Falschberatung bei der Bank Meldung

Die Hamburgische Sparkasse (Haspa) hat rund 1 000 Kunden teilweise oder vollständig entschädigt, die auf wertlosen Zertifikaten der amerikanischen Pleitebank Lehman Brothers saßen. Die Mehrzahl der Lehman-Anleger erhielt jedoch keine Entschädigung.

Viele Kunden erhalten nur 10 Prozent

Die Haspa hat freiwillig etwa 1 000 von insgesamt 3 700 Kunden mit Zertifikaten der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers Entschädigungen gezahlt. Wie viele der Lehman-Anleger vollständig ihr investiertes Geld zurück erhalten haben und wie hoch die Zahl der Haspa-Kunden ist, die sich mit 10 Prozent begnügen müssen, wollte der Haspa-Sprecher test.de nicht sagen. Für ihre Kulanzregelung zahlte die Sparkasse bisher zusammen 9,5 Millionen Euro an ihre Lehman-Anleger. Insgesamt haben die Sparkassenkunden 54 Millionen Euro in Lehman-Zertifikate gesteckt. Die Entschädigungsquote liegt also bei 17,5 Prozent.

Mindestens 250 Kunden falsch beraten

Von den 1 000 Entschädigten erhalten nach Angaben der Haspa etwa 250 Kunden ihr Geld zurück, weil die Sparkasse nicht auf das Risiko einer Pleite von Lehman Brothers aufmerksam gemacht hat (Emittentenrisiko). In diesen Fällen hat die Haspa ihre Kunden falsch beraten. Nach Aussage der Haspa hat sie rund 750 Lehman-Anleger teilentschädigt oder voll entschädigt, weil sie besonders hart von den finanziellen Verlusten getroffen waren. Auch gesundheitliche Einschränkungen und Unfälle hat die Sparkasse bei ihrer Härtefallregelung berücksichtigt.

Sechs Klagen gegen die Haspa

Ein Recht auf Entschädigung für Zertifikate einer Bank, die pleite ist, gibt es nicht. Anders ist es bei Guthaben auf Sparbüchern, Girokonten, Tages- oder Festgeldkonten. Allerdings fühlen sich viele Lehman-Anleger, die bisher nicht entschädigt wurden, von der Hamburger Sparkasse ebenso falsch beraten. Derzeit sind sechs Klagen gegen die Haspa vor Hamburger Gerichten wegen Falschberatung der Kunden eingegangen.

Prüfen, ob Provisionen geflossen sind

Lehman-Anleger, die bisher keine Entschädigung erhalten haben, können prüfen, ob die Hamburger Sparkasse möglicherweise Provisionen für den Verkauf der Zertifikate erhalten hat. Sollte das der Fall sein, hätte der Sparkassenmitarbeiter im Beratungsgespräch den Kunden über die Provisionshöhe informieren müssen, wie jüngst der Bundesgerichtshof entschied. Hat der Berater aber nicht informiert, können sich Lehman-Anleger Chancen auf Schadenersatz ausrechnen.

Tipp: Gehen Sie zu einem Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und lassen Sie sich von ihm beraten.

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