Fanschminke Test

Die Fußball-Europameisterschaft in Frank­reich hat begonnen. Die deutschen Fans zeigen wieder Flagge – auch auf der Haut. Fankosmetika gehören seit dem Sommermärchen 2006 zur Stan­dard-Fanausrüstung. Die Stiftung Warentest hat pünkt­lich zur EM siebenmal Schminke und fünf­mal Klebe-Tattoos auf Schad­stoffe geprüft. Das Ergebnis ist ein Trauer­spiel.

Schmink­stifte schon bei der WM 2014 aufgefallen

Endlich rollt er wieder, der Fußball. In Frank­reich will Welt­meister Deutsch­land nun Europameister werden. Am Sonn­tag spielen Jogis Jungs in ihrem ersten Gruppen­spiel gegen die Ukraine. Spätestens dann sind die Lieblings­farben der Nation wieder Schwarz-Rot-Gold. Während der WM 2014 in Brasilien wurden Schminkstifte zurückgerufen, weil Unter­suchungs­ämter darin einen verbotenen und krebs­verdächtigen Farb­stoff gefunden hatten. Jetzt zur EM hat die Stiftung Warentest Fankosmetika auf Schad­stoffe geprüft. Die Qualität ist nicht europameisterwürdig. In sämtlichen Produkten fanden die Tester gesund­heits­kritische, zum Teil verbotene Stoffe.

Zwölf Test­kandidaten aufgestellt

Unser Test war sport­lich angelegt: Die aufwendigen Schadstoffprüfungen brauchen Zeit, die Aktions­ware kam aber erst kurz vor dem Turnier in die Läden. Sieben Schminken und fünf Klebe-Tattoos schafften es in die Auswahl. Recht­zeitig fündig wurden unsere Einkäufer etwa bei Kik, Real, Wool­worth und Tedi. Bei Lidl kauf­ten wir das einzige Produkt im Test, das vom europäischen Fußball­verband Uefa lizenziert ist. Drei Test­kandidaten bestellten wir im Internet.

Ernüchterndes Test­ergebnis

Befriedigend und damit noch am besten schneiden der Uefa-Schmink­stift von Lidl und Tattoos, die wir bei Kik gekauft haben, ab. Fünf­mal reicht es nur zur gelben Karte – dem Schad­stoff­urteil Ausreichend. Weiteren fünf Produkten erteilen wir wegen hoher Schad­stoff­werte einen Platz­verweis auf Fanpartys: Dem Schmink­stift von Fries sowie den Tattoos von Tattoo­drucker.de, Fries, Tedi und Elasto form siehe Tabelle.

Der Test im Video

Viele verbotene Spiel­verderber

Die größten Spiel­verderber sind nicht verbotene Farb­stoffe, sondern poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK) und Weichmacher. Einige Vertreter dieser Stoff­gruppen sind in Kosmetika verboten, weil sie gesundheitlich bedenk­lich sind. In acht Produkten wiesen wir das verbotene PAK Naphthalin nach, in vier von ihnen außerdem verbotene Weichmacher – hohe Gehalte sind es in den Tattoos von Tattoo­drucker.de, Tedi und Elasto form. Eine starke Belastung mit Isophoron wird den Fries-Tattoos, die wir bei Real gekauft haben, zum Verhäng­nis. Das Lösemittel ist in Kosmetika ebenfalls verboten.

Auch auf Mineralöle geprüft

Nicht explizit verboten, aber beileibe nicht unkritisch sind aromatische Mineralöl-Kohlen­wasser­stoffe, kurz Moah. Sie gelten als potenziell krebs­er­regend. Im vergangenen Jahr fanden wir Moah in verschiedenen Kosmetika auf Mineral­ölbasis siehe Test Mineralöle in Kosmetika. Alle sieben Fan-Schminken im aktuellen Test enthalten laut Verpackung mindestens einen mineral­ölbasierten Inhalts­stoff, zum Beispiel Paraf­finum Liquidum, Paraffin oder Ceresin. Moah konnten wir in allen sieben nach­weisen. Der Fries-Schmink­stift, gekauft bei Real, schneidet mangelhaft ab, weil er besonders stark damit belastet ist.

Kein unmittel­bares Gesund­heits­risiko

Das Test­ergebnis ist ein Trauer­spiel. Denn auch bei preisgüns­tiger Aktions­ware muss die Qualität stimmen. Fanschminke wird aber nicht täglich benutzt. Sie kommt im Normalfall bei der EM höchs­tens sieben Mal zum Einsatz – so viele Spiele absol­vieren Jogis Jungs, wenn sie es bis nach Paris ins Finale schaffen. Bei derart seltener Fanbemalung besteht kein unmittel­bares Gesund­heits­risiko, auch nicht durch stark belastete Produkte. Anhänger der National­mann­schaft, die Flagge zeigen wollen, greifen trotzdem am besten zu den befriedigenden Produkten aus der Test­auswahl – das gilt gerade für Kinder. Fans sollten Schminke und Tattoos sicher­heits­halber nicht auf den Lippen oder in der Nähe der Augen anwenden. Das empfehlen einige Anbieter generell, weil ihre Produkte schleimhautreizende Farb­stoffe enthalten. Über den Mund und die Augen können zudem kritische Stoffe einfacher in den Körper gelangen. Auch bei Anwendung auf verletzter Haut ist Vorsicht geboten siehe Tipps.

Auf die Verpackung achten

Ob ein Produkt Schad­stoffe enthält, können Verbraucher nicht erkennen. Aber auch die Verpackung ist ein Indiz für Qualität. So müssen auf Kosmetika alle Inhalts­stoffe korrekt aufgelistet werden. Auf einem Produkt im Test finden sich aber zum Beispiel zwei verschiedene Inhalts­stoff­listen, auf einem anderen dagegen gar keine (siehe Unter­artikel Falsch oder gar nicht gekennzeichnet).

Immer im Bild: Unser EM-Check

Schad­stoffe zum EM-Start, das ist nicht schön. Die Stiftung Warentest hat aber auch Erfreulicheres zu berichten: Zum Beispiel, dass es schon für 600 Euro gute Projektoren gibt, mit denen Sie großes Fußball-Kino genießen können (Beamer im Test). Wie Sie Ihr TV-Gerät so nach­justieren, dass das Fußball-Vergnügen perfekt ist, erklären wir in unserer Meldung Machen Sie den Fernseher fit für die EM. Was Arbeitnehmer wissen sollten, die im Büro Fußball gucken, steht in unserem Artikel Fußball und Arbeitsrecht: Was erlaubt ist und was nicht. Und wenn Sie das „Private Viewing“ mit einem Grill­abend kombinieren wollen, lohnt vielleicht ein Blick in unsere appetitan­regende Meldung Abwechslung auf dem heißen Rost.

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