Fastenspeisen Ein Blick in Klostertöpfe

Die Fastenzeit hat Klosterköche erfinderisch gemacht. Ihre Rezepte eignen sich zum Nachkochen oder Schmunzeln.

Kein Alkohol, keine Süßigkeiten, wenig Fleisch – am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Traditionell dient sie der Seelenreinigung und Erleuchtung, heute können die Fastenregeln die gesunde Ernährung unterstützen.

Fisch: Er ist das wichtigste Fastengericht. Seefisch war früher teuer, viele Klöster versorgten sich aus eigenen Teichen mit Karpfen, Forelle, Hecht. In der Fastenzeit wurden sie oft im Ganzen „blau“ zubereitet. Dabei zieht der Fisch knapp unter dem Siedepunkt im Würzsud. Wichtig: eine unversehrte Schleimschicht. Auch Ernährungsexperten von heute raten zu Fisch: Er ist eiweißreich und kalorienarm – besonders „blau“ gekocht. Fettsäuren im Seefisch tun Herz und Hirn gut.

Geflügel: Dank einer großzügigen Definition gelangte es auf die Fastentafel. Am Wasser wohnende Tiere wie Enten galten als Fisch. Selbst Hühner zählten dazu, da Gott die Vögel und Fische an einem Tag schuf. Eine sinnvolle Auslegung – Geflügelfleisch ist mager, hat viel Eiweiß und Vitamine.

Fleisch: Das Fleisch von Vierfüßlern wie Schwein, Rind, Schaf war tabu. Ausnahmen: Biber galten wegen ihres Schuppenschwanzes als Wassertiere wie auch Ferkel, die in Brunnen geworfen wurden. Das Vierfüßlerfleisch heißt heute rotes Fleisch. Laut neuester Studien steigert es das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs. Regelmäßiger Verzicht lohnt sich also.

Getränke: „Flüssiges bricht das Fasten nicht“ – viele Mönche umgingen das Fasten mit Starkbier. Zu ihrer Verteidigung: Bier war früher ein Alltagsgetränk, Wasser oft unhygienisch. Im 16. Jahrhundert erklärte Papst Pius V. auch Kakao zur Fastenspeise. Bis heute gilt noch: Wer wenig isst, muss besonders viel trinken – aber Wasser, Saft, Brühe, Kräuter- und Früchtetee.

Schein- und Schummelessen: Einige Köche ahmten mit Mehl und Ei entbehrtes Fleisch nach. Schwä­bische Mönche wagten mehr: Ein Teigmantel sollte Hackfleisch für den Herrgott unsichtbar machen – die Geburt der bis heute geschätzten Maultaschen.

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