Ferngläser Test

Durchblick muss nicht teuer sein.

Modelle mit den großen deutschen Namen gehören zu den besten – und den teuersten: Leica und Zeiss. Doch statt „sehr guter“ Qualität für mindestens 300 Euro dürfte oft auch ein „gutes“ Glas für weniger als 100 Euro reichen.

Ferngläser sind in vielen Fällen nützliche Begleiter: Sie holen Formel-1-Boliden oder Rennpferde näher heran und ermöglichen auch von den hinteren Rängen in Oper oder Konzert noch gute Sicht. Aufgrund des geringen Gewichts ab etwa 170 Gramm sind sie auch für längere Wandertouren nicht zu schwer. Doch bei der Auswahl des richtigen Modells verliert manch ein Interessent schnell den Durchblick. Die Vielfalt der Feldstecher ist verwirrend. Aus dem breiten Angebot haben wir besonders ansprechende Modelle für Urlaub und Freizeit ausgewählt: Kompakte, zweirohrige (binokulare) Ferngläser mit den Typenbezeichnungen 8 x 20 (bis 25) und 10 x 25. Die jeweils erste Zahl bezeichnet die Vergrößerung – achtfach oder zehnfach. Die zweite Zahl gibt den Durchmesser des Objektivs, auch Eintrittspupille genannt, in Millimetern an. Das ist die dem Betrachtungsobjekt zugewandte Seite des Fernglases.

Modelle mit achtfacher Vergrößerung sind meist etwas kleiner und zum Teil auch leichter. Geräte mit zehnfacher Vergrößerung zeigen bei gleicher Entfernung mehr Details, erfordern aber auch eine ruhigere Hand vom Nutzer, da sonst das Bild verwackelt. Darüber hinaus sind sie bei schwachem Licht, zum Beispiel bei einsetzender Dämmerung, etwas besser einzusetzen als ihre kleineren Brüder. Die Dämmerungsleistung eines Fernglases lässt sich recht einfach ausrechnen: Vergrößerung mal Objektivdurchmesser, also 8 x 20 (= 160) oder 10 x 25 (= 250). Je größer das Produkt, desto deutlicher die Sicht bei wenig Licht. Der Fachmann zieht aus dem Produkt noch die Quadratwurzel und erhält mit dieser so genannten Dämmerungszahl einen Hinweis darauf, wie weit entfernte Objekte in der Dämmerung noch zu erkennen sind. Mit achtfacher Vergrößerung ist für die genannten Fälle ein Gegenstand in 126,5 Metern noch zu erkennen, bei zehnfacher Vergrößerung in 158 Metern. Aber: Für spezielle Nutzung sind die geprüften Modelle nicht gedacht. Ihre Dämmerungsleistung ist für die Jagd zu schwach, auch für große Entfernungen auf See beispielsweise bei einer Regatta sind sie schlecht geeignet.

Neben der Vergrößerung unterscheiden sich die getesteten Modelle auch durch die äußere Form. Das liegt an ihrem Innenleben, genauer an Art und Anordnung der verwendeten Prismen, die für das aufrechte Bild sorgen. Klassisch sind Porroprismen, benannt nach ihrem italienischen Erfinder Ignazio Porro. Hier sind die optischen Achsen von Objektiv und Okular etwas gegeneinander versetzt. Moderner sind Dachkantprismen, die einen geradlinigen Strahlengang und damit eine schlankere Bauweise des Fernglases erlauben. Im Test haben 16 Fabrikate Dachkantprismen, die übrigen 5 Porroprismen.

In der Tabelle sind auch Angaben zum Sehfeld der Ferngläser zu finden. Es variiert zwischen 86 (Minox BD 10 x 25 BR) und 141 Metern (Nikon Sport Star 3/8 x 25 DCF). Das heißt: In einer Entfernung von 1 000 Metern kann eine runde Fläche mit 86 bis 141 Metern Durchmesser betrachtet werden. Für Brillenträger gelten diese Angaben aber oft nur eingeschränkt: Ihr Sehfeld ist zum Teil deutlich kleiner. Bei Nikon Sport Star, Praktica CN Sport 8 x 21S, Minolta Sport Mini 10 x 25 WR und Bushnell Image view 10 x 25 können sie nicht einmal die Hälfte des Sehfelds überblicken. Ferngläser sollten bei geringer Fehlsichtigkeit besser ohne Brille verwendet werden. Alle geprüften Modelle haben zu diesem Zweck einen Dioptrienausgleich am Okular beziehungsweise Objektiv (wie bei den beiden Leica Trinovid).

Handhabung und Haltbarkeit

Ferngläser Test

Mit diesem Prüfaufbau haben wir das Sehfeld der Ferngläser untersucht.

Mit der Handhabung hatten unsere Testpersonen kaum Schwierigkeiten. Schärfe und Augenabstand ließen sich überwiegend einfach einstellen, auch ohne Gebrauchsanleitung. Alle Gläser werden mit Gürteltaschen geliefert. Das Einlegen in die Transporttaschen ist je nach Modell allerdings ziemlich umständlich.

Recht positiv verliefen die Klimaprüfungen: Weder Hitze noch Kälte oder Feuchtigkeit konnten den Ferngläsern ernsthaft etwas anhaben. Die meisten geprüften Modelle vertragen auch unbeschadet einen kräftigen Stoß.

Sondermodelle

Ferngläser Test

Manchmal können Brillenträger nur rund die Hälfte des Sehfelds überblicken (Foto links).

Das Modell Minox BD 10 x 25A ist mit Höhenmesser, Thermometer und Uhr inklusive Stoppuhr ausgestattet – Extras, die wir nicht bewertet haben. Während die Uhr zuverlässig läuft, arbeitet das Thermometer noch viel langsamer als der Höhenmesser. Das Bushnell Image view 10 x 25 FOV 300 bietet eine integrierte Mini-Digitalkamera, die aber nur für einfachste Anwendungen genügen kann. Der Nutzer sieht nur eingeschränkt, was er aufnimmt, da die Kamera ohne Display oder Sichtfenster zwischen den beiden Rohren angebracht ist. Schwer, aber praktisch ist das Canon 8 x 25 IS: Es hat einen Bildstabilisator und eignet sich für alle, die keine ruhige Hand haben.

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