Fein­staub Jeder achte Todes­fall welt­weit geht auf Luft­verschmut­zung zurück

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Kohle­kraft­werke, Müll­verbrennungs­anlagen, Straßenverkehr – all das verdreckt die Luft. Kamine, Staubsauger und Laser­drucker können sie auch in Innenräumen belasten. Die Welt­gesund­heits­organisation (WHO) schätzt: Jedes Jahr sterben welt­weit etwa sieben Millionen Menschen an den Folgen von Luft­verschmut­zung. In Europa koste das Problem 279 000 Menschen pro Jahr das Leben. test.de nennt Gegen­maßnahmen, die jeder ergreifen kann.

Kleine Partikel, großer Schaden

Der gesund­heits­schädlichste Teil der Luft­verschmut­zung ist laut WHO der Fein­staub. Das sind winzige – weniger als 10 Mikro­meter kleine – Partikel von Ruß, Rauch, Schmutz, Staub oder auch Flüssig­keiten, die tief in den menschlichen Organismus eindringen und dort Schaden anrichten können. Als besonders belastend gelten ultra­feine PM2,5-Partikel. Die Abkür­zung steht für das eng­lische „Particulate Matter“, die 2,5 gibt an, dass die Teilchen kleiner als 2,5 Mikro­meter sind. Sie können über die Lungenbläschen bis in die Blutbahn gelangen und sich so im ganzen Körper verteilen. So lassen sich nicht nur viele Atemwegs­infekte und Fälle von Lungenkrebs, sondern auch Herz­erkrankungen und Schlag­anfälle auf Luft­verschmut­zung zurück­führen. Sieben Millionen Menschen sterben jähr­lich an deren Folgen, die meisten davon – 4,3 Millionen – durch Fein­staubbelastung in Innenräumen, etwa im eigenen Haushalt oder am Arbeits­platz.

Fein­staub­übel­täter: Ziga­retten, Staubsauger, Kopierer

Rauchen ist der größte Fein­staub­ver­ursacher im Innenraum, betont das Deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt Helmholtz Zentrum München in seinem Fach­informations­dienst. Weitere Übel­täter: brennende Kerzen, Staubsauger mit undichten oder schlechten Filtern sowie Heizungen und Öfen mit offener Flamme. In Büroräumen können Kopierer und Laser­drucker zur Fein­staubbelastung beitragen.

Was kann ich gegen Fein­staub im Innen­bereich tun?

  • Das Helm­holz Zentrum München hat eine Liste von Maßnahmen zusammen­gestellt, um die Fein­staubbelastung im eigenen Heim zu reduzieren. Wichtigste Maßnahme: nicht in Wohnung oder Haus rauchen. So ließe sich die Partikel-Anzahl teils bis zu 95 Prozent senken.
  • Weiter schlägt das Institut vor, Staubsauger-Modelle mit Hepa-Filtern zu nutzen. Eine absolute Garantie für ein sehr gutes Staubrück­halte­vermögen – also wie gut ein Staubsauger den einge­saugten Dreck bei sich behält – ist so ein Filter aber nicht. Sehr gute Staubsauer können auch ohne Hepa-Filter für weniger Fein­staub sorgen. (siehe Produktfinder Staubsauger)
  • Studien des Umwelt­bundes­amtes (UBA) belegen unter anderem, dass die Nutzung von Pump­sprühflaschen weniger Partikel freisetzt als Spraydosen. Verbraucher können darauf etwa beim Kauf von Deo, Möbel­pfle­gespray oder Bad- und Küchen­reiniger achten.
  • Das Stadt­gesund­heits­amt Frank­furt wies nach, dass regel­mäßige, gründliche Reinigung und Lüftung etwa von Klassenräumen die Fein­staubbelastung deutlich senken kann.
  • In Bett­decken kann sich schädlicher Fein­staub sammeln, zum Ausschütteln sollten sie deshalb immer aus dem Fenster gehalten werden. Auch beim Putzen kann Durch­zug gegen den aufgewirbelten Fein­staub helfen.
  • Wer in Wohnung oder Haus mit einem Kamin oder Holz­ofen heizt, sollte nur abge­lagertes, unbe­handeltes Holz nutzen, rät das UBA. Bei dieser Heiz­methode ist es wichtig, regel­mäßig zu lüften.
  • Es gilt: Was Energie spart, sorgt auch meist für eine geringere Fein­staubbelastung. Es kann also auch schon helfen, energiesparende Geräte zu nutzen, stets nied­rige Leistung einzustellen und Geräte voll­ständig auszuschalten oder auszustöpseln, wenn sie nicht genutzt werden.
  • Auch energiesparende Heiz­methoden können Fein­staub einsparen, etwa mit Erdgas betriebene Brenn­kessel.

Etliche deutsche Städte über­schreiten Fein­staub-Grenz­werte

3,7 Millionen Menschen sterben jähr­lich an den Folgen der Luft­verschmut­zung im Außen­bereich. Die Umwelt­zonen in vielen deutschen Städten, in denen nur emissions­arme Autos mit grüner Plakette fahren dürfen, haben wenig daran geändert: Der Straßenverkehr ist nach wie vor stark. Das UBA sieht ihn als einen der Haupt­ver­ursacher von zu hoher Fein­staubbelastung im Außen­bereich, gefolgt von land­wirt­schaftlicher Tierhaltung. Im April dieses Jahres hat die Behörde vor hoher Fein­staubbelastung in ostdeutschen Städten gewarnt. Berlin, Frank­furt (Oder), Leipzig und Halle an der Saale lägen am Limit. Nur an 35 Tagen im Jahr darf der EU-Grenz­wert von 50 Mikrogramm Fein­staub pro Kubik­meter Luft über­schritten werden – alle drei Städte liegen bereits bei mindestens 30 Tagen. Spitzenreiter ist seit Jahren die Stadt Stutt­gart. An der Mess­stelle Am Neckar­tor lag die Belastung schon zu Jahres­mitte 2014 an über 40 Tagen ober­halb des Grenz­wertes, 2013 waren es am Jahres­ende 82 Tage. Insgesamt 13 von 450 deutschen Mess­stationen zeigten im letzten Jahr eine Über­schreitung an. Die aktuellen Stände sind im Internet für alle deutschen Mess­stationen auf der Seite des Umwelt­bundes­amtes abruf­bar.

Was kann ich gegen Fein­staub im Außen­bereich tun?

Die WHO sieht die Verantwortung zur Verringerung der Fein­staubbelastung in erster Linie bei den Regierungen. Das UBA empfiehlt zusätzlich Maßnahmen für Otto Normal­verbraucher. Wer einen Beitrag zu Fein­staub­verringerung leisten möchte soll etwa:

  • darauf verzichten, im eigenen Garten Laub und Holz zu verbrennen.
  • das eigene Auto nicht nur alleine nutzen, sondern zum Beispiel Fahr­gemeinschaften bilden.
  • mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln fahren oder sich auch einmal zu Fuß oder mit dem Fahr­rad auf den Weg machen.
  • bei PKW-Fahrten die Fahrt­geschwindig­keit reduzieren.
  • auf einen geringen Kraft­stoff­verbrauch und Fein­staub­ausstoß beim eigenen Wagen achten.
  • Dieselfahr­zeuge nur dann kaufen, wenn sie mit Partikel- und Stick­oxidfiltern der Euro 6-Norm ausgestattet sind.
  • alte Fahr­zeuge mit einem effektiven Filter­system nach­rüsten.
  • Kamine nur nutzen, wenn eine Vorrichtung zur Abgas­reinigung vorhanden ist. Holz­öfen können mit Staubfiltern nachgerüstet werden.

Was tut die Regierung?

Jeder Mitglieds­staat der EU ist dazu verpflichtet Aktions­pläne aufzustellen, wenn die Fein­staub­werte in seinen Städten geltende Grenz­werte über­schreiten. In Deutsch­land ist wiederum jedes Bundes­land für seine eigenes Grenz­über­schreitungen verantwort­lich. In den meisten Fällen erarbeiten die Landes­umwelt­ämter eine gemein­same Strategie mit den betroffenen Städten oder Kommunen. Gemein­sam können sie etwa zeitlich begrenze Fahr­verbote beschließen oder den Betrieb von Industrie­anlagen einschränken, um die Fein­staubbelastung zu senken.

Das empfehlen Experten

Die Experten des Umwelt­bundes­amts schlagen aktuell ein Verbot von Baumaschinen ohne Rußfilter oder ein Durch­fahr­verbot für LKW vor. Tech­nische Normen, wie zum Beispiel die Abgas­höchst­menge von Autos und LKW, legen hingegen EU oder Bund fest. Nur wenn es entsprechende Vorgaben gibt, können diese auch auf lokaler Ebene zur Verbesserung der Luft­reinheit durch­gesetzt werden.

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TF2Petra am 02.06.2014 um 19:37 Uhr
Wir sind in der Holzzeit gelandet...

Hinterm Haus, das neue schwarze Rohr bläst schon seit dem Morgen, gegenüber muss auch der neue Kamin geheizt werden. Der Gestank hat eine harte Sprache, mit Holzschutzmittel versetztes Balkenholz. Der Nebel hält die Dreckwolken richtig unten.
Der neue Holzvergaserkessel in der Nachbarschaft, ist gerade „explodiert“ und taucht seine Umgebung in eine ätzende Rauchwolke.
Unser Grundstück liegt unter einer dicken Smogwolke. Aber die Holzheizer haben es schön gemütlich, zum Nulltarif. Und ein reines Gewissen, werden sie doch überall als Klimaschützer hofiert!
Im Sommer qualmen Feuerkörbe, Schalen, Tonnen, weiß ich nicht alles was....Alles, was weg muss, verschwindet im gemütlichen Lagerfeuer!
Wir haben wieder Ruß, wie zu DDR-Zeiten auf den Fensterbänken!
Das Bundes-Immissionsschutzgesetz, kann so wie es gedruckt ist, in den nächst besten Kamin fliegen. Gesetze, die nicht kontrolliert werden, sind nichts wert!

TF2Petra am 02.06.2014 um 19:29 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

TF2Petra am 02.06.2014 um 19:22 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

TF2Petra am 02.06.2014 um 19:15 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 27.05.2014 um 11:21 Uhr
Helfen Belüftungssysteme?

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus zeitlichen Gründen keine Einzelberatung durchführen können. Fragen zur Belüftung und zu Möglichkeiten der Verringerung von Feinstaub im Innenraum mittels Filtern beantwortet der Bürgerservice des Umweltbundesamtes. Schreiben Sie dazu eine E-Mail an buergerservice@uba.de und formulieren Sie Ihr Anliegen bitte möglichst präzise. Ihre Anfrage wird dann an die entsprechende Fachabteilung weitergeleitet und bearbeitet. (aci)