selbst

Fernseher Unternehmensverantwortung Test

Die wichtigsten Bauteile eines LCD-Fernsehers.

Die wichtigsten Bauteile eines LCD-Fernsehers.

Die Flachbildfernseher für den europä­ischen Markt werden oft in Osteuropa, Großbritannien und Spanien gefertigt. Nur Loewe und Metz produzieren in Deutschland. Die Arbeit besteht darin, die wichtigsten Komponenten eines Fernsehgeräts zusammen­zu­bauen (siehe Grafik). Dabei sind die elektronischen Leiterplatten eine Art programmierter Charakter des Fernsehers, der Bildschirm das Gesicht dazu.

Kein Anbieter schafft es, die rund 500 Einzelbauteile selbst herzustellen. Vieles wird daher eingekauft, vor allem der Bildschirm. So kooperiert Loewe zum Beispiel mit Sharp. Denn nur wenige Unternehmen weltweit sind imstande, LCD- oder Plasmabildschirme zu entwickeln. Sie sitzen in Japan, Südkorea oder Taiwan und sind für die Außenwelt nicht zugänglich.

Asiatische Firmen ticken anders

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Die Produktionshallen für Fernseher sind in verschiedene Bereiche geteilt: Einige Arbeiter bestücken die elektronischen Leiterplatten, andere fügen Bauteile zusammen. Am Ende werden die Geräte auf ihre Bildsignale geprüft und verpackt.

Auch die besondere Unternehmenskultur der japanischen und koreanischen Firmen setzte unseren Recherchen Grenzen. „Vertraulich“ oder „Keine Bilder, bitte“, das hörten wir häufig. JVC und Samsung verweigerten von Beginn an jede Auskunft. Sony und LG hielten uns monatelang hin und beantworteten Fragen lückenhaft.

In Japan spielen Hierarchien eine große Rolle. Der lange Arm des Managements in Tokio oder Osaka reicht in jeden der europäischen Tochterbetriebe. Das Management entscheidet alles. So zum Beispiel auch, ob wir den Betriebsrat sprechen durften oder nicht.

Allgemein schreiben sich asiatische Firmen CSR-Grundsätze groß auf die Fahne. Panasonic, Pioneer und Toshiba erreichen im Urteil Unternehmenspolitik eine hohe Punktzahl. In der Praxis liegt ihr Fokus mehr auf der ökologisch optimalen Herstellung als dem Engagement für Beschäftigte.

Loewe und Metz mit hohem Einsatz

Die deutschen Firmen Loewe und Metz, beides Mittelständler, machen sich für ihre Angestellten dagegen besonders stark. Sie haben zwar keine schriftlichen Verhaltenskodizes, setzen dafür aber auf direkte Kommunikation. Der Anteil an Auszubildenden ist in ihren Betrieben hoch, und es gibt spezielle Angebote für ältere Angestellte. In der Vergangenheit kämpften beide hart für die Erhaltung von Arbeitsplätzen. Im Prüfpunkt Soziales erweisen sie sich so als „stark engagiert“.

Leiharbeiter stark verbreitet

Allein Beko (Grundig) bietet seinen türkischen Angestellten noch umfangreichere Leistungen wie einen Shuttle-Service zur Arbeit und einen Kindergarten. In der Produktion setzt Beko branchenüblich Leiharbeiter ein. Bei Anbietern, die darüber Auskunft gaben, machten Leiharbeiter 25 bis 70 Prozent der Beschäftigten aus. Ihnen zahlt Beko in der Türkei einen Mindestlohn, ebenso wie auch Pioneer und Toshiba in Großbritannien. Die soziale Absicherung ist trotzdem nicht klar genug geregelt. Am unsichersten ist die Situation für die vielen Fremdarbeiter bei Panasonic in Tschechien.

Schwache Kontrolle der Zulieferer

Idealerweise sollten Anbieter auch bei Zulieferern soziale Mindeststandards wie die Arbeitssicherheit und gerechte Entlohnung kontrollieren. Viele Firmen überprüfen die Umsetzung aber nicht selbst, sondern lassen sie sich einfach schriftlich bestätigen. Bei Hunderten von Lieferanten ist das zwar die einfachste Lösung, doch so bleibt auch die Kontrolle der Produktionskette begrenzt: Aus CSR-Sicht ein großes Minus.

Aus für gefährliche Substanzen

Mehr Einsatz zeigen die Hersteller im Umweltbereich. Sieben von ihnen sind hier „engagiert“ bis „stark engagiert“. Den „grünen“ Fernseher, also ein ökologisch einwandfreies Gerät, gibt es zwar noch nicht, doch die Branche arbeitet daran. Zulieferer müssen in der Regel die RoHS-Richtlinie einhalten, die gefährliche Substanzen wie Blei, Kadmium, Quecksilber in Elektronik­geräten verbietet oder stark begrenzt. Wenige Anbieter wie Loewe, Metz und Panasonic gehen freiwillig darüber hinaus, da die RoHS-Richtlinie nicht alle Risikostoffe erfasst, zum Beispiel alle halogenhaltigen Flammenhemmer in Kunststoffteilen. Kommt es zum Brand, entstehen durch sie gesundheitsgefährdende Gase. Auch Sharp und Toshiba halten die Umweltfahne hoch. Trotzdem fanden wir in je zwei ihrer Fernsehgeräte problematische Flammschutzmittel (siehe Produktfinder Fernseher).

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