Fernsehen 2.0 So werden Sie Ihr eigener Programm­direktor

Fernsehen 2.0 - So werden Sie Ihr eigener Programm­direktor
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Früher holte die Antenne eine Hand­voll Programme herein. Bei Nicht­gefallen wurde abge­schaltet, Zuspät­kommer verpassten den Anfang. Der moderne Fernseh­zuschauer sieht, was er will – dann, wann er will. Vom vorgegebenen Programm­angebot emanzipiert, holt er sich Film, Serie oder Sport­über­tragung aus dem Internet. Was es gibt und wie es ins Wohn­zimmer kommt, kann verwirren. test.de sagt, wie Fernsehen im Internet­zeit­alter funk­tioniert und zeigt die besten Geräte und Dienste.

Medien­angebote und passende Geräte

Medien­angebote im Internet lassen sich grob nach der Finanzierung einteilen:

  • die Mediatheken der öffent­lich recht­lichen Fernsehsender erwarten keine weitere Bezahlung,
  • Video­portale wie YouTube finanzieren sich über Werbung,
  • Online-Video­theken kassieren echtes Geld pro Film oder eine monatliche Pauschale.

So ergibt sich ein dreigeteiltes Bezahlmodell – mit über­lappenden Grenzen. Fernseher holen viele dieser Angebote ohne Hilfe herein. Sie benötigen dazu einen Internet­zugang, Stich­wort „Smart-TV“. Eine Alternative sind Blu-ray-Spieler und Spiele­konsolen mit Internet­zugang; mobile, vernetzte Geräte wie Smartphone, Tablet oder Notebook/PC, beziehungs­weise Streaminggeräte. Jeder Dienst und jedes Endgerät hat seine Besonderheiten, viele von ihnen haben wir bereits getestet. Eine Grundan­forderung haben alle Internet­angebote gemein: Sie setzen einen Breitband­anschluss voraus. Für Filme in Stan­dard­qualität genügt im besten Fall bereits eine Leitung mit 1 Megabit pro Sekunde, bei HD und erst recht bei UHD steigen die Anforderungen. Ab 16 Megabit pro Sekunde laufen Videos flüssig.

Im Über­blick: Videos aus dem Netz

Mediatheken
Sie halten bereits ausgestrahlte Sendungen für den individuellen Abruf parat und locken darüber hinaus mit zusätzlichen Inhalten. Am bekann­testen sind wohl die Mediatheken der öffent­lich recht­lichen Sender. Ihr Angebot ist auf vielen Smart-TVs, Blu-ray-Spielern und Streaminggeräten über HbbTV oder einer vom Anbieter aufgespielten App einfach abzu­rufen. Letzt­lich holt jedes mit dem Internet verbundene Endgerät wie Smartphone, Tablet und Notebook die Mediatheken ausnahms­los aller Sender herein. Den Anschluss beschreiben wir separat für jede Gerätegruppe.

Video­portale
Sie sind zumeist werbe­finanziert und eine schier unerschöpf­liche Fund­grube für Videos. Die größte Vielfalt bietet wohl YouTube, eine Alternative mit Schwer­punkt auf Qualität stellt Vimeo dar. Smartphone, Tablet und Notebook rufen ausnahms­los alle Video­portale ab. Manche Angebote laufen aber auch über eine vom Anbieter installierte App direkt auf dem Smart-TV oder Blu-ray-Spieler. Verlass ist auf diesen Komfort aber nicht.

Online­video­theken
Deren Kosten variieren zwischen etwa einem Euro für den Abruf eines einzelnen Films bis zu einer Monats­pauschale von rund 25 Euro (Sky, inklusive Cinema-Paket). Doch nicht nur der Preis unterscheidet sich. Der jüngste Test ergab auch große Unterschiede beim Repertoire: Anbieter wie Amazon, Google, Maxdome, Netflix oder Sky adressieren entweder eher den Serien­fan oder den Cineasten. Neue oder besonders angesagte Filme gibt es fast nie im Abo, sondern nur im Einzel­abruf.
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Im Über­blick: Geräte zum Abruf von Online-Videos

Smart-TV
Viele Online-Angebote lassen sich bequem über eine App auf dem Fernseher aufrufen. Inzwischen sind die meisten TV-Geräte internet­fähig. Neben dem üblichen Anschluss für ein Netz­werk­kabel integrieren viele ein WLan-Modul. Die Funk­über­tragung erspart das Verlegen eines Netz­werk­kabels. WLan ist allerdings stör­anfäl­lig – Klötz­chen­bildung im Bild und Ruckler sind möglich. Für den Zugriff auf Online-Video­theken geben die Nutzer ihre Zugangs­daten einmalig entweder am Fernseher ein oder auto­risieren das TV-Gerät etwa über ein Notebook. Dabei generiert der Video­dienst eine PIN, die der Nutzer in eine Eingabemaske auf dem Fernseher einträgt. Der bequeme Abruf von Videos mit TV-Apps ist einge­schränkt: Fernsehgeräteanbieter integrieren längst nicht alle Medien­angebote und sie ändern die App-Auswahl womöglich schon mit dem nächsten Firmwareupdate.
Der Test: Fernseher - 292 TV-Geräte im Test (immer aktuell)

Blu-ray-Spieler
Sie sind üblicher­weise internet­fähig. Online-Videos rufen sie auf wie Smart-TVs – über Apps zu ausgewählten Anbietern. Für die Anmeldung bei kosten­pflichtigen Angeboten gelten die gleichen Gepflogenheiten wie bei Fernsehern. Wie dort können die Geräteanbieter Apps durch ein Firmwareupdate entfernen oder hinzufügen. Ein HDMI-Kabel bringt das Video zum Fernseher. Die neueste Gerätegattung sind UHD-Blu-ray-Player für Film­konserven mit rund acht statt etwa zwei Millionen Bild­punkten. Beim Abruf von Online-Inhalten verhalten sie sich genauso wie ältere Blu-ray-Spieler. Auch der UHD-Player liefert die Videos über HDMI zum UHD-Fernseher.
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Streaminggeräte
Manche gehen glatt als dicker USB-Stick durch, andere sind kaum größer als eine Lunchbox. Alle streamen Online-Videos über HDMI auf den Fernseher. Sie machen auch ältere Fernseher „smart“. Manche wie Amazon Fire TV und Apple TV sind auf das Medien­angebot eines Anbieters spezialisiert, andere vergleichs­weise offen. Viele spiegeln auf dem TV-Schirm wider, was auf einem verbundenen Smartphone oder Tablet zu sehen ist – einen gestreamten Film ebenso wie einen selbst gedrehten Video­clip. Damit sind diese Geräte ziemlich vielseitig, sieben zu Preisen zwischen knapp 40 und rund 180 Euro haben wir geprüft.
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Mobile Geräte
Mit Notebook, Tablet oder Smartphone kann der Nutzer Videos und Filme aus dem Internet streamen. Das klappt mittels separat zu installierender App oder direkt über den Internet­browser des jeweiligen Gerätes. Notebooks mit HDMI-Ausgang werden über ein solches Kabel an den Fernseher ange­schlossen und benutzen ihn dann wie einen Monitor. Weil Notebooks besonders flexibel und die Verbindung zum Fernseher via HDMI sehr stabil ist, ist diese Variante besonders empfehlens­wert. Alternativ nimmt auch eine via WLan verbundene Streamingbox die Signale entgegen. Tablets und Smartphones bieten HDMI praktisch nur über einen Adapter. Diese mobilen Geräte bindet eine Streamingbox komfortabel an den Fernseher an.
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Pustekuchen am 08.03.2017 um 02:41 Uhr
Neutralität

Den Beiträgen von Antefix vom 12.01. und 25.01. muss ich zustimmen.
Neutralität gibt es auch bei Warentest nicht. Alles Tun bzw. Nichttun hat Auswirkungen. Muss wirklich jeder Trend noch zusätzlich befeuert werden? Keine Meinung haben - soll das etwa gut sein?
Ich habe mich bei Warentest schon manches Mal über zu leichtfertige Schreibe oder fehlende Kritik an politischen Sachverhalten geärgert. Diese Kritik soll jedoch keinesfalls die für die Verbraucher absolut nutzbringenden guten Leistungen von Warentest schmälern. Doch auch etwas Gutes kann immer noch besser werden.

Antefix am 25.01.2017 um 17:30 Uhr
"Unangemessen. . . ?"

Nach zehn Tagen: Meinte StiWa-Leserbriefredakteur @(Bu) hier die Löschung des Antefix-Beitrags abschreckend, weil "gemessen" an dem langen bekannten StiWa-Statement als hochoffiziellem Stiftungs-Credo? Oder als sog. Hängeschulterklopfen für selten schreibende TEST-Leser mit nur erträglicher Privatmeinung, wenn nicht für selbsternannte Gutmenschen-, Etikette- oder gar Ethikkommissare? So oder so fehlt eine Antwort auf die ernstzunehmende Frage, ob eine per se erkenntnisstarke Fachredakteursgemeinschaft nicht auch mal zu Meinungsbildungen (eben durch produktübergreifendes Brainstorming) gelangen kann, um absehbare Entwicklungen wie bei der Kommunikations- und Medientechnik ein wenig (z.B. durch eine Kurzkolumne) "meinungsbildend" zu begleiten.
Ähnliches hatte Antefix im Übrigen schon bei vorgestellten komplizierten Finanzprodukten, mindestens als 'Warnung' für Rentner unter den Lesern angeregt. Denn "objektiv und neutral sein" verlangt doch nicht erzkonservativ bleiben wie vor 1964.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.01.2017 um 13:19 Uhr
Stiftung Warentest bleibt neutral

Die Stiftung Warentest wurde 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundes­tages gegründet, um dem Verbraucher durch die vergleichenden Tests von Waren und Dienst­leistungen eine unabhängige und objektive Unterstüt­zung zu bieten. Das geht nur, wen wir in alle Richtungen neutral bleiben. Nur so kann niemand darauf Einfluss nehmen, was wir testen. Tatsächlich wurden wir schon der Einseitigkeit und Stimmungsmache bezichtigt, sei es beim Vergleich von Bioprodukten, der Unternehmensverantwortung der in einen Test einbezogenen Anbieter oder dem Vergleich von Smartphone-Tarifen für Flüchtlinge. Dabei darf nicht übersehen werden, dass dies Tests oder Vergleiche oder Aufstellungen sind, die einem aktuellen Bedarf an Information und Transparenz entgegenkommen, nicht aber der Versuch, dem Verbraucher ein bestimmtes Bild von der Welt zu vermitteln. (Bu)

Antefix am 13.01.2017 um 10:37 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Unangemessener Umgangston

fprappa am 12.01.2017 um 21:51 Uhr
StiWa als Ethikommission?

Ich glaube weder, dass die das möchte noch dass das ihre Aufgabe ist. Da verlangen Sie zu viel von ihr. Technisch-funktional ist der Fokus. Datenschutz, also Recht, auch gerne. Aber Brainstorming als redaktionelle Meinung zu veröffentlichen würde ich keiner Zeitschrift empfehlen.