Statt Faulenzen steht bei Studenten und Schülern Geldverdienen auf dem Ferienplan. Wer die Spielregeln kennt, kassiert die Kohle brutto für netto.

Ferien in Paris und Geld verdienen. Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen die Cast Members ­ wie das Personal in Disneyland Paris heißt. Unter der Maske von Micki oder Minni schwitzen meist junge Leute, die gerade das Abitur in der Tasche und bis Semesterbeginn noch Zeit haben. Ihren Verdienst können die jungen Animateure unbesorgt einstecken. Das deutsche Finanzamt will davon nichts abhaben.

Laut Doppelbesteuerungsabkommen ist der Lohn, den eine französische Firma zahlt, im Ursprungsland zu versteuern. Doch die Cast Members haben Glück. Als Saisonmitarbeiter in Disneyland Paris müssen sie keine Steuern zahlen. Von ihrem Lohn gehen lediglich Kosten für die Sozialversicherung und Unterkunft ab.

Sonderregeln gibt es auch mancherorts für ausländische Studenten. Wer zum Beispiel in den USA studiert (maximal vier Jahre), darf bis zu 5.000 Dollar im Jahr steuerfrei verdienen. Auskunft geben dazu die Akademischen Auslandsämter.

Hierzulande haben deutsche Studenten und Schüler keine Sonderkonditionen. Für sie gelten dieselben Steuerregeln wie für alle Bürger. Gehen sie jobben, zählt das steuerlich als nebenberufliche Tätigkeit.

Bringt der Job im Monat mehr als 630 Mark, sollten sich Jobber bei ihrer Gemeinde eine Lohnsteuerkarte besorgen und sie ihrem Arbeitgeber vorlegen. Auch nach Abgabe der Steuerkarte zahlen Geringverdiener mit bis zu 1.624 Mark Monatslohn (allein stehend, Steuerklasse I) aber keine Lohnsteuer. Erst bei höherem Gehalt kassiert der Fiskus vorsorglich. Es wird unterstellt, dass jeder Angestellte gleichmäßig über das ganze Jahr verdient.

Den größten Teil und manchmal sogar alles bekommen die meisten Ferienjobber im nächsten Jahr per Einkommensteuererklärung wieder zurück. Weist die Lohnsteuerkarte im Jahr 2000 nicht mehr als 19.495 Mark Jahresbrutto aus (allein stehend, Steuerklasse I), erstattet das Finanzamt die Vorauszahlung komplett.

Ein noch höherer Betrag bleibt steuerfrei, wenn Verdiener etwa für Fahrtkosten und Arbeitsmittel im Jahr mehr als 2.000 Mark ausgeben oder höhere Versicherungsbeiträge zahlen und das in ihrer Steuererklärung angeben.

Kindergeld retten

Bevor es ans Verdienen geht, sollten Kinder eine wichtige Grenze berücksichtigen. Ihre Eltern bekommen nur Kindergeld, wenn Einkünfte und Bezüge des Kindes, dazu zählen beispielsweise Arbeitslohn, Bafög, Berufsausbildungsbeihilfe, in diesem Jahr maxi- mal 13.500 Mark erreichen. Ansonsten streicht der Fiskus sämtliche Vergünstigungen für Kinder wie Kindergeld, Kinderfreibetrag, Ausbildungsfreibetrag, Haushaltsfreibetrag für allein Erziehende und Kinderzulage für das Eigenheim der Eltern.

Auf jeden Fall muss das Finanzamt wenigstens 2.000 Mark Werbungskosten, die Sohn oder Tochter beim Jobben entstehen, anrechnen. Sind die tatsächlichen Werbungskosten höher als die Pauschale, mindern sich die Einkünfte des Kindes. Eventuell bleiben dadurch für den jobbenden Nachwuchs die steuerlichen Vergünstigungen erhalten.

Nach Auffassung des Finanzgerichts Niedersachsen lassen sich ebenfalls Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Darüber muss jetzt der Bundesfinanzhof entscheiden (Az. VI R 153/99). Bis er diese und weitere Fragen geprüft hat ­ beispielsweise ob Kosten, die mit dem Studium zusammenhängen, abzuziehen sind ­ legen Eltern gegen Bescheide der Familienkasse und des Finanzamtes besser Einspruch ein. Darin sollten sie auf das anhängige Verfahren verweisen und zugleich beantragen, dass das Einspruchsverfahren ruht, bis eine grundsätzliche Entscheidung fällt.

Die eigene Ferienfirma

Die eigene Firma steht auch bei Schülern und Studenten hoch im Kurs. Statt sich einen Job für die Ferien zu organisieren, stellen sie als freier Unternehmer den Auftraggebern ihre Leistung in Rechnung. Dabei ist auch das Finanzamt mit von der Partie.

Die Umsatzsteuerpflicht beginnt erst bei Einnahmen über 32.500 Mark im Vorjahr oder über 100.000 Mark im laufenden Jahr. Der Kleinunternehmer kann auch freiwillig eine Umsatzbesteuerung wählen und bei Betriebsausgaben so die Vorsteuern abziehen.

Ansonsten muss der Selbstständige wie ein Arbeitnehmer per Einkommensteuerjahreserklärung seine Einnahmen dem Finanzamt offen legen und entsprechend Steuern zahlen.

Am Jahresende müssen junge Selbstständige ihren Gewinn und Verlust ermitteln. Nachgewiesene Betriebsausgaben wie Arbeitsmittel halten den Gewinn klein. Bleibt er Ende des Jahres unter 14.607 Mark (14.499 Mark Grundfreibetrag plus 108 Mark Sonderausgabenpauschale) und hat der Unternehmer keine weiteren Einkünfte, geht der deutsche Fiskus sogar leer aus.

Ein besonderes Bonbon spendiert der Staat Jobbern, denen es nicht in erster Linie ums Geldverdienen geht, sondern deren Tätigkeit von öffentlichem Interesse ist. Seit dem 1. Januar 2000 können nebenberuflich tätige Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher und Betreuer ihren Verdienst bis zu 3.600 Mark brutto für netto einstecken; bislang waren es nur 2.400 Mark.

Dabei ist es dem Finanzamt egal, ob derjenige selbstständig oder angestellt ist. Es prüft aber, ob die Arbeit auch einen gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck erfüllt. Das gilt zum Beispiel für Betreuer oder Rettungsschwimmer in Ferienlagern, die eine Gemeinde, Kirche, Stiftung oder ein gemeinnütziger Verein veranstaltet.

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