Wer verreisen will, sollte die Farbfilme nicht vergessen. Denn im Ausland sind sie oft teurer. Hierzulande bekommt man „gute“ Fabrikate mit 36 Bildern schon für unter zwei Euro. Hochempfindliche Filme werden immer besser.

Alle reden von Digitalkameras. Doch die gute alte Analogfotografie ist noch längst nicht tot. Auch wenn die Pixelprotze mächtig aufholen, wurden im letzten Jahr in Deutschland immer noch mehr Analogkameras verkauft. Und so gingen fast 150 Millionen Farbnegativfilme über den Ladentisch. Das bedeutet: Die Automaten in den Entwicklungslabors haben 2002 rund fünf Milliarden Papierbilder ausgespuckt; das sind 61 Bilder pro Kopf der Bevölkerung.

Wer mit den Abzügen nicht zufrieden ist, sollte die Schuld nicht beim Film suchen. Denn an der Qualität des Aufnahmematerials gibt es, wie dieser Test zeigt, nur wenig auszusetzen. Wenn die Bilder keine Begeisterung hervorrufen, liegt das eher an den mangelnden bildkünstlerischen Fähigkeiten des Fotografen oder an der Bildherstellung. Die meisten Großlabors liefern nach unseren Erfahrungen nur mäßige Qualität. Farbstiche und zu helle oder zu dunkle Abzüge von optimalen Negativen sind leider an der Tagesordnung. Vom Labor verpfuschte Fotos sollten deshalb immer reklamiert werden.

Wichtige Frage vor dem Kauf von Filmen: Welche Lichtempfindlichkeit soll man wählen? Während vor ein paar Jahren noch fast alle Freizeitfotografen zu 100er oder 200er Filmen griffen, entscheiden sie sich heute häufig auch für höherempfindliche Filme.

Filmempfindlichkeit

Die Filmempfindlichkeit gibt an, wie viel Licht notwendig ist, um die Bromsilberkristalle auf dem Film zu belichten. Sie wird in ISO (International Organization for Standardization) angegeben. Die ISO-Zahlen (zum Beispiel 100, 200 oder 400) entsprechen den ehemaligen ASA-Werten (American Standards Association). Fast in Vergessenheit geraten sind die alten DIN-Bezeichnungen in GRAD. Auf den Filmverpackungen tauchen sie aber immer noch auf. Zum Beispiel ISO 100/21°, ISO 200/24° oder ISO 400/27°. Je größer die Zahl, desto weniger Licht ist beim Fotografieren erforderlich. Die gebräuchlichen Werte (100, 200, 400, 800) bedeuten jeweils eine Verdopplung der Filmempfindlichkeit. Ein 400er Film kommt also mit einem Viertel der Lichtmenge eines 100er Films aus. Die Grafik zeigt, welche Filmempfindlichkeit für welche Aufnahmebedingung geeignet ist. Filme mit mittlerer Empfindlichkeit (ISO 100 oder 200) sind zwar echte Allrounder, doch stoßen sie in einigen Situationen an ihre Grenzen. So muss in Innenräumen häufig mit Blitzlicht fotografiert werden und Außenaufnahmen gelingen in der Abenddämmerung höchstens noch mit Stativ.

Mit höherempfindlichen Filmen (ISO 400 oder 800) können Innenaufnahmen häufig ohne Blitz geschossen werden. Da sich diese Filme mit wenig Licht begnügen, wählt die Automatik (oder der Fotograf) kürzere Verschlusszeiten und kleinere Blendenöffnungen, was die Wahrscheinlichkeit für scharfe und verwacklungsfreie Bilder deutlich erhöht. Deshalb empfehlen sich diese Filme auch für Aufnahmen von schnellen Bewegungen, beispielsweise beim Sport. Für Besitzer von lichtschwachen Zoomobjektiven lohnt sich die Mehrausgabe ebenfalls.

Ab ISO 800 müssen bei den Filmen geringe Qualitätseinbußen hingenommen werden. Während die 800er Filme von Kodak und Konica die Farben noch „gut“ hinbekommen, lässt die Schärfe generell etwas nach, was allerdings nur bei starken Vergrößerungen zu sehen ist.

Erfreulicherweise schneidet der Konica Centuria 1600 Super, der gegenüber einem 100er Film nur ein Sechzehntel des Lichts benötigt, kaum schlechter ab als die 800er Filme. Der im vorigen Jahr getestete Fujicolor Superia 1600 hat ein ähnliches Ergebnis erreicht. Mit diesen hochempfindlichen Filmen lassen sich sogar romantische Szenen bei Kerzenschein stimmungsvoll einfangen. Sie kosten allerdings mehr als doppelt so viel wie die Standardware.

Schweizer Filme

Bei diesem Test haben wir erstmals vier Fabrikate untersucht, die es nur in der Schweiz gibt. Es handelt sich dabei um Eigenmarken von großen Handelsketten. Dahinter verbergen sich aber meist bekannte Hersteller. So kommen die Mcolor-Filme, die bei Migros verkauft werden, von Fujifilm. Und der Coop Color 200 wird von Agfa geliefert.

Ein Originalfabrikat von Fujifilm ist in diesem Test nicht vertreten. Denn laut Auskunft des Anbieters gibt es in der ausgewählten Gruppe keine Neuentwicklungen. Im Kasten „Noch zu haben“ haben wir die in den letzten beiden Jahren getesteten Filme, auch von Fujifilm, mit den aktuellen Preisen aufgeführt.

Farbnegativfilme sind mittlerweile so ausgereift, dass sie eine höhere Auflösung schaffen als einfache Kameraobjektive. Mit anderen Worten: Viele Fotoapparate können die Möglichkeiten der Filme gar nicht voll ausreizen.

Gestochen scharf?

Die schärfsten Bilder im Test lieferte der Schweizer Film Migros Mcolor 200. Auf dem Kontaktabzug von einer Glasplatte mit feinstem Strichraster konnte er die meisten Linienpaare pro Millimeter abbilden. Unter dem Mikroskop zählten unsere Tester 110 Linienpaare pro Millimeter. Zum Vergleich: Bei den schlechtesten Filmen waren nur 70 zu erkennen.

Zusätzlich wird beim Prüfpunkt Schärfe noch die Körnigkeit anhand von Großkopien (30 mal 40 Zentimeter) bewertet. Auch hier lag der Mcolor 200 vorn. Genauso feinkörnig ist aber auch der Kodak Royal Supra 400. Das ist erstaunlich bei einem so empfindlichen Film. Dennoch reichte es am Ende nur zu einem „Befriedigend“, weil die Farbwiedergabe bei ungenauer Belichtung Schwächen zeigt. Ähnlich lautet der Befund beim Kodak Royal Supra 200: Superscharfe Bilder, aber schon bei geringer Unterbelichtung lassen die Farben zu wünschen übrig.

Farbe bekennen

Die Farben auf dem Foto sollen so weit wie möglich denen des Originals entsprechen. Wir bewerten das zum einen anhand von Messungen und zum anderen subjektiv durch erfahrene Prüfpersonen. Während die Farbmessungen kaum Unterschiede zu Tage fördern, konnten die Tester mitunter deutliche Abweichungen auf den Testmotiven erkennen.

Ausgerechnet die teuren Kodak-Filme fallen negativ auf. Besonders beim Kodak Royal Supra 200, aber auch beim 400er führt schon eine geringe Unterbelichtung zu flauen Bildern. Aus der großen Gruppe der in der Farbwiedergabe mit „gut“ bewerteten Filme ragt der Agfa Vista 200 mit sehr natürlichen Farben etwas heraus, gefolgt von den 400er Filmen von Konica, Polaroid und Voigtländer.

Ob die tollen Töne dann auch auf dem Abzug zu sehen sind, hängt, wie schon erwähnt, stark von den Laborarbeiten ab. Der hier eingesetzte C41-Entwicklungsprozess und die Bildherstellung führen nicht immer zu gleich guten Ergebnissen. Ein Filmhersteller beziffert diesen Einfluss sogar auf 80 Prozent.

Im Unterschied zu Diafilmen, die möglichst exakt belichtet werden müssen, nehmen es Farbnegativfilme nicht so genau. Fehlbelichtungen durch den Fotografen können im Labor ausgeglichen werden. Vor allem bei Überbelichtungen bieten die Filme einen stattlichen Spielraum. So können Abweichungen von drei Blenden- oder Zeitstufen (+9 GRAD) locker ausgeglichen werden. Bei Unterbelichtung ist die Spanne aber wesentlich kleiner. Wenn der Film zu wenig Licht abbekommen hat, muss oft schon ab einer Blendenstufe (-3 GRAD) mit Qualitätseinbußen gerechnet werden. Viele Filme erreichen aber nicht einmal diesen Wert. Hier sehen die Abzüge schon bei einer geringen Unterbelichtung düster aus.

Eine Stufe niedriger einstellen

Die Ergebnisse beim Belichtungsspielraum zeigen, dass die Hersteller bei der Angabe der Filmempfindlichkeit ein wenig mogeln. Die von uns errechneten Werte für eine optimale Farbwiedergabe liegen generell unter den offiziellen Angaben. So bewegen sich die 200er Filme oft nur im 100er Bereich, die 400er sind nur knappe 200er und die 800er erreichen mit höchstens 26 GRAD nicht einmal den 400er Bereich. Auch der Superfilm des Tests, der Konica Centuria 1600 Super, liefert die besten Bilder bei einer Empfindlichkeit von ISO 500.

Unser Tipp: Wer die Filmempfindlichkeit eine Stufe niedriger einstellt, bewegt sich auf der sicheren Seite und erzielt mehr gelungene Fotos. Nur leider erlaubt nicht jede Kamera die Rückstufung.

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