Farbentfernung Test

Im Praxistest: Abbeizmittel, Heißluftpistole, Lackfräse – so geht der Lack ab.

Sie wollen Holz vom Lack befreien? Wir zeigen Ihnen, wie es am besten geht: wirksame Abbeizmittel ohne Gift, die besten Heißluftpistolen und die Vorteile einer Lackfräse.

Wir stehen an der Kasse eines Farbengeschäfts in Berlin. „Haben Sie Abbeizmittel?“ Der Verkäufer nickt und greift hinter sich ins Regal. „Da haben wir nur das hier.“ Mit Schwung stellt er einen Metallkanister auf den Tresen. „Xn – Gesundheitsschädlich“ prangt darauf und der Hinweis: „Enthält Dichlormethan“. Wir fragen nach: „Muss man da irgendwas beachten?“ „Nein“, der Verkäufer schüttelt den Kopf, „damit können Sie auch in der Wohnung arbeiten.“ Offenbar alles ganz harmlos. Wir sind entsetzt.

Die Arbeit mit dichlormethanhaltigen Abbeizmitteln hat in der Vergangenheit immer wieder zu schweren, zum Teil tödlichen Unfällen geführt. Solche Mittel sind nur noch in absoluten Ausnahmefällen erlaubt, Verkauf und Anwendung unterliegen strengen Auflagen. Der Mann an der Kasse hätte uns warnen müssen: Dichlormethan-Abbeizer sind nur mit Schutzanzug und schwerem Atemgerät sicher zu verarbeiten – also vom Heimwerker praktisch gar nicht (siehe Tabelle). Die meisten Händler haben diese Mittel längst aus dem Sortiment genommen. Es gibt Alternativen.

Wer Holz von alten Anstrichen befreien will, hat grundsätzlich drei Möglichkeiten: Chemie, Heißluft oder Mechanik. Wir wollten wissen, welches Verfahren das beste ist und haben alle Varianten ausprobiert. Im Test: 22 chemische Abbeizmittel (dichlormethanfrei), sechs Heißluftpistolen und exemplarisch eine Lackfräse.

Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile (siehe Tabelle). Sind viele Farbschichten zu entfernen, ist die Lackfräse – im Test ein Gerät der Firma Metabo – am effektivsten. Bei unebenen Flächen sind allerdings schnell Kerben ins Holz gefräst. Auch sollte man sensible Oberflächen damit lieber nicht bearbeiten, denn beim Entfernen der letzten Lackschicht sind Beschädigungen der Holzoberfläche kaum zu vermeiden. Da eignet sich Schleifpapier besser.

Sind viele Ecken, Kanten und Rundungen zu bearbeiten, geht es mit der Heißluftpistole besser. Aber Vorsicht: Wer mit dem Gerät zu nah herangeht, hat das Holz schnell verkohlt. Kreisende Bewegungen verhindern das – dafür ist etwas Übung erforderlich. Die Tabelle „Heißluftpistolen“ zeigt eine Auswahl an Produkten, die wir auf ihre Funktionalität getestet haben. Preishit ist der – leider etwas laute – Rapid Regulator für 50 Euro.

Acryl-, Kunstharz- oder Öllack?

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Abbeizer mit einem Pinsel satt auftragen.

Feine Verzierungen und aufwendige Profilhölzer sind ohne chemische Abbeizmittel kaum sauber vom Lack zu befreien. Allerdings hängt der Erfolg dabei nicht nur von der Qualität des Mittels ab, sondern auch vom Lack. Es gibt zwei Arten von Abbeizern: alkalische und lösemittelhaltige. Die alkalischen Produkte arbeiten auf der Basis von Laugen. Sie eignen sich für Alkydharzlacke (Kunstharzlacke) und für Öllacke (ältere Anstriche), aber nicht für Acryllacke (Wasserlacke). Der Grund: Alkydharz- und Öllacke enthalten Öle, die beim Trocknen feste chemische Verbindungen bilden. Laugen können diese Verbindungen wieder lösen. Acryllacke dagegen enthalten kein Öl. Sie härten aus, indem das in ihnen enthaltene Wasser beim Trocknen verdunstet und sich die Lackpartikel ineinander verzahnen. Diese Verzahnung kann nur ein Lösemittel wieder knacken. Laugen sind hier machtlos. Für die Praxis heißt das: Lösemittelhaltige Abbeizer sind in der Regel universell für alle Lacktypen einsetzbar, alkalische Abbeizer nur eingeschränkt.

Mit Lösemitteln wirksamer

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Mit einer Abziehklinge lässt sich der Lack auch ohne chemische Vorbehandlung entfernen.

In unserem Test waren die Lösemittel-Abbeizer eindeutig die wirksameren Produkte (siehe Tabelle „Chemische Abbeizmittel“). Mitunter ließen sich bereits nach zwei Stunden Einwirkzeit drei Schichten alter Farbe mit dem Spachtel ablösen. Die alkalischen Mittel dagegen bekamen in puncto Farbentfernung die schlechtesten Noten. Zwar konnten sie im Praxistest an Türen mit betagten Alkydharzanstrichen überzeugen. Mit modernen Lacken kamen sie aber nicht zurecht. An verschieden lackierten und künstlich gealterten Testflächen zeigten diese Mittel selbst nach 16 Stunden Einwirkzeit kaum Wirkung.

Das ist schade, denn Laugen sollten wenn möglich den Vorrang vor lösemittelhaltigen Abbeizern bekommen. Sie gasen keine Problemstoffe aus und belasten daher Umwelt und Gesundheit weniger. Lösemitteldämpfe dagegen sind nicht nur Luftschadstoffe, sie können beim Einatmen Kopfschmerzen, Benommenheit und tränende Augen verursachen.

Abbeizer mit giftigen Lösemitteln

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Beim Entlacken mit der Heißluftpistole können bedenkliche Stoffe entstehen. Tragen Sie in Innenräumen eine Atemschutzmaske.

Sechs Produkte enthalten das Lösemittel N-Methyl-2-pyrrolidon (NMP). Die Substanz wurde von der EU-Kommission als fruchtschädigend eingestuft und muss demnächst als „giftig“ auf der Verpackung deklariert werden. NMP kann dem ungeborenen Kind schaden. Die Hersteller wissen das und viele haben ihre Rezepturen bereits umgestellt – aber nicht alle. Wir beurteilten Produkte, die noch immer NMP enthalten, als „mangelhaft“. Solche Mittel gehören längst vom Markt genommen. Zumal der Test zeigt, dass NMP nicht notwendig ist, um wirksam zu sein.

Die Gesundheit richtig schützen

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Arbeitet bei vielen Lackschichten und ebenen Flächen sehr effizient: Metabo-Lackfräse 6.00724, 415 Euro.

Generell gilt: Ohne Gesundheitsrisiko geht es bei der Farbentfernung kaum. Auch bei alkalischen Mitteln ist Vorsicht geboten – sie können die Haut verätzen. Bei der Arbeit mit Heißluft besteht nicht nur Verbrennungsgefahr, durch Erhitzen alter Anstriche können auch bedenkliche Stoffe entstehen – neben übel riechenden Gasen zum Beispiel giftige Schwermetalldämpfe aus Farbpigmenten. Auch vormals aufgetragene Holzschutzgifte, die unter dem Lack liegen, können auf diese Weise wieder freigesetzt und eingeatmet werden.

Beim Fräsen oder Schleifen entsteht viel Staub, der ebenfalls giftige Schwermetalle enthalten kann. Eichen- und Buchenstäube sind zudem Krebs erzeugend. Unbedenklich ist nur die Arbeit mit der Abziehklinge, wenn der Lack ohne Vorbehandlung einfach abgeschabt wird. Das kostet aber viel Zeit und Muskelkraft.

Ob Lackstaub, Lösemittel oder Laugenspritzer – Arbeitsschutz ist wichtig. Am besten wird das Möbelstück draußen bearbeitet. Ist das nicht möglich, sollte man ausgiebig lüften und eine Atemschutzmaske tragen. Schutzbrille, geeignete Handschuhe und Arbeitskleidung sind in jedem Fall empfehlenswert. Und: Abgebeizter Lackschlamm muss bei einer Problemstoff-Sammelstelle entsorgt werden.

Ablaugereien – die Profi-Entlacker

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Ablaugereien beizen Türen und Möbel professionell ab.

Wem das zu viel Aufwand ist, der kann seinen alten Schrank auch vom Profi entlacken lassen. In Ablaugereien werden die Möbel im Tauch- oder Sprühverfahren mit Abbeizmitteln behandelt, anschließend gespült und getrocknet. Für einen Stuhl kostet das etwa 20 Euro, für einen dreitürigen Kleiderschrank rund 200 Euro. Wir haben eine Ablaugerei in Berlin ausprobiert und waren mit dem Ergebnis zufrieden. Für 70 Euro war unsere Altbautür nach drei Tagen abholbereit.

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