Fernbusse Test

Liniendienste werben mit güns­tigen Preisen um Passagiere für die Lang­strecke. Wie pünkt­lich, komfortabel und sicher sind sie? Neun große Anbieter im Test.

Von Berlin nach Hamburg für 8 Euro, von Köln nach München für 19 – eine Fahrt mit dem Fernbus ist unschlagbar preis­wert. Zeit müssen die Reisenden allerdings mitbringen. Der Bus ist meist viel länger unterwegs als etwa die Bahn. So dauert die Busfahrt von Köln nach München rund acht Stunden. Mit der Bahn ist der Fahr­gast schon nach vier­einhalb Stunden am Ziel. Dafür kostet das Bahnti­cket 95 Euro – sofern er einen Spar­preis ergattert.

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Fernbusse - Die güns­tige Alternative. Der Audio-Podcast zum Thema.

Seit Januar 2013 dürfen Fernbusse in Deutsch­land nach einer Gesetzes­änderung auch auf Stre­cken fahren, die mit der Bahn konkurrieren. Seither hat die Branche rasant Fahrt aufgenommen. Konnten Reisende im Januar 2013 aus 86 inner­deutschen Fernbus­linien wählen, waren es im März 2014 schon 247. Etwa 50 Anbieter tummeln sich auf dem Wachs­tums­markt, 5 von ihnen haben ein ausgedehntes Stre­ckennetz aufgebaut.

Flixbus fährt vorn

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Um zu prüfen, was der neue Mobilitäts­service taugt, haben unsere Tester neun über­regional bedeut­same Fernbusanbieter untersucht. Sie haben Tickets gebucht und storniert, sind kreuz und quer durchs Land gefahren, mit jedem der Anbieter zehnmal. Das Ergebnis ist erfreulich. Das Urteil für die Test­fahrten lautet bei allen geprüften Fernbus­linien mindestens gut. Die Busse sind bequem, pünkt­lich, der Service ist ordentlich. Auch bei der Verbindungs­suche, beim Buchen und Stornieren treten nur gelegentlich Schwächen auf. Als Sieger fährt das 2011 in München gegründete Unternehmen Flixbus aus dem Test, gefolgt von ADAC Post­bus, Berlin Linien Bus, IC Bus – alle auf Platz zwei.

Also alles in bester Ordnung? Nicht ganz. Da wären noch die allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB), die das Vertrags­verhältnis zwischen Busunternehmen und Fahr­gast regeln. Noch bis vor ein paar Monaten waren sie bei den meisten Anbietern alles andere als fair. Erst unter juristischem Druck haben die Firmen ihre Bedingungen geändert AGB: Faire Klauseln erst nach Abmahnungen.

Der Preiswett­bewerb ist hart

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Papierlos. Das Ticket auf dem Handy.

Den Wett­bewerb tragen die Unternehmen haupt­sächlich über den Preis aus. Schwer vorstell­bar, dass sie bei Preisen von häufig 9 bis 20 Euro pro Strecke Gewinne einfahren können. Und oft sind die Busse nicht einmal halb voll. Die großen Renn­stre­cken, wie etwa Berlin–Köln oder München–Frank­furt/Main, werden von mindestens fünf Anbietern parallel betrieben. Das ist schierer Über­fluss. Um eine Markt­bereinigung wird die junge Branche mittel­fristig nicht herum­kommen. Für den Verbraucher könnten die Tickets dann aber teurer werden.

Der Bus gilt als eines der sichersten Verkehrs­mittel. Weniger als 0,1 Prozent aller 2012 tödlich verunglückten Verkehrs­teilnehmer waren Bus-Insassen, so das Statistische Bundes­amt. Annähernd 50 Prozent der Todes­opfer im Straßenverkehr waren Auto­fahrer und Mitfahrer.

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Service. Snacks und Getränke, kostenloses WLan, eine Toilette und bequeme Sitze sind bei fast allen getesteten Anbietern Stan­dard.

Linienbusse werden streng kontrolliert. Sie müssen jähr­lich zur Haupt­unter­suchung, ab dem zweiten Jahr der Zulassung zusätzlich zur Sicher­heits­prüfung. Nach dem dritten Jahr erfolgt diese Prüfung vierteljähr­lich. Moderne Fernbusse sind unter anderem mit drei unabhängig voneinander wirkenden Brems­systemen, Anti­blockier­system, Antischlupf­regelung und Tempo­begrenzer ausgestattet.

Für Busfahrer, deren Führer­schein alle fünf Jahre verlängert werden muss, gelten strenge Lenk- und Ruhe­zeiten. So muss der Fahrer nach einer Lenkdauer von vier­einhalb Stunden eine 45-minütige Pause einlegen. Um die Fahrt­dauer in Grenzen zu halten, setzen viele Unternehmen auf langen Stre­cken zwei Fahrer ein.

Manche Fahrer sind abge­lenkt

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Gepäck­trans­port. Die Busfahrer helfen beim Verstauen der Koffer. Bei den meisten Anbietern sind ein oder zwei Koffer im Preis enthalten.

Unsere Tester sahen sich Zustand und Ausstattung der Busse genau an. Sie kontrollierten, ob Prüfplaketten aktuell waren, und sie beob­achteten die Fahrer. An den oft recht neuen Bussen gab es kaum etwas auszusetzen. Die Fahrer waren aber mitunter durch den Verkauf von Snacks und Getränken abge­lenkt oder durch Telefonieren.

Bei City2city fiel eine teil­weise recht aggressive Fahr­weise negativ auf. Auf den meisten Fahrten hatten die Testpassagiere trotzdem ein gutes subjektives Sicher­heits­empfinden.

Beengte WC-Kabinen

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ADAC Post­bus. Bei Ausstattung und Service vorn.

Ausstattung und Service sind bei den meisten getesteten Linien gut. Dein Bus und Eurolines fallen etwas ab, da sie zum Teil mit älteren Bussen unterwegs sind, bei denen nicht alles in Ordnung war. Zum Beispiel war die Innen­einrichtung mitunter etwas abge­nutzt, Klapp­tische beschädigt und der Geruch unangenehm.

Positiv fallen die ADAC Post­busse auf. Das Unternehmen arbeitet wie alle großen Anbieter mit mittel­stän­dischen Firmen zusammen, aber alle fahren nur mit zwei speziellen Busmodellen. Die gelben Busse sind mit Drei-Punkt-Sicher­heits­gurten ausgestattet und die Toilette befindet sich leicht zugäng­lich im Heck. In anderen Bussen ist es für ältere und große Fahr­gäste eine Tortur, über die steile Treppe am Mittel­eingang in die beengte WC-Kabine zu gelangen.

Meist pünkt­lich

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Einstieg. Fernbusse sind beliebt, vor allem bei den Jüngeren. Am Wochen­ende kann es auf beliebten Renn­stre­cken voll werden.

Um die Pünkt­lich­keit zu prüfen, haben wir zusätzlich zu den zehn Fahrten an Busbahnhöfen in Berlin, Frank­furt am Main, Hamburg, Köln und München die An- und Abfahrt­zeiten gecheckt. So konnten wir für jeden Anbieter 40 Fälle auswerten. Das Ergebnis ist erfreulich gut. 80 Prozent aller Busse waren pünkt­lich. Sie haben den Fahr­plan mit einer Toleranz von fünf Minuten einge­halten. Verspätungen von mehr als 30 Minuten betrafen nur 12 der 360 über­prüften Fahrten. Das sind nur rund 3 Prozent.

Fernbusse sind oft lange unterwegs. Mithilfe des kostenlosen WLan kann sich der Fahr­gast die Zeit mit Internetsurfen vertreiben. Allerdings war es auf den Test­fahrten nicht immer verfügbar. Einen besonderen Service bietet der ADAC Post­bus. Über eine App können die Kunden ihr individuelles Unterhaltungs­programm mit Filmen, Serien und Musik zusammen­stellen und während der Fahrt auf ihrem Handy oder Tablet sehen und hören.

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