Die Hamburger Sparkasse muss einer Kundin ihr wertloses Lehman-Brother-Zertifikat von 10 000 Euro ersetzen. Das hat das Landgericht Hamburg heute entschieden. Es ist das zweite Urteil zugunsten von Lehman-Geschädigten.

Sparkasse hat Provision verschwiegen

Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hat eine 61-jährige Anlegerin falsch beraten, die im Oktober 2007 für 10 000 Euro eine Anleihe der amerikanischen Bank Lehman Brothers gekauft hat. Die Investmentbank ist im September 2008 kollabiert. Ihre Anleihen sind faktisch wertlos. Die Haspa muss nach dem Urteil Schadenersatz leisten. Das Institut habe die Frau nicht ausreichend darüber aufgeklärt, wie hoch die Gewinnmarge der Sparkasse beim Verkauf der Anleihe ist, entschieden die Richter. Somit konnte die Anlegerin nicht beurteilen, ob die Sparkasse sie allein kundenorientiert oder im eigenen Umsatzinteresse beraten hat.

Zweites Urteil zugunsten Geschädigter

Das Landgericht Hamburg hatte bereits in der vergangenen Woche einem Haspa-Kunden 10 000 Euro Schadenersatz für ein Lehman-Zertifikat zugesprochen. Die Richter begründeten die Entscheidung mit versäumten Hinweisen der Sparkassenberater auf eigene Provisionen und ihre wirtschaftlichen Eigeninteressen sowie die fehlende Einlagensicherung für die Papiere. Die Haspa hat angekündigt, gegen beide Urteile vor dem Oberlandesgericht Berufung einlegen zu wollen. Nach Ansicht der Sparkasse hat das Gericht rückwirkend Pflichten der Banken erkannt, die es vorher nicht gab.

Bankberater müssen Gewinnmarge offen legen

Mit dem Urteil orientieren sich die Hamburger Richter an der Kick-Back-Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs. Er hatte in mehren Entscheidungen Banken dazu verpflichtet, in Beratungsgesprächen mit Kunden die Rückvergütungen oder Provisionen ihrer Berater und deren Höhe für den Verkauf von Geldanlagen zu nennen.

Landgericht Hamburg, Urteil vom 01.07.2009
Aktenzeichen: 325 O 22/09

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