Fernbusreisen Special

Mit gut 5 000 inner­deutschen Fahrten pro Woche haben Fernbusse sich etabliert. Das Internet hilft bei Preis­vergleich und Auswahl zwischen Bus und Bahn. Wenn Reisende vor allem schnell am Ziel sein wollen, ist die Bahn auf Haupt­stre­cken meist erste Wahl. Müssen Passagiere auf einer Bahnreise häufig umsteigen, können Busse schneller sein. Bei einem Preis­vergleich von Fernbusanbietern helfen Internet­rechner. test.de hat den neuen Markt unter die Lupe genommen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test Fernbusreisen.

Bunt geht es zu auf den Busbahnhöfen großer Städte: knall­gelb, gift­grün und blau-orange lackierte Fernbusse reihen sich dicht an dicht und warten auf Reisende. Mehr als drei Millionen Fahr­gäste haben sie nach Angaben des Statistischen Bundes­amtes im Jahr 2013 befördert. Die Zahl der Verbindungen stieg von 86 auf mehr als 220.

Zurück­zuführen ist der Busboom auf die Markt­öffnung im vergangenen Jahr. Die Bundes­regierung hatte das zum Schutz der Bahn einge­richtete Fernbus­verbot aufgehoben. Interes­sant ist die neue Reise­möglich­keit vor allem für Leute, die Zeit haben und möglichst günstig reisen wollen.

Viel Auswahl für Berlin–Hamburg

Fernbusreisen Special

„Ich kann den Fahr­preis zurück­bekommen, wenn der Bus zu spät abfährt? Das wusste ich nicht“, sagt Katrin Back­ofen. Geld zurück gibt es nach einer Verspätung von mehr als zwei Stunden auf Stre­cken über 250 Kilo­meter.

Die 25-jährige Katrin Back­ofen ist Fernbus­profi. Sie hat den Markt­führer MeinFernbus ausprobiert, ist mit BerlinLinienBus, der Bustochter der Deutschen Bahn, gefahren und mit Flixbus, dem dritt­größten Anbieter. Auch den Markt­neuling ADAC Postbus hat Back­ofen schon benutzt. Der ADAC startete seine Busse erst im November 2013 und hat bereits 60 Fahr­zeuge auf der Straße.

Dass Back­ofen so viele Anbieter ausprobiert hat, liegt an ihren Fahr­zielen. Sie fährt nicht nur regel­mäßig ins nieder­sächsische Bergen, sondern pendelte außerdem ein halbes Jahr lang regel­mäßig zwischen Berlin und Hamburg. Diese beiden Städte verbinden mindestens vier Fernbus­unternehmen. Bei der Auswahl helfen Vergleichs­rechner im Internet Tabelle Preisvergleich für Fernbusreisen.

Bahn antwortet mit Kampf­preisen

Die Bahn ist häufig teurer als der Fernbus, aber auf vielen Stre­cken auch deutlich schneller. Mit dem Zug wäre Back­ofen auf der Strecke Hamburg–Berlin fast doppelt so schnell am Ziel. Sie hätte aber bei Buchung auf Bahn.de am 2. April für eine Zweite-Klasse-Fahrt am 8. April mehr als 40 Euro mehr bezahlt. Ab April greift die Bahn mit einem neuen Angebot an. Über Vergleichs­portale wie Busliniensuche.de, Busticket.de, Verkehrsmittelvergleich.de und Fernbusse.de können Kunden das Bahn-Spezial kaufen: *

Zum Fest­preis von 29 Euro gibt es Restkarten in der zweiten Klasse für Mittel- und Lang­stre­cken. Vor allem auf langen Stre­cken wie Berlin–Freiburg ist das Bahn-Spezial kaum teurer als der Bus. Das Bahn-Spezial ist bis einen Tag vor Reise­beginn buch­bar.

Mit dem Bus in die Kleinst­adt

Manchmal kann die Bahn aber in keiner Hinsicht mithalten, berichtet Back­ofen von ihren Fahrten von Hamburg nach Bergen im nieder­sächsischen Land­kreis Celle. „Bergen hat keinen Bahnhof. Mit dem Fernbus bin ich in rund einer Stunde da“, sagt sie. Günstig ist der Bus auch. Die Fahrt gibt es oft für 8 Euro.

Mittel­große und kleine Städte wie Bergen profitieren besonders vom Ausbau des Busliniennetzes. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Forschungs- und Beratungs­institut Iges. „Wir sehen deutlich, wie Anbieter gezielt Stre­cken anbieten, wo es vorher nichts gab“, sagt der Autor der Studie, Christoph Gipp.

Wieder neue Stre­cken seit April

Im April sind weitere Stre­cken dazugekommen: MeinFernbus.de richtet 17 neue Linien ein und fährt nun zum Beispiel von Kiel nach Hamburg, weiter über den Harz nach Thüringen und von dort nach Franken bis München.

Das Risiko: Auf dieser rund 880 Kilo­meter langen Strecke kann es leicht einen Stau geben. Dann sitzt mancher Reisende viel länger im Bus als geplant. Kunden, die erst später zusteigen, müssen warten, sofern keine Ersatz­busse einge­setzt werden.

Zwei Stunden an der Halte­stelle

Katrin Back­ofen hat Verspätungen von mehr als zwei Stunden erlebt. „Das größte Problem war, dass ich in Hamburg an der Bushalte­stelle stand und nicht informiert wurde“, sagt sie.

Inzwischen hat sich einiges getan: Flixbus, City2city und Berlin­LinienBus melden Verspätungen ihrer Busse im Internet. Für den ADAC Post­bus ist ein ähnlicher Service geplant. MeinFernbus und Flixbus informieren außerdem Reisende bei Verspätung per SMS. Die Voraus­setzung ist, dass der Kunde bei der Buchung seine Mobil­funk­nummer angibt.

Geld zurück bei verspäteter Abfahrt

Manchmal steht Reisenden eine Entschädigung zu, wenn der Bus sie hängen lässt. Die geplante Fahrt muss aber mehr als 250 Kilo­meter lang sein.

Fährt der Bus mehr als zwei Stunden zu spät ab, ist er über­bucht oder wird die Reise annulliert, muss das Busunternehmen den vollen Fahr­preis erstatten. Macht das Unternehmen kein Angebot zur Weiterreise oder erstattet es den Fahr­preis nicht von sich aus, kommen noch einmal 50 Prozent des Reise­preises oben­drauf.

Bei einer verspäteten Abfahrt von mehr als 90 Minuten muss das Busunternehmen den Reisenden Imbiss oder Mahl­zeiten anbieten, sofern diese in zumut­barer Weise zu beschaffen sind. Diese Regelung gilt für Stre­cken, deren reguläre Fahr­zeit länger als drei Stunden dauern würde.

Katrin Back­ofen bekam weder einen Imbiss noch Geld. Ihre Reise­zeit war kürzer als drei Stunden und die Strecke zwischen Hamburg und Bergen ist nur rund 100 Kilo­meter lang und somit zu kurz für eine Entschädigung.

Wenig Kunden­beschwerden

Große Konflikte zwischen Kunden und Busunternehmen scheinen bisher aber selten zu sein. Der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (Söp) in Berlin lagen im vergangen Jahr nur 22 Schlichtungs­anträge vor. „Es ging meist um beschädigtes oder verloren­gegangenes Gepäck oder um den Service“, sagt Geschäfts­führer Heinz Klewe. An die Schlichtungs­stelle können sich Reisende wenden, die sich zuvor erfolg­los bei ihrem Verkehrs­unternehmen beschwert haben. Die Schlichter prüfen die Beschwerde und erarbeiten einen Lösungs­vorschlag, der aber nicht bindend ist. Die großen Busanbieter sind fast alle Mitglied der Schlichtungs­stelle. Flixbus fehlt.

Doppelt verglichen hält besser

Ähnlich wie für Billigflieger gilt auch für Fernbusse: Je näher der Reise­termin rückt, desto teurer kann es werden.

Den güns­tigsten Preis finden Reisende leicht über Preis­vergleichs­rechner im Netz, Tabelle: Preisvergleich für Fernbusreisen. Wer hier seine Reise­daten und seine Wunsch­strecke eingibt, erhält einen kostenlosen Preis­vergleich aller Anbieter. Reisende sollten ruhig zwei Vergleichs­rechner zurate ziehen.

* Passage ergänzt am 16.4.2014

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