Farbentfernung Test

Im Praxistest: Abbeizmittel, Heißluftpistole, Lackfräse – so geht der Lack ab.

Viele Mieter und Hauseigentümer kennen das Problem: Nach einigen Jahren vergilbt die Farbe an Türen und Fensterrahmen und der Lack blättert allmählich ab. Dann ist es höchste Zeit für einen neuen Anstrich. Zuvor müssen aber erst Farbreste und Lacke runter. Beim Entfernen der Farbe haben Heimwerker die Wahl zwischen Chemie mit zum Teil gefährlichen Inhaltsstoffen, Heißluft und Mechanik. test.de zeigt wirksame Abbeizmittel und geeignete Heißluftpistolen. Im Test: 22 chemische Abbeizmittel und sechs Heißluftpistolen.

Für feine Arbeiten

Jede Methode der Farbentfernung hat ihre Vor- und Nachteile. Chemische Abbeizmittel eignen sich besonders bei feinen Verzierungen und Profilhölzern mit vielen Kanten. Die Sprays, Gels und Pasten reichen sogar bis in feine Ritzen und Ecken. Das schaffen Lackfräsen und Schleifpapier nicht. Dickflüssige Pasten und Gels haften auch an senkrechten Oberflächen und sind daher einfach anzuwenden. Wie gut die chemischen Abbeizer Farbe entfernen, hängt jedoch nicht nur von der Qualität des Mittels ab, sondern auch vom Lack. Alkalische Abbeizer wirken nur bei Kunstharz- und Öllacken - bei Acryllacken auf Wasserbasis richten sie dagegen nichts aus. Lösemittelhaltige Abbeizer hingegen sind in der Regel für alle Lacktypen einsetzbar. Deshalb schnitten sie im Test meist besser ab als ihre alkalischen Kollegen. Testsieger: FLT Abbeizer, mit 7,90 Euro für 750 Milliliter Gel eines der preiswerteren Mittel im Test.

Giftige Lösemittel

Allerdings enthalten chemische Abbeizer manchmal Gifte. Neun von 22 getesteten Produkten basieren auf dem Lösemittel N-Methyl-2-pyrrolidon (NMP). Die EU-Kommission stuft diese Substanz als fruchtschädigend ein. Wenn Schwangere mit NMP in Berührung kommen oder es einatmen, kann das dem ungeborenen Kind schaden. In Zukunft müssen Hersteller NMP-haltige Abbeizer daher als „giftig“ deklarieren. Viele haben bereits ihre Rezeptur umgestellt - aber nicht alle. Da solche Produkte nicht mehr in den Handel gehören, erhalten sie das Testurteil „mangelhaft“.

Nicht für Kinder

Doch auch die übrigen Abbeizer mit organischen Lösemitteln sind keine gesunde Sache. Sie reizen die Atemwege und können Kopfschmerzen, Übelkeit und Epilepsieanfälle auslösen. Trotzdem müssen Hersteller diese Inhaltsstoffe nicht als giftig deklarieren. Gesundheitlich weniger bedenklich sind nur alkalische Mittel. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Sie können die Haut verätzen. Schutzbrille, Arbeitshandschuhe und geeignete Kleidung sind also in jedem Fall empfehlenswert. Grundsätzlich gilt: Abbeizer sind nichts für Kinder.

Makita mangelhaft

Eine chemiefreie Alternative sind Heißluftgeräte. Diese Geräte weichen den Lack mit bis zu 650 Grad heißer Luft auf. Sie lösen die Farbe auch auf Oberflächen mit Kanten und Rundungen. Bis auf Makita HG 650 C schnitten alle Heißluftpistolen den Test mit „befriedigend“ ab. Die etwas laute Regulator 2 000 von Rapid bietet mit 50 Euro noch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Ausgerechnet Makita, die mit 136 Euro teuerste Heißluftpistole im Test, versagte jedoch bei der Dauerprüfung. Nach nicht einmal der Hälfte des Dauertests brach jedes Mal die Heizspirale. Ergebnis: „mangelhaft“.

Schnell verkohltes Holz

Aber Vorsicht: Wer mit dem heißen Luftstrahl zu nah ans Holz herankommt, hinterlässt leicht Brandspuren. Außerdem lauern auch hier gesundheitliche Gefahren. Beim Erhitzen alter Anstriche entstehen oft übelriechende Gase, und Farbpigmente setzen giftige Schwermetalle frei. Auch Holzschutzgifte, die unter dem Lack liegen, lösen sich bei der Hitze und können eingeatmet werden. Daher sind Atemschutzmasken beim Abbrennen der Farbe in Innenräumen immer zu empfehlen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2015 Nutzer finden das hilfreich.