Farb­schutz­shampoos Test

Das Geld für spezielle Farb­schutz­shampoos können Sie sich sparen. Ob billig oder teuer: Der Farb­schutz ist bei allen im Test mangelhaft. Selbst bei der Pflege­wirkung glänzen sie nicht immer.

Frische Haarfarbe ist eine Pracht, Haare zu färben, eine Prozedur. Wer die hinter sich hat, möchte vor allen Dingen eins: die neugewonnene Pracht lange erhalten – egal ob rot, braun oder schwarz. Schließ­lich hat sie beim Friseur viel Geld oder in aufwendiger Heim­arbeit viel Mühe gekostet. Die Enttäuschung ist groß, wenn die Farbe schon nach wenigen Wochen matt und müde statt intensiv und brillant ist.

Die Kosmetik­hersteller wollen Kunden mit dem Problem nicht allein­lassen. Fast jeder bietet ein Farb­schutz­shampoo an. Mit UV-Filtern oder Pfle­gestoffen wie Traubenkernöl und Acai-Frucht­mark oder einem „inno­vativen Farb­schutz­komplex“ versprechen sie, coloriertes Haar „vor dem Verblassen“ zu bewahren oder ihm „längere Farb­brillanz“ zu verleihen.

Wir haben 16 dieser Spezialshampoos unter die Lupe genommen. Das Ergebnis enttäuscht auf ganzer Linie. Alle sind mangelhaft. Ob preis­wert vom Discounter oder teurer aus dem Friseurfach­handel – alle fallen beim Farb­schutz durch. Von Farb­schonung keine Spur. Die Shampoos verzögern das Verblassen der Haarfarbe nicht.

Nicht besser als ein Babyshampoo

Farb­schutz­shampoos Test

Im Labor. Ob mit Babyshampoo oder Farb­schutz­shampoo: Das Haar verblasst gleichermaßen – besonders nach Waschen und UV-Bestrahlung.

Im Labor. Ob mit Babyshampoo oder Farb­schutz­shampoo: Das Haar verblasst gleichermaßen – besonders nach Waschen und UV-Bestrahlung.

Schützen die Spezial­produkte die Coloration wenigs­tens besser als Shampoos, die keinerlei Farb­schutz ausloben? Dazu haben wir ein mildes Babyshampoo und ein reines Tensid – das ist ein Wasch­rohstoff – in den Test einbezogen. Diese beiden eher schnörkellosen Produkte enthalten weder besondere Pfle­gestoffe noch UV-Filter. Die Haarfarbe verblasste während des Tests auch bei ihnen deutlich, aber keinesfalls mehr als bei den Farb­schutz­shampoos.

Das haben wir nicht nur per Augen­schein fest­gestellt, sondern auch im Labor mit einem Farb­mess­gerät über­prüft. Unsere Experten haben gefärbte Natur­haar­strähnen mit den Shampoos gewaschen und zwischen den einzelnen Wäschen immer wieder die Farb­werte ermittelt. Die zeigen deutlich: Bei jeder Haar­wäsche – egal mit welchem Shampoo – geht Farbe verloren. Besonders die ersten Wäschen nach dem Färben ziehen viel Farbe.

Feind Nummer eins jeder künst­lichen Haarfarbe ist jedoch die Sonne. Um heraus­zufiltern, was bei Sonnenlicht passiert, haben wir einen Teil der Strähnen nicht nur gewaschen, sondern auch stan­dardisierter UV-Bestrahlung ausgesetzt. Hier ist der Effekt noch deutlicher: Die Farbe ist wesentlich ausgeblichener als nach alleinigem Waschen. Traurig für alle mit gefärbtem Haar: Keiner der bei Farb­schutz­shampoos beworbenen Pfle­gestoffe oder UV-Filter vermag es, das Verblassen zu verhindern. Auch wenn die Messungen im Prüf­labor zum Teil winzige Unterschiede zwischen den Shampoos zeigen, mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen.

Zu viele Keime bei Sanotint

Bei dem insgesamt schlechten Test­ergebnis fällt ein Haar­wasch­mittel zusätzlich negativ auf: Das sich besonders natur­nah gebende Shampoo von Sanotint hat nicht nur einen mangelhaften Farb­schutz, sondern auch eine mangelhafte mikrobiologische Qualität. Das Produkt enthielt schon beim ersten Öffnen zu viele und sogar potenziell krank­heits­erregende Keime.

Viele pflegen auch nur befriedigend

Pflegen die Shampoos das colorierte Haar wenigs­tens ordentlich? Schließ­lich ist Färben kein Well­ness­bad für den Schopf. Durch die chemische Behand­lung strapaziert, braucht es ein gut pflegendes Shampoo. Das Haar soll sich nach der Wäsche leicht entwirren, kämmen und frisieren lassen. Es soll sich nicht statisch aufladen, also nicht „fliegen“, sondern soll glänzen und geschmeidig sein. Auch hier über­zeugt nicht jedes Color­schutz­shampoo im Test. Etliche sind nicht besser als befriedigend. Im Schnitt pflegen sie schlechter als die Shampoos für strapaziertes Haar, die wir in test 05/2010 vorstellten.

Ein Shampoo links, das andere rechts

Farb­schutz­shampoos Test

Beim Friseur. Im „Halb­seiten­test“ scheitelt er das Haar in der Mitte, wäscht es dann links und rechts mit verschiedenen Farb­schutz­shampoos.

Farb­schutz­shampoos Test

Unter Profis. Vom Kämmen bis zu Glanz, Volumen und Geschmeidig­keit – die Test­friseure beur­teilen diese Kriterien mit Kennerblick und -griff.

Zwei Test­friseure über­prüften die Pfle­geeigenschaften im sogenannten Halb­seiten­test mit 21 Probandinnen. Dabei scheiteln die Friseure das Haar in der Mitte und tragen ein Shampoo rechts, das andere links auf. Die Shampoos gehen auf den Köpfen reihum, die Kombinationen wechseln. So haben die Friseure während der gesamten Haarbe­hand­lung optimale Vergleichs­möglich­keiten. Von der Anwendung – zum Beispiel Verteilen, Schaum­entwick­lung und Ausspülen – bis zum Zustand des Haares nach dem Waschen halten sie alle Eigenschaften des Shampoos in detaillierten Fragebögen fest. Im Anschluss an diese Prüfungen wurde alles statistisch ausgewertet.

Da bleibt nur Selbst­hilfe

Die Ausgabe für ein spezielles Farb­schutz­shampoo lohnt sich also nicht. Ganz hilf­los steht man dem Verblassen der Farbe jedoch nicht gegen­über. Es lässt sich zwar auf Dauer nicht völlig verhindern, aber zumindest etwas verzögern.

Tipps: Setzen Sie bei Sonne möglichst immer einen Hut auf, nicht nur während des Urlaubs am karibischen Traum­strand, sondern auch hier­zulande beim Bummel, im Straßencafé, beim Tennis­spielen oder bei der Wochen­endtour im Cabrio.

Chlor- und Salz­wasser greifen künst­liche Haar­farben besonders an. Spülen Sie die Haare nach dem Baden deshalb immer mit Süßwasser aus. Das empfiehlt sich übrigens auch bei ungefärbtem Haar.

Muten Sie Ihren Haaren nicht allzu häufig die Begegnung mit einem Shampoo zu. Verzichten Sie – zumindest ab und zu – auf die tägliche Kopf­wäsche.

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