Fenstersicherungen Test

20 getestete Produkte zeigen: Auch für wenig Geld lässt sich viel zusätzliche Sicherheit kaufen.

Alle drei Minuten schlägt in Deutschland ein Einbrecher zu, sagt die Polizeistatistik. In Einfa­milienhäu­sern sind vor allem Fenster und Fenstertüren zur Terrasse die bevorzug­ten Angriffsziele. Sorglosigkeit und Vertrauensseligkeit machen es Kriminellen allzu oft allzu leicht. Aber auch ordentlich verriegelte Fenster stellen sie selten vor größere Probleme. Nur wer in zusätzliche oder besonders stabile Schlösser oder Riegel investiert, macht Einbrechern das Leben wirklich schwer. Die Chance, unge­scho­ren davonzukommen, steigt mit ihrem Einsatz drastisch an.

Technischer Fortschritt hat mittlerweile die Taktik der Einbrecher verändert: Früher gingen sie häufig mit dem Pflasterstein auf das Fenster los oder schnitten – geräuschärmer – ein Loch ins Glas, um die ungesicherte Sperre von innen zu entriegeln. Aber seitdem vermehrt Verbundglasscheiben und abschließbare Fensterriegel eingebaut sind, mussten sie sich was anderes einfallen lassen und nutzen nun in den meisten Fällen die altbewährte Hebeltechnik. Aus der Werkzeugkiste kommt dabei der große Schraubenzieher zu neuen Aufgaben. Er ist als Hebel stabil genug, um Schlösser zu knacken, andererseits aber auch nicht so auffällig wie eine schwere Brechstange, die nach wie vor der wirksamste Tür- und Fensteröffner ist.

Auch für Mieter sinnvoll

Fenstersicherungen Test

Bei den Prüfungen der Fenstersicherungen hielten wir uns weitgehend an die polizeibekannten Praktiken der Einbrecher. In unser Prüflabor kamen diverse Produkte, die sensibilisierten Eigenheimbesitzern zur sicherheitstechnischen Aufrüstung in Fachgeschäften und Baumärkten angeboten werden. Natürlich können Zusatzsicherungen an Fenster und Balkontür auch in Mehrfamilienhäusern sinnvoll sein – vor allem in den unteren Etagen. Für die meisten Bewohner von Mehrfamilienhäusern ist aber eher die Wohnungstür der neuralgische Punkt.

Tipp: Wie man Haus- und Wohnungstüren aufrüstet, haben wir in Heft 8/2003 veröffentlicht. Gute Infos über Schutzmaßnahmen aller Art gibt es unter www.nicht-bei-mir.de. VdS- und DIN-Zeichen sind zwar keine Garantie für Qualität, man ist mit ihnen aber meistens auf der sichereren Seite.

Die Nachrüstmöglichkeiten für Fenster und Fenstertüren sind vielfältig: Es gibt (unbedingt abschließbare kaufen!) Kasten- und andere Zusatzschlösser, einfache, aber durchaus wirkungsvolle Riegel oder aufwendige Stangenriegelschlösser, die dem Fenster oder besonders der Terrassentür sozusagen automatisch beim Schließvorgang auch oben und unten zusätzlichen Halt geben.

Ansatz für den Hebel

Fenstersicherungen Test

Das ist sehr wichtig, weil hier der erste Ansatzpunkt des Einbrechers liegt: Er versucht (meist ganz unten) das Fenster ein wenig aufzudrücken, um sich im Spalt langsam mit dem Schraubenzieher nach oben zur Fensterverriegelung hochzuarbeiten und dort mit voller Hebelwirkung das Schloss zu knacken. Wo eine solche Ritze gar nicht erst entstehen kann, hat der Kriminelle schon von Anfang an schlechte Karten. Aber auch direkt am Schloss darf sich kein größerer Spalt als Ansatzpunkt für den Hebel aufdrücken lassen. Wie sich die Nachrüstschlösser hier verhalten, haben wir im Prüfpunkt Widerstand gegen Aufdrücken vermerkt.

Aber nicht nur an der Seite, wo sich das Fenster öffnet, bricht sich der Einbrecher Bahn. Wenn es dort nicht geht, versucht er es manchmal an der Scharnierseite, die auch Bandseite genannt wird. Auch für diese Stelle gibt es Sicherungen, die das Auf- und Aushebeln des Fensters erschweren. Ein Sonderfall sind die geprüften Teleskopstangen, die quer über die gesamte Fensterbreite gehen und entweder im Mauerwerk oder einer speziellen Aufnahme verankert werden. Sie waren stabil und einbruchhemmend.

Durch einen gewissen Abstand zum Fenster lassen sie aber zu, dass sich das Fenster relativ leicht einen Spalt weit aufdrücken lässt. Das ist bei der Teleskopsicherung aber nicht ganz so schlimm. Denn selbst wenn das Schloss geknackt wird, kann der Einbrecher noch lange nicht einsteigen, weil die Stange das Öffnen des Fensters nach innen verhindert.

Einbruchversuche im Labor

Wichtigster Prüfpunkt im Labor war die Widerstandskraft gegen Einbruchwerkzeug. Zum Einsatz kam vor allem der schon erwähnte große Schraubenzieher. Gearbeitet wurde nach der Stoppuhr, denn auch die beste Sicherung hält nicht ewig stand. Produkte, deren Durchhaltevermögen über drei Minuten kräftezehrender Hebelarbeit lag, wurden „sehr gut“ genannt. Hielt die Sicherung kürzere Zeit durch, wurde dies – je nach Zeitdauer – mit schlechteren Noten bedacht, bis hin zum „Mangelhaft“, wenn es gelang, sie in weniger als anderthalb Minuten zu durchbrechen. Von ganz anderem Kaliber als Schraubenzieher sind schwere Brecheisen. Der so genannte Kuhfuß ist zwar auffällig und damit nicht sehr häufig im Einsatz, aber ganz auszuschließen ist er als Tatwerkzeug natürlich nicht. Auch er wurde in einer zusätzlichen Prüfung gegen die Sicherungen eingesetzt. Widerstanden sie diesem wahren Panzerknacker über eine halbe Minute lang, wurde das entsprechende Produkt mit einer besseren Note belohnt. Mehr ist von einer normal gebauten Fenstersicherung, die nicht das Bundeskanzleramt, sondern ein gewöhnliches Reihenhaus beschützen soll, nicht zu verlangen.

Bei den Hebelangriffen trennten sich die Standhaften von den Wackelkandidaten. Insgesamt vier Sicherungen versagten beim Widerstand gegen Einbruchwerkzeug, was zum „Mangelhaft“ in diesem Prüfpunkt führte: Burg-Wächter WinSafe W 1 W SB, WinSafe WD 3 W SB und FS 20 SB sowie die Scharnierseitensicherung Abus FAS 97. Das Doppelflügelschloss Abus DFS 95 und das Kastenschloss Abus FTS 88 waren zwar ein wenig standhafter, kamen aber auch nicht über ein „Ausreichend“ in der Einbruchsicherheit und letztlich – wie die anderen vier – auch im Qualitätsurteil hinaus.

Es kommt zwar heute seltener vor, aber immerhin noch knapp jeder zehnte Einbrecher zerstört die Scheibe, um das Fenster von innen zu entriegeln. Ist der Griff abgeschlossen, wie bei moderneren Schlössern möglich (und natürlich auch der Schlüssel abgezogen !), muss der Einbrecher den Verriegelungsgriff oder -hebel angreifen. Im Prüfpunkt Stabilität von Hebeln, Griffen, Riegeln haben wir die Widerstandskraft dieser Teile untersucht. Boten die Produkte konstruktionsbedingt keinerlei Angriffsfläche, bewerteten wir das positiv. Bei den Scharnierseitensicherungen verzichteten wir auf diese Prüfung

Die Kostenfrage

In der Endabrechnung, in die auch noch Montage und Handhabung einflossen, zeigte sich ein sehr differenziertes Leistungsbild. Erfreulich die vielen „Gut“ und drei „Sehr gut“ im Qualitätsurteil. Noch erfreulicher: Auch für relativ wenig Geld lassen sich Fenster und Fenstertüren fit machen gegen Einbrecher. Die Betonung liegt auf relativ: Will der Eigenheimbesitzer die gläserne Front rundum aufrüsten, muss er auch beim Einsatz preiswerter Produkte tief in die Tasche greifen, denn mit einem Fenster ists ja nicht getan.

Wer sich optimal absichern will, sollte sowohl die Fensteröffnungsseiten als auch die Scharnierseiten zusätzlich sichern. Für die Terrassentür empfiehlt sich ein stabiles Stangenriegelschloss. Da nur ausgesprochen geübten Heimwerkern die Selbstmontage zu empfehlen ist, kommen meist noch die Kosten für den Profi dazu. Sicherheit hat ihren Preis.

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