Botox

Lähmende Spritztour. In der Kosmetik hat sich Botox als Lifestyle-Medikament ganz nach oben gearbeitet. Eigentlich ist es ein hochgefährliches Bakteriengift.

In Lebensmitteln ist das Bakteriengift Botulinumtoxin, kurz Botox, hochgiftig. Doch die Dosis machts: In minimalsten Mengen wird Botox auch medizinisch verwendet, zum Beispiel gegen Muskelverspannungen und übermäßiges Schwitzen. Seinen derzeitigen Kultstatus verdankt das Nervengift allerdings seiner faltenglättenden Wirkung. Unsere Mimik vermittelt durch feinere und größere Gesichtsmuskeln Gefühle und Befindlichkeiten. Sind wir innerlich angespannt, sind es auch die Gesichtsmuskeln. Sorgen- und Zornesfalten sowie Krähenfüße um die Augenwinkel können sich im Laufe der Jahre durch das Ziehen der Gesichtsmuskeln tief in die Haut graben. Durch die Injektion mit stark verdünntem Botox werden diese Muskeln gelähmt – sie sind für einige Zeit zur Entspannung verdammt.

Wirkung. Botulinumtoxin blockiert in der Kontaktstelle zwischen Nerv und Muskel den Botenstoff Acetylcholin. Die in den Muskel geleiteten Nervenimpulse können so den entsprechenden Muskel nicht mehr zur Anspannung bringen. Andere Nervenfunktionen wie Fühlen und Tasten werden dadurch nicht behindert. Die Wirkung ent­faltet sich erst nach drei bis fünf Tagen.

Manchmal ist nach zirka zehn Tagen Nachspritzen nötig, weil das Ergebnis zu schwach ist. Nach drei Monaten etwa beginnt die Wirkung nachzulassen. Eine realistische Wirkungsdauer: zwischen zwei und sechs Monaten, je nach Aktivität des Stoffwechsels. Über mögliche Langzeitfolgen von Botox scheiden sich die Geister. Optimisten gehen davon aus, dass sich Botox total abbaut, Kritiker pochen auf das Fehlen verlässlicher Langzeitstudien. Aus dem medizinischen Bereich sind keine Spätfolgen oder Allergien bekannt.

Behandlung. Das Gesicht wird erst desinfiziert und gekühlt, damit soll der leicht brennende Schmerz durch die Injektion ge­mildert werden. Auch kleinen Blutergüssen an den Einstichstellen soll damit vorgebeugt werden. An vorher genau ermittelten Punkten wird dann mit besonders dünnen Nadeln gespritzt. Pro Muskelregion sind in der Regel drei bis sechs Einstiche erforderlich. Danach wird wieder gekühlt. Mit Sport oder schweren körperlichen Tätigkeiten sollte nach der Be­handlung einige Stunden ge­wartet werden.

  • Kosten: zirka 350 bis 400 Euro für eine Region.

Nebenwirkungen. Um die richtigen Stellen mit der Nadel zu treffen, muss der Arzt die muskuläre Anatomie des menschlichen Gesichts sehr gut kennen. Richtige Probleme treten meist nur dann auf, wenn Ärzte nicht genug Erfahrung haben, ungenau arbeiten und zu große Mengen des Gifts spritzen. Die Folgen solcher Patzer: hängende Augenlider, eine maskenhaft starre Mimik oder asymme­trische Gesichtspartien.

Der Trost: Aufgrund der zeitlich begrenzten Wirkung von Botox verschwinden diese „Unfälle“ nach ein paar Monaten.

Rechtliche Grauzone. Für die kosmetische Behandlung ist Botox in Deutschland noch nicht zugelassen. Demzufolge ist eine Anwendung eigentlich illegal. Klären die Ärzte ihre Patienten jedoch über Risiken und Nebenwirkungen eines nicht zugelassenen Medikaments auf, haben sie sich einen rechtlich akzeptierten Spielraum für eine Be­handlung geschaffen. Die Ärzte lassen sich das in der Regel dann auch durch eine Einverständniserklärung des Pa­tienten vor der Behandlung dokumentieren.

  • Fazit: Auch wenn diese Spritzenmethode auf den ersten Blick harmlos ist – es gibt Risiken, und die trägt vor allem der Patient.

Gegenindikationen. Botulinumtoxin kann mit bestimmten Medikamenten zu negativen Wechselwirkungen führen. Bei Antibiotika aus der Aminoglykosid-Gruppe und Medikamenten zur Malariaprophylaxe kommt eine Botoxbehandlung nicht infrage, ebensowenig bei Muskel- und Nervener­krankungen. Auch Schwangere und Stillende sollen darauf verzichten.

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