Ob im Job oder privat: Auf gutes Aussehen und Auftreten wird heute viel Wert gelegt. Doch nicht jeder versteht es, seinen Stil zu finden. Rat gibts beim Profi, aber viele sind teuer und wenige richtig gut.

Braun – wirft Schatten ums Kinn. Beige – mein Blick wird stumpf. Türkis – ich erstrahle! Tuch für Tuch legt meine Beraterin mir von hinten um die Schultern. Gemeinsam beobachten wir im Spiegel, welche Farben meine Haut jünger, meine Augen ausdrucksstärker machen. Für meine Farbberaterin steht fest: Wintertyp! Kühles Türkis, Pink oder Schneeweiß bringen mein Gesicht erst richtig zur Geltung. Auch Schwarz steht mir gut. Glück gehabt! Ich muss meine Lieblingsstücke nicht aus dem Kleiderschrank verbannen.

Doch nicht jeder weiß, was zu ihm passt.Wer unsicher ist, kann sich Rat bei Farb-, Stil- oder Imageberatern holen. Längst gehen nicht nur Privatpersonen zum Beauty-Spezialisten. Auch Firmen und Führungskräfte haben gutes Aussehen als Wettbe­werbsvorteil erkannt. Ame­rika­ni­sche Studien belegen schon lange: Kleider machen Karriere. Gutes Aussehen wird mit Fleiß, Kreativität und Klugheit in Verbindung gebracht, fanden auch deutsche Psychologen heraus, zum Beispiel in der Beautycheck-Studie der Uni Regensburg.

Neben der Einzelberatung gibt es Kurse wie „Color your life“ oder „Typ Consult“. Die Preise hängen stark von Anbieter und Zielgruppe ab: Bei der Volkshochschule Starnberg ist der Tageskurs „Dress for Success“ inklusive Farbpass für 125 Euro zu haben. Beim renommierten Imageberater Georg Stiels dauert dieser Kurs für Geschäftsleute drei Tage und kostet 1 200 Euro – Übernachtungen im Wellnesshotel inklusive.

Mit der Qualität hat das nicht zwangsläufig etwas zu tun. Die hängt von der Ausbildung des Beraters ab. Neben Frisören, Kosmetikern, Unternehmensberatern drängen Quereinsteiger auf den Markt. Schon in drei Tagen kann sich jeder zum Farb-, Stil- oder Imageberater ausbilden lassen (siehe „Die Ausbildung zum Berater“). Wer sich verschönern lassen möchte, sollte sich vorher genau über die Qualifikation „seines“ Beraters informieren (siehe Checkliste).

Typ betonen, nicht verkleiden

Meine Beauty-Spezialistin jedenfalls scheint nicht auf dem neuesten Stand zu sein. Sie stellt mir einen Farbpass mit kühlen Winter- und warmen Herbstfarben zusammen. Branchenexperten sind sich einig: Warm-kalte Mischtypen wie Herbst-Winter gibt es nicht. Entweder der gelbliche Hautton überwiegt und dem Kunden stehen warme Herbsttöne, oder der Teint ist eher bläulich, dann sind kühle Winterfarben günstig. Überhaupt vertreten nicht mehr alle Anbieter die Vierjahreszeitentypologie. Viele arbeiten mit Konzepten, die mehr Spielraum zulassen.

Auch in puncto Stil geht der Trend zur individuellen Beratung. Die bloße Einteilung in Stiltypen wie „romantisch“, „sportlich“, „klassisch“ oder „extravagant“ reicht kaum, da sie selten alle Facetten einer Persönlichkeit abdeckt.

Mir als Winterfrau empfiehlt meine Farb- und Stilberaterin große Muster wie Hahnentritt und auffälligen Modeschmuck, gern asymmetrisch. Da gibts gleich zwei Minuspunkte von unseren Experten: 1. Man sollte nicht direkt vom Farbtyp „Winter“ auf den Stil „extravagant“ schließen. 2. Ein eigener Stil, der meiner Person, dem Umfeld und dem Anlass entspricht, wurde mit mir nicht entwickelt.

Zur Imageberatung gehören neben Farbe und Stil auch Inhalte wie Rhetorik und Präsentation. Hier stößt meine Beraterin endgültig an die Grenzen ihres Könnens. Sie empfiehlt mir, eine Aktentasche zu kaufen und lieber Blusen als Rollis zu tragen. Aber was für eine Bankangestellte gelten mag, muss für eine Journalistin nicht richtig sein: Mein Notizblock passt in die Handtasche, mein Rollkragen in die Redaktion.

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