Interview: Weg vom Alltag

Familienspiele Test

Gerd Knecht ist Dozent für Spielpädagogik an der Akademie Remscheid.

Warum spielen die meisten gern?

Spielende wollen sich unterhalten, ins Spiel eintauchen, weg vom Alltag sein. Im Spiel sind sie frei von alltäglichen Zwängen, Beschränkungen, Rücksichtnahmen. Sie begeben sich in eine andere Welt, schlüpfen in die Rolle eines Forschers oder eines Rennfahrers, probieren neue Verhaltensweisen.

Wie wichtig ist Gewinnen?

Für viele ist das das Ziel, egal ob sie zusammen gegen einen unsichtbaren Gegner spielen oder gegen Mitspieler. Gewinnen heißt, im Kräftevergleich besser und geschickter zu handeln als andere – oder einfach mehr Glück zu haben. Das klappt nicht immer, aber man hat immer wieder neue Chancen. Und wenn das Spiel vorbei ist, sind Gegner wieder Freunde.

Und die Mitspieler?

Spielen ist Interaktion. Es bringt unterschiedliche Menschen in Kontakt und beteiligt sie an einem gemeinsamen Handlungsablauf. Spielend lernt man Menschen besser kennen: Sind sie vorsichtig oder draufgängerisch, überlegt oder emotional, planvoll oder aus der Situation entscheidend?

Was macht ein gutes Spiel aus?

Eine gute Idee, eine übersichtliche klare Regel, die Entfaltungsmöglichkeiten für die Spieler erlaubt, eine ansprechende Gestaltung von Spielbrett und Schachtel, ein spannendes Thema, angemessene Dauer. Ein gutes Spiel sollte auch der Altersgruppe entsprechend verschiedene Fähigkeiten fordern und fördern.

Ob dann aber ein Spiel tatsächlich noch lange gespielt wird, hängt von den Wünschen der Spieler ab und ihrer Situation, beispielsweise ob man sich Zeit freihalten kann. Auch die Atmos­phäre ist wichtig: Urlaub und lange Winterabende fördern die Spielfreude.

Was macht bei einem Spiel den pädagogischen Wert aus?

Spiele sind auch eine Möglichkeit, etwas zu lernen, ohne dass es der Spielende merkt. Sie vermitteln Fähigkeiten, die man fürs Leben braucht. So fördern Spiele Teamgeist und Kreativität oder strategisches Denken, das Gedächtnis oder auch Sprachfähigkeiten.

Und ganz generell lernt man bei Spielen Gewinnen und Verlieren, das heißt mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen.

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