Rotgefärbte Haare. Bleiben sie so schön, wenn sie mit Color­schutz-Shampoos gewaschen werden? Eher nicht.

„Lang­anhaltende Farb­intensität“, „Verhindert schnelles Ausbleichen“, das versprechen Farb­schutz-Shampoos für koloriertes Haar. Im Shampoo-Test der Stiftung Warentest sollten 15 von ihnen ihre Farb­schoner-Qualitäten beweisen: güns­tige aus der Drogerie für 1,35 Euro, Markenklassiker wie Garnier, Guhl und Schauma sowie teurere Shampoos von Paul Mitchell, Udo Walz und Judith Williams für bis zu 28 Euro. Ernüchterndes Fazit: Fünf­mal ausreichend, zehnmal mangelhaft.

Color­schutz-Shampoos sollten für jeden Farbton geeignet sein ...

Granat, Mahagoni, dunkler Rubin: Rote Farbtöne verleihen dem Haar eine gewisse Faszination. Rot ist auch die perfekte Farbe, um Color­schutz-Shampoos zu testen. Sie besteht aus empfindlichen Pigmenten, die bei Kontakt mit Wasser oder Sonne schnell verloren gehen. Wir wählten ein Profi-Rot vom Friseur und färbten damit Natur­haar­strähnen. Im Test traten 15 Farb­schutz-Shampoos gegen­einander an – vom güns­tigen Drogerie­produkt von dm für 1,35 Euro bis zum 28 Euro teuren Brilliant Colour Beauty Shampoo von Judith Williams. Nicht nur für Rot, sondern für jeden Farbton wollen sie geeignet sein.

... und mehr bieten als herkömm­liche Haar­wasch­mittel

Sie versprechen nicht nur Farb­glanz, sondern Farb­schutz bis hin zu lang anhaltender Farb­intensität. Das ist es auch, was fast 90 Prozent der Frauen laut Umfrage von einem Farb­schutz-Shampoo erwarten: einen längeren Farberhalt im Vergleich zu herkömm­lichen Shampoos.

Unser Rat

Bringt nichts. Kein geprüftes Farb­schutz-Shampoo erhielt für Wochen die Farbe des kolorierten Haars. Sie können also auch andere Shampoos verwenden.

Wasser und Sonne meiden. Waschen Sie die Haare selten. Nutzen Sie ab und zu ein Trockens­hampoo. Im Sommer hilft ein Hut gegen Ausbleichen – Shampoos mit UV-Filtern helfen nicht.

Clever kaschieren. Graue Haar­ansätze kann ein Kaschier-Spray für einige Tage über­decken.

Zwei Drittel mangelhaft

Doch Pustekuchen! Kein Shampoo erhält die Farbe von coloriertem Haar sechs Wochen lang zufrieden­stellend. Versprechen wie „bis zu 12 Wochen Farb­schutz“, wie sie Markt­führer Henkel für Gliss Kur und Syoss macht, schießen weit übers Ziel hinaus. Sie schaffen nicht einmal die Hälfte der Zeit. 10 der 15 Shampoos fallen im Test durch, sie sind mangelhaft.

Schlechter als ein Kinder­shampoo

Die meisten scheitern an der Farb­schutz-Prüfung, andere halten den versprochenen UV-Schutz nicht ein. Experten beur­teilten den Zustand der gefärbten Strähnen nach dem neunten und zwölften Waschen und Bestrahlen mit UV-Licht – im Vergleich zu frisch kolorierten Strähnen. Sechs der mangelhaften Produkte waschen die Farbe schnell aus: dm, Guhl, Lavera, L‘Oréal, Pantene und Gliss Kur. Ernüchternd: Sie schützen nicht besser als ein Repair-Shampoo für geschädigtes Haar, das keinen Farb­schutz verspricht, und sogar schlechter als ein mildes Kinder­shampoo. Beide zogen wir zum Vergleich heran (Testergebnisse Farbschutzshampoos).

Von wegen „extra langer Farb­schutz“

Der Vorher-Nachher-Vergleich zeigt den Farb­verlust. Das erste Foto zeigt eine frisch gefärbte Strähne. Auf dem zweiten Foto ist ihr Zustand nach sechs Wochen zu sehen: Sie wurde regel­mäßig gewaschen, der mitt­lere Teil UV-Licht ausgesetzt. Test­urteil: Ausreichend. Es handelt sich also um eines der besseren Shampoos. Frappierend: Ein Kinder­shampoo (unteres Foto) bietet eine ähnliche Leistung.

Vorher. Frisch gefärbte Strähne.

Nach 6 Wochen. Mit Farb­schutz-Shampoo, Note Ausreichend.

Nach 6 Wochen. Mit mildem Kinder­shampoo.

Mit den vier anderen Mangelhaften – von Judith Williams, Ross­mann, Schauma und Syoss – verblasst die Haarfarbe bei der Bestrahlung mit UV-Licht deutlich (siehe Foto UVA-/UVB-Filter), so wie übrigens bei allen Produkten im Test. Diese vier werben aber offensiv mit UV-Schutz, meist mit UV-Filtern.

Diese Shampoos machen keine gute Laune

Rund zwölf Millionen Bürger im Land färben sich die Haare. Die häufigsten Gründe sind laut Umfragen: graues Haar abdecken, Abwechs­lung, mehr Selbst­bewusst­sein und bessere Laune. Dass die Shampoos so schwach sind, dürfte die Laune nicht heben.

„UVA-/UVB-Filter“ wirken nicht

So sieht das Belichtungs­gerät aus, das wir im Test verwendet haben.

Sieben Shampoos werben mit Farb­schutz durch UV-Filter. Um das zu prüfen, spannten wir kolorierte, mit den Test­produkten gewaschene Haar­strähnen in ein Belichtungs­gerät mit Xenon­lampe. So simulierten wir, dass sie sechs Wochen der durch­schnitt­lichen Sonnen­einstrahlung in Mittel­europa ausgesetzt werden. Während der Prüfung steckte jede Strähne in einem Rahmen, sodass nur der mitt­lere Bereich bestrahlt wurde. Resultat: Alle verblassten deutlich.

Knock-out bei fehlendem Farb­schutz

Erfüllt ein „Color­schutz“-Shampoo seine Grund­funk­tion nicht, ist es also nicht besser als andere Shampoos, sind aus unserer Sicht weitere Prüfungen – etwa der Pfle­geeigenschaften, Anwendung, Verpackung – nicht wichtig. Wir haben auf sie verzichtet. Nur fünf Shampoos versagen nicht komplett im Farb­schutz und machen keine UV-Versprechen. Sie testeten wir umfassend: Nivea, Garnier, Udo Walz, Rausch und Paul Mitchell. Aber auch sie empfehlen wir nicht, da ihr Farb­schutz nicht über­zeugt.

Lösliche UV-Filter, versteckte Duft­stoffe

Wie nützlich sind UV-Filter in Shampoos? Die Filter in den Test­produkten sind meist wasser­löslich und werden unseres Wissens nach in geringer Konzentration einge­setzt. „Sie machen dort keinen Sinn“, sagt Kerstin Etzenbach-Effers, Chemikerin bei der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. „Weil Haarshampoos wieder ausgespült werden.“ Um die Haar­oberfläche vor Sonne zu schützen, dürfte das nicht reichen. Bei Rausch und Paul Mitchell wiesen wir zwei Duft­stoffe nach, die in seltenen Fällen Allergien auslösen können, aber nicht angegeben waren: Limonen bei beiden, Linalool zusätzlich bei Rausch. Beide hätten wegen ihrer Gehalte in der Inhalts­stoff­liste genannt werden müssen. Das gab Punkt­abzug in der Deklarations­note.

Zum Pflegen geeignet

Color­schutz-Shampoos braucht keiner zwingend. Auch wenn einige gut pflegen, wie der Test bei den ausreichenden Produkten zeigt. Haare lassen sich mit ihnen gut kämmen, glänzen, bekommen Volumen.

Conditioner schützen die Farbe und sorgen für Glanz

„Nehmen Sie ein schonendes Produkt, damit die Schuppen­schicht des Haars nicht zu stark aufgeraut wird“, rät Antonio Wein­itschke, Art Director des Zentral­verbands des Deutschen Friseur­hand­werks. Wichtig sei ein Conditioner. „Er schließt das Haar wieder, schützt die Farbe und sorgt für Glanz.“ Wirk­same Spülungen für geschädigtes Haar zeigt unser Conditioner-Test. Gute Shampoos gegen Schuppen in unserem Test von Anti-Schuppen-Shampoos.

89 Prozent der Frauen ...

... erwarten von Farb­schutz-Shampoo, dass die Farbe des kolorierten Haars deutlich oder etwas länger erhalten bleibt als bei herkömm­lichem Shampoo.

... erwarten von Shampoo, das mit Ausbleich­schutz vor Sonnenlicht wirbt, dass es die Farbe des kolorierten Haars deutlich oder etwas länger erhält als herkömm­liches Shampoo.

(Quelle: Forsa-Umfrage für die Stiftung Warentest mit 1 013 Frauen von 16 bis 69 Jahren, Mai 2019.)

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