Familienspiele Test

Einfach rundum gelungen: Der instabile Bau der „Villa Pa­letti“ macht Kindern Spaß, fasziniert aber auch Erwachsene.

Alle Jahre wieder sind Spiele Geschenkehits. Wir haben die zur Probe gespielt, die neu in den Läden sind. Hier finden Sie die schönsten Spiele für Groß und Klein.

Eigentlich will ja jeder gewinnen. Aber das klappt nun mal nicht immer. Was aber keiner will, sind komplizierte Anleitungen, durch die er sich erst durchbeißen muss. Mit dem neuen Spiel schnell loslegen zu können, gehört zum richtigen Spaß dazu.

Was das betrifft, war es ein guter Jahrgang. Viele Neuerscheinungen auf dem Spielemarkt, die test unter die Lupe nahm, fallen durch kurze, klare Regeln auf. Das gilt nicht nur für die ausgesprochenen Kinderspiele, von denen man das eigentlich sowieso erwartet. Es trifft auch für eine ganze Reihe von Spielen zu, die Schulkinder, Familien- oder sogar reine Erwachsenenrunden an den Spieltisch bringen. „San Gimigniano“ gehört dazu, „Isis und Osiris“, „Hick Hack in Gackelwack“ oder auch „Villa Paletti“. Im Idealfall kommt zur einfachen Regel eine spannende Spielidee hinzu, ein besonderer Kick, eine fantasievolle Idee. So wie beim „Maskenball der Käfer“, wo sich die Marienkäfer zur Begeisterung von Kindern und Erwachsenen je nach Wirkung der eingebauten Magnete tanzend wegdrehen oder klickend aneinander heften. Oder wie bei der „Villa Paletti“, die unten im Bild gebaut wird: Wer nicht aufpasst, bringt die bunten Säulen und Zwischendecken zum Einstürzen.

Kinderspiel für Erwachsene

Familienspiele Test

Das eigentliche Phänomen ist hier aber etwas ganz anderes: Der instabile Palettibau sieht nach simplem Kinderspiel aus, hat aber unvermutete Finessen und entpuppte sich beim Probespielen auch bei vielen Erwachsenen als Hit – vor allem bei manchen Männern, die trickreich immer höher stapelten, bevor das Ganze zusammenkrachte.

Schön, wenn Spiele nicht nur Spaß machen, sondern auch einen pädagogischen Zweck erfüllen. Das erfreut Eltern und Pädagogen. Und das Gute daran: Die Kinder lernen was dabei, ohne es zu merken. Denn Spiele zeigen ihnen auf die leichtere Art, wie sie mit Konflikten und Anforderungen zurechtkommen können. Spiele trainieren auch Übersicht, Merkfähigkeit, Rechenkünste, und das keineswegs nur bei den Kleinen. Erwachsene profitieren auch davon, dass ihre kleinen grauen Zellen in Trab gehalten werden. Das gilt für fast jedes Spiel, vor allem die mit Memory-Effekt, den Kinder besser beherrschen als Große.

Wie viele Spiele jedes Jahr neu entworfen werden, weiß keiner genau. Was in den Läden angeboten wird, ist jedenfalls nur ein Bruchteil davon. Doch selbst diese Auswahl ist für den, der ein schönes Geschenk sucht, noch viel zu groß, um sich durchzufinden. Dazu brauchte er einen Verkäufer, der die Spiele kennt, und solches Glück ist selten. Kaufkriterium wird dann das, was die Schachtel verspricht. Das sind Hinweise zum Spieltyp, zur Spielidee und -zeit sowie zur Altersgruppe. Im Grunde sagt das noch nicht viel, denn der Reiz des Spiels erschließt sich oft erst nach einigen Runden.

Gespielt und beurteilt

Familienspiele Test

Spielrunden bietet aber kaum ein Laden. Doch wenigstens einen Blick in eine geöffnete Schachtel sollte er ermöglichen. Besser wäre es, auch Probe spielen zu können. test hat das stellvertretend ganz intensiv getan: Jedes Spiel in der test-Auswahl wurde immer wieder und in unterschiedlicher Besetzung probiert, dazu von Spielpädagogen beurteilt. Das Ergebnis ist eine Positivauswahl von Spielen, die den Beteiligten mindestens großen Spaß gemacht haben.

Kaum zu glauben, dass es bei dem jährlichen Wettlauf um das beste Spiel noch völlig neue Ideen gibt. Und in der Tat sind viele Spiele nichts weiter als eine Kombination bekannter Zutaten. Nichts weiter? Es ist wie beim Kochen: Die Prise Fantasie, die das Spiel schließlich spannend macht, der Kniff, der dazu führt, dass sich Tempo entwickelt, Strafpunkte für Schlafmützen, ein Extrabonus für findige Konkurrenten oder Überra­schungskarten, die den Spielverlauf unversehens ändern – das alles sind Zutaten, die den besonderen Reiz ausmachen können. So entstehen Klassiker.

Sechs Millionen Siedler

Und so etwas kommt unerwartet. Zum Beispiel „Die Siedler von Catan“: Das „Spiel des Jahres“ 1997 entwickelte sich unversehens zum Dauerhit, der es mit zig Erweiterungssets allein in Deutschland auf die fast beispiellose Auflage von sechs Millionen brachte. Vorläufiger Höhepunkt des Siegeszugs: eine Siedler-Weltmeisterschaft bei den Essener Spieltagen im letzten Oktober, zu der sogar Teilnehmer aus Japan anreisten.

Eine Prämierung ist allerdings keine Garantie für langfristigen Erfolg. So mancher Gewinner oder Fast-Gewinner hat es trotzdem nicht richtig geschafft oder sich nur bei bestimmten Spielern durchgesetzt. Aber erst einmal fördert eine Auszeichnung wie „Spiel des Jahres“ den Verkauf. Wobei die meisten von Millionen in der Regel weit entfernt sind.

Spielspaß ab sieben Euro

Vor dem Spaß heißt es erst einmal: Zahlen. 30 Euro und mehr sind für ein Spiel nicht ungewöhnlich. Besonders wer sich eines der größeren Kinderspiele leistet, wird schnell viel Geld los. Doch manche rechnen anders: 30 Euro für ein neues Spiel als Basis für einen vergnüglichen Abend – was ist das schon für vier engagierte Zocker. So viel legen sie auch für einen Kinobesuch hin – einem im Vergleich zum Spielen flüchtigen Vergnügen.

Es geht aber auch billiger als 30 Euro: „Wyatt Earp“ zum Beispiel oder manche Familienspiele wie „Hick hack in Gackelwack“, „Isis und Osiris“ oder „Trans America“, das bis zu sechs Strategen in Trab hält, kosten 10 bis 15 Euro. Schöne Kartenspiele gibt es schon ab 7 Euro.

So wirds billiger

Billiger wirds oft bei Versendernoder übers Internet. Auch ein Gang in die Kaufhäuser kann sich bezahlt machen. Besonders etwas ältere Spiele sind dort gelegentlich stark herabgesetzt. „Tikal“ und „Torres“ beispielsweise fanden wir für 30 Euro im Zweierpack – so viel etwa kostet sonst nur eines dieser prämierten Tüftlerspiele. Wer nicht gleich kaufen, sondern erst probieren will: Viele Bibliotheken verleihen auch Spiele, meist aber nicht die neuesten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2127 Nutzer finden das hilfreich.