Falsche Beratung Meldung

Eine Kundin bekommt ihren mit einem Zertifikat erlittenen Kursverlust zurück, weil die Bank sie falsch beraten hat.

Chance. Ein aktuelles Urteil des Amtsgerichts Leipzig macht Zertifikate-Geschädigten Mut, ihre Bank auf Schadenersatz zu verklagen (Az. 115 C 3759/08). In dem entschiedenen Fall wollte eine Kundin für die Ausbildung ihrer Tochter bei der Citibank 30 000 Euro als Festgeld anlegen. Die Bankberaterin erstellte ein Risikoprofil, aus dem klar hervorgeht, dass die Kundin sehr sicherheitsorientiert ist. Trotzdem überredete sie die Kundin zu einem mit erheblichen Risiken behafteten Zertifikat. Sie begründete ihre Empfehlung damit, dass hier die Zinsen steuerfrei sind. Dabei ließ sie allerdings unberücksichtigt, dass die Kundin gemeinsam mit ihrem Ehemann den Freibetrag ohnehin nicht überschritten hätte.

Geld zurück. Das Amtsgericht Leipzig entschied, dass die Citibank der Kundin ihren Kursverlust ersetzen muss. Außerdem muss sie ihr die 4,5 Prozent Zinsen bezahlen, die eine Anlage als Festgeld gebracht hätte. Zur Begründung hieß es, die Kundin habe eindeutig geäußert, das Geld als Festgeld anlegen zu wollen. Damit profi­tierte die Citibank-Kundin davon, dass die Bankberaterin ein Risikoprofil ­erstellt hatte – so war die Falschberatung eindeutig nachweisbar. Das ist Voraussetzung, um Ansprüche gegen die Bank durchzusetzen.

Kein Einzelfall. Nach einer Umfrage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gab es bei der Citibank viele ähnliche Fälle einer Falschberatung. Die Verbraucherzentrale prüft deshalb die Möglichkeit, gegen die Citibank Strafanzeige wegen Betrugsverdacht zu erstatten. Eine Sammelklage aller Betroffenen auf Schadenersatz dagegen ist nicht möglich, da es immer auf den Einzelfall ankommt.

Tipp: Wenn Sie schriftliche Beweise für eine Falschberatung haben, lohnt es sich, die Schlichtungsstelle Ihrer Bank anzurufen. Das Verfahren ist kostenfrei, Sie brauchen dafür keinen Anwalt. Die Adressen finden Sie unter www.test.de/bankschlichtungsstellen.

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