Familien­urlaub Meldung

Ein Reise­ver­anstalter darf Hotel­unterkünfte anbieten, die nur von Personen ab 16 Jahren gebucht werden können. Das hat das Land­gericht Hannover im Januar 2013 entschieden. Nun liegen die Urteils­gründe vor. test.de erklärt die Hintergründe.

Schauinsland verweigert Familie Hotel­buchung

Dem Urteil lag die Klage einer Familie gegen den Reise­ver­anstalter Schauinsland zu Grunde. Im Jahr 2011 hatte die Familie Urlaub in einer Hotel­anlage in Paguera auf Mallorca gemacht. Damals verfügte das Hotel noch über ein Kinder­plansch­becken, am Buffet wurden Kinder­speisen angeboten und am Pool gab es Wasser­spielzeug. Als die Familie im Jahr 2012 über ein Reisebüro Urlaub im selben Hotel buchen wollte, wurde ihr dies mit dem Hinweis verweigert, der Sohn der Familie sei noch keine 16 Jahre alt. Der Hotel­betreiber hatte zwischen­zeitlich das Hotel­konzept geändert und die Buchung von Kindern unter 16 Jahren verboten. Dieser Hinweis befand sich auch im Schauinsland-Reisekatalog.

Familie sieht sich diskriminiert

Die Nicht­zulassung der Buchung nahm die Familie aus Nieder­sachsen jedoch nicht klaglos hin. Schauinsland warf sie eine unzu­lässige Alters­diskriminierung vor – also einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbe­hand­lungs­gesetz. Von Schauinsland verlangte das Paar mit Sohn Schmerzens­geld, Ersatz entstandener Rechts­anwalts­kosten und eine Entschuldigung.

Gericht gibt Schauinsland Recht

Doch die Klage der Familie blieb erfolg­los. Da der Hotel­betreiber niemanden diskriminiert habe, sei auch Schauinsland nicht zum Schaden­ersatz verpflichtet, so das Land­gericht Hannover. Nach Ansicht des Gerichts darf ein Hotel­betreiber frei entscheiden, wem er Zutritt zur Hotel­anlage gewährt und wem nicht. Auch Kindern unter 16 Jahren generell den Aufenthalt im Hotel zu verwehren, gehöre zur unternehmerischen Vertrags­freiheit. Aus dem Reisekatalog werde klar, dass das Hotel­konzept „auf Ruhe und Well­ness ausgerichtet“ sei. Da Kinder ein „gänzlich anderes Ruhe- und Erholungs­bedürfnis“ als Erwachsene hätten, basiere die unterschiedliche Behand­lung bei der Urlaubs­buchung auch auf einem sachlichen Grund. Daher liege kein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbe­hand­lungs­gesetz vor. Nach Auskunft des Reise­ver­anstalters Schauinsland hatte die Familie zwar Rechts­mittel gegen das land­gericht­liche Urteil einge­legt. Doch das Ober­landes­gericht Celle hat die Berufung als unzu­lässig verworfen.

Land­gericht Hannover, Urteil vom 23.01.2013
Aktenzeichen: 6 O 115/12

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