Fehlende Finanzaufsicht Meldung

Schäden von über 700 Millionen Euro entstehen Verbrauchern jedes Jahr durch ineffiziente Riester-Verträge, überhöhte Dispozinsen sowie Abhebe­gebühren an fremden Geld­automaten. Das haben Stiftung Warentest und Verbraucher­zentrale Bundes­verband (vzbv) errechnet. Beide Organi­sationen fordern den Verbraucherschutz in der Finanzaufsicht zu verankern.

Hohe Verluste durch überteuerte Riester-Verträge

Bei Kosten und Gebühren von Riester-Verträgen langen die Anbieter besonders gern zu. Untersuchungen von Finanztest zeigen: Viele Riester-Produkte sind zu teuer. Angenommen die durchschnittliche Rendite des Vertrags fällt durch die hohen Kosten nur ein Prozentpunkt niedriger aus, sind die Verluste für die Sparer enorm. Bezieht man dies auf die staatlichen Zulagen, die bis einschließlich 2009 gezahlt wurden (gut sechs Milliarden Euro), summieren sich die Verluste für die Verbraucher auf 115 Millionen Euro. Würde die Zulagen-Summe konstant 2,5 Milliarden Euro pro Jahr betragen, wachsen die Verluste bis zum Jahr 2020 auf über drei Milliarden Euro. Im Jahr 2030 wäre das sogar ein Minus von über elf Milliarden Euro.

Dispozinsen: Zinssenkungen nicht komplett weiter gegeben

Ein weiteres Ärgernis sind überhöhte Dispozinsen. Die Banken kommen derzeit besonders günstig an Geld. Betrug der Leitzins der Europäischen Zentralbank im September 2008 noch 4,25 Prozent, so lag er im Februar 2010 nur noch bei einem Prozent. Dagegen sanken die durchschnittlichen Zinsen für Überziehungskredite an private Haushalte im gleichen Zeitraum nur von 11,98 auf 10,28 Prozent. Die Differenz zwischen der Absenkung des Leitzinses und der Reduzierung der Dispozinsen beträgt demnach 1,55 Prozentpunkte. Das bedeutet: Die Banken haben nur etwas mehr als die Hälfte der Zinssenkungen an die Kunden weitergegeben. Das Kreditvolumen von Privatkunden lag im Februar 2010 bei rund 41,8 Milliarden Euro. Bezogen auf diese Summe entsteht den Verbrauchern ein finanzieller Schaden von etwa 650 Millionen Euro im Jahr.

100 Millionen Euro Schaden an fremden Geldautomaten

Auch die Schäden durch teure Abhebegebühren an fremden Geldautomaten sind immens. Bankkunden heben in Deutschland pro Jahr rund zwei Milliarden Mal Geld am Automaten ab. Wenn davon für jede hundertste Abhebung ein fremder Geldautomat genutzt würde, fänden jährlich 20 Millionen Transaktionen statt, bei denen Gebühren anfallen. Die Kosten für eine Fremdabhebung betragen inzwischen durchschnittlich sieben Euro. Angenommen die tatsächliche Belastung der Banken liegt bei maximal zwei Euro, so entsteht den Kunden pro Abhebung ein Schaden von fünf Euro. Hochgerechnet auf alle Transaktionen sind das 100 Millionen Euro pro Jahr.

Verbraucherschutz muss in Finanzaufsicht verankert sein

Als Konsequenz dieser hohen Verluste bei Verbrauchern fordert Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest: „Es reicht nicht allein, vernünftige Gesetze zu machen. Die Einhaltung der Gesetze muss gerade auch bei Finanzprodukten kontrolliert werden. Schließlich hat der Kunde kaum eine Chance, die Versprechungen der Anbieter selbst auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen“. Gerd Billen, vzbv-Vorstand, sagt: „Die Beispiele zeigen systematisches Marktversagen zulasten der Verbraucher. Einzelmaßnahmen reichen da nicht aus. Die Bundesregierung muss den Verbraucherschutz endlich auch in Deutschland effektiv in der Finanzaufsicht verankern.“

Gemeinsame Presseerklärung von Stiftung Warentest und vzbv

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