Federkernmatratzen Test

Eine Matratze muss mitunter schwere Prüfungen bestehen.

Im Test: Federkernmodelle zwischen 99 und 370 Euro. Auf Taschenfederkernmatratzen liegt es sich meist besser als auf einem Bonell-Federkern.

Zweimal im Jahr probieren wir Matratzen aus. Nachdem im Frühjahr Modelle aus Latex und Schaumstoff an der Reihe waren, kam nun der Klassiker auf den Prüfstand: Wir haben 13 Federkernmatratzen wie immer anonym im Handel eingekauft, haben die Haltbarkeit geprüft, die Waschbarkeit des Bezugs und die Schadstofffreiheit. Wir haben am Material geschnüffelt, an den Griffen gerüttelt und die Werbung abgeklopft. Und natürlich die alles entscheidende Frage gestellt: Wie liegt es sich? Dafür haben sich nicht nur zahlreiche Testpersonen zum Probeliegen hingelegt, sondern wir haben auch eine Reihe von Versuchen gemacht. Am Ende konnten wir jeder Schlafstatt eine Note geben – dreimal sogar eine „gute“.

Jedes Jahr finden in Deutschland vier Millionen Matratzen ein neues Zuhause. Jede dritte davon ist ein Federkernmodell, meistens eine Taschenfederkernmatratze. Hier stecken Hunderte von Metallfedern jeweils einzeln in kleinen Stofftaschen. An ihren Berührungspunkten sind die Taschen meist miteinander verklebt. Der Bonell-Federkern hingegen hat keine Taschen. Die „nackten“ Federn sind oben und unten über Spiralen miteinander verbunden. Bei beiden Varianten umgibt den Federkern eine Polsterung.

Beim Taschenfederkern sind die Federn häufig tonnenförmig – der Federdurchmesser ist in der Mitte etwas größer als oben und unten. Man spricht von Tonnentaschenfederkernmatratzen. Andernfalls sind die Federn zylindrisch. Die Form der Bonell-Federn ist meist tailliert, der Federdurchmesser also in der Mitte etwas kleiner. Bonell-Federkernmatratzen enthalten in der Regel deutlich weniger Federn als Taschenfederkernmatratzen.

„Anzahl und Form der Federn haben aber kaum Einfluss auf die Liegeeigenschaften“, sagt Norbert Vogt von der Forschungsgruppe Industrieanthropologie der Universität Kiel. „Den Unterschied zwischen Taschen- und Bonell-Federkern machen die Stofftaschen: Sie dämpfen die Federkraft, sodass ein Taschenfederkern in der Regel weniger nachschwingt.“

Die Taschenfederkernmatratzen sind außerdem meist etwas punktelastischer: Die Matratze gibt nur dort nach, wo sie belastet wird. Dagegen befindet sich im Innern der Bonell-Federkernmatratzen Diamona med und Kaufhof / Fabiani eine steife Kokosfasermatte, die Bewegungen auf viele Federn überträgt. Dadurch sinkt der Schlafende auf ihnen eher großflächig ein als punktgenau.

Im Test zeigte sich der Einfluss der unterschiedlichen Federkerntypen auf die Liegeeigenschaften: Bis auf eine Ausnahme sind die Taschenfederkernmatratzen hier allesamt „gut“, während die Bonell-Federkernmatratzen über „befriedigend“ nicht hinauskamen (siehe Tabelle „Matratzen“).

Federbruch bei der Dauerprüfung

Federkernmatratzen Test

Matraflex: Federbruch nach Dauerprüfung.

Jede Matratze haben wir im Labor mit einer Walze überrollt, 60 000 Mal, um eine Nutzung von zirka zehn Jahren zu simulieren. Das machte den meisten Exemplaren wenig aus. Nur im Bonellfederkern der Matraflex brach eine Feder (siehe Foto). Da die Feder am Matratzenrand lag, blieb das zwar ohne Folgen für das Liegeverhalten. Trotzdem: Besser als „ausreichend“ konnte die Matraflex damit nicht werden. Zumal sie wie die Kaufhof / Fabiani unter der Walze auch noch arg an Höhe einbüßte. Beide waren nach der Dauerprüfung etwa einen Zentimeter dünner.

Problem verstellbarer Lattenrost

Für verstellbare Lattenroste eignen sich Federkernmatratzen in der Regel nur eingeschränkt. Ein leicht erhöhtes Kopf- oder Fußende macht keine Probleme, aber mit einem schräg zur Sitzposition aufgestellten Kopfteil kamen nur die Concord Gerona und die Dunlopillo zurecht. Alle anderen hatten Schwierigkeiten, sich dem Knick anzupassen.

Das Schlafklima ist bei allen Matratzen im Test gut. Hier haben Federkernmatratzen einen leichten Vorteil gegenüber Schaumstoff oder Latex. „Weil sie innen mehr oder weniger hohl sind, entsteht durch die Bewegung des Schlafenden ein Pumpeffekt, der für ständigen Luftaustausch sorgt“, so Norbert Vogt. „Stark schwitzende Menschen können davon profitieren.“ Eine Sommer- und Winterseite, wie bei der Dunlopillo, hat hingegen kaum Einfluss auf das Schlafklima.

Schadstoffe trotz Prüfsiegel

Zwei Matratzen belasten die Raumluft mit Schadstoffen: Die Schlaraffia Twin Plus (Aqua) dünstete mehr als einen Tag lang hohe Mengen an Dimethylformamid aus. Das giftige Lösemittel kann beim Einatmen das Kind im Mutterleib schädigen. Tückisch: Zu riechen war fast nichts. Ganz anders beim Auspacken der Penny Softpur. „Es roch wie an der Tankstelle“, so der Kommentar einer Testperson. Unser Labor fand in der Luft neben vielen anderen flüchtigen Verbindungen deutliche Mengen an Tetrachlorethen, das im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Käufer sollten diese beiden Matratzen vor dem Benutzen unbedingt einige Tage auslüften.

Gleich mehrere Matratzen enthalten das Biozid Permethrin: die Penny Softpur, die Matraflex und insbesondere die Neckermann, in der wir 113 Milligramm pro Kilogramm fanden. Das Insektengift, das oft als Mottenschutz eingesetzt wird, kann aus dem Material entweichen und über Haut oder Atmung in den Körper gelangen. Es besteht zwar keine akute Gefahr. Doch sind gesundheitliche Folgen durch eine langfristige Belastung für empfindliche Menschen wie Kinder, Ältere oder Allergiker nicht auszuschließen. Mottenschutz in Matratzen ist auch völlig überflüssig.

In nahezu jeder Matratze fanden wir das Desinfektionsmittel Triclosan, meist in geringen Mengen. Auch das ist überflüssig – und möglicherweise sogar gefährlich. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann Triclosan in solch niedrigen Konzentrationen Bakterien nicht vollständig abtöten und könnte daher zur Bildung von Bakterienresistenzen führen. Dadurch, so das BfR, könnten auch Behandlungen mit Antibiotika unwirksam werden. Das Institut empfiehlt, den Einsatz von Triclosan auf den ärztlichen Bereich zu beschränken.

Besonders negativ fiel auf, dass ausgerechnet die übelriechende und mehrfach belastete Penny Softpur in ihrer Werbung vollmundig „höchste Anforderungen an Schadstofffreiheit“ verspricht und zum Beweis zwei Gütesiegel trägt – das „LGA Qualitätszertifikat“ und „Öko-Tex Standard 100“. Beide garantieren eine Schadstoffprüfung (siehe „Prüfzeichen“). Permethrin und Tetrachlorethen ist in beiden Prüfungen aber kein Kriterium. Wie die Matratze allerdings den Geruchstest bestanden hat, ist rätselhaft. Neckermann preist seine permethrinbelastete Matratze mit „antibakterieller Ausrüstung nach Öko-Tex Standard 100“ an und suggeriert damit ebenfalls Schadstofffreiheit.

Fast alle Matratzen wurden von den Anbietern mit Härtegrad „2“ ausgelobt. Für den Käufer hat das – wie immer – keinerlei Bedeutung. In Wirklichkeit sind die Matratzen mal hart und mal weich. Es bleibt dabei: Probeliegen muss sein.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1690 Nutzer finden das hilfreich.