Der Bundestag hat das Elterngeld beschlossen. Die Zustimmung des Bundesrats gilt als sicher. Das neue Gesetz bietet zahlreiche Möglichkeiten. Spätestens ein Jahr vor der Geburt des Kindes sind erste Entscheidungen sinnvoll. Berufstätige Eltern von Kindern, die ab 1. Januar 2007 geboren werden, bekommen mindestens zwölf Monate lang mindestens 67 Prozent ihres letzten Nettogehalts, wenn sie wegen des Babys erst mal nicht oder nur teilweise arbeiten. Höchstens gibts 1 800 Euro pro Monat, mindestens 300 Euro. Wer sich die Elternzeit geschickt einteilt und im Jahr vor der Geburt des Kindes in Steuerklasse 3 wechselt, kann sich mehr Elterngeld sichern. test.de erklärt, wie das Elterngeld funktioniert und welche Möglichkeiten es für die finanziellen Aspekte der Familienplanung bietet.

[Update: 07.02.2006] Beim Wechsel der Steuerklasse zur Erhöhung des Elterngelds hat das Bundesfamilienministerium rechtlich zweifelhafte Einschränkungen angeordnet. test.de berichtet und gibt Tipps.

Gehaltsabrechnung entscheidet

Das Elterngeld hängt vom Nettogehalt der zwölf Monate vor der Geburt des Kindes ab. Nachgewiesen wird es durch die Gehaltsabrechnungen des Arbeitgebers. Bei Selbstständigen und Unternehmern entscheidet der nach den Steuerregeln ermittelte Gewinn, von dem darauf zu zahlende Steuern und Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung abgezogen werden.

Mehr Geld durch Steuerklasse III

Verheiratete Arbeitnehmer können sich ein höheres Elterngeld sichern, in dem der Elternteil, der den größeren Teil des Elterngeld erhalten wird, möglichst schon ein Jahr vor der Geburt in Steuerklasse III wechselt. Voraussetzung: Er verdient im Jahresdurchschnitt nicht ohnehin schon 2 700 oder mehr Euro netto und hat damit Anspruch auf den Elterngeld-Höchstsatz. Der Arbeitgeber zieht bei Steuerklasse III weniger Steuern vom Gehalt ab und zahlt mehr Geld aus. Dementsprechend höher fällt später das vom Nettogehalt abhängige Elterngeld aus.

Einbuße beim Partner

Aber Achtung: Wenn einer der beiden Eheleute in Steuerklasse III wechselt, kommt der Partner in Steuerklasse V und muss entsprechend höhere Steuern zahlen. Das heißt auch: Wenn der Partner mit dem geringeren Gehalt in Steuerklasse III wechselt, sinkt das sofort verfügbare Haushaltseinkommen. Die Einbuße ist allerdings nicht von Dauer: Nach Abgabe der Steuererklärung ermittelt das Finanzamt den im Einzelfall gültigen Steuersatz und erstattet zu viel einbehaltene Lohnsteuer. Nach der Geburt des Kindes sollte der dann allein-verdienende Partner in Steuerklasse III wechseln. Das ist problemlos möglich und hat keinen Einfluss mehr auf das Elterngeld für den Partner.

Steuernachzahlung wahrscheinlich

Familien mit Elterngeld müssen mit einiger Wahrscheinlichkeit Steuern nachzahlen. Das Elterngeld selbst ist nicht steuerpflichtig. Es löst jedoch den so genannten Progressionsvorbehalt aus. Das heißt: Für das Einkommen des Ehepaars ist ein höherer Steuersatz zu zahlen. Er entspricht dem Satz, der zu zahlen wäre, wenn auch das Elterngeld als Einkommen gewertet wird. Das wird beim Lohnsteuerabzug jedoch nicht berücksichtigt. Die Lohnsteuer, die der Arbeitgeber vom Gehalt des weiter berufstätigen Partners abzieht, wird deshalb oft nicht ausreichen. Dementsprechend droht nach Abgabe der Steuererklärung eine Steuernachzahlung. Sie kann mehr als 2 000 Euro ausmachen.

Verlängerung bei gemindertem Erwerbseinkommen

Grundsätzlich haben Eltern Anspruch auf zwölf Monate Elterngeld. Bei Paaren kann ein Elternteil grundsätzlich nur für zwölf Monate Elterngeld bekommen. Der Partner hat jedoch für zwei weitere Monate Anspruch auf Elterngeld. Voraussetzung: Das Einkommen aus Erwerbstätigkeit ist für insgesamt mindestens zwei Monate vermindert. Mit anderen Worten: 14 Monate Elterngeld sind nur möglich, wenn vor der Geburt einer der beiden Partner erwerbstätig war und er seinen Job nicht inzwischen verloren hat. Alleinerziehende trifft es noch härter. Sie erhalten nur dann 14 Monate lang Elterngeld, wenn sie im Jahr vor der Geburt erwerbstätig waren und nur wegen des Kindes nicht arbeiten. Empfänger von Sozialleistungen und Arbeitslosengeld bleiben außen vor. Das gilt auch dann, wenn der Job erst kurz vor der Geburt verloren ging. Unabhängig vom Einkommen gezahltes Mindestelterngeld in Höhe von 300 Euro gibts immer nur für zwölf Monate. Das bisherige Erziehungsgeld ist zwar nicht höher, wird aber bis zu zwei Jahre lang gezahlt.

Tipps: Wie Sie das Elterngeld optimal ausnutzen

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