Falschberatung Meldung

Banken beraten Geldanleger immer wieder falsch. Bemerkt ein Anleger einen Fehler, muss er die Verjährung beachten.

Paul Becker* legte im Herbst 2000 auf Empfehlung seines Bankberaters 150 000 Mark zu 80 Prozent in internationale Aktien- und Technologiefonds seiner Hausbank an. Dabei wollte der 67-Jährige eigentlich eine sichere Geldanlage zur Altersvorsorge.

Doch der Berater hatte nur auf die „kontinuierliche Wertsteigerung“ der Fonds in den Vorjahren hingewiesen. Von Risiken war nicht die Rede. Dann rutschten die Kurse immer tiefer. Nach knapp drei Jahren ging Becker in Panik zum Anwalt und erfuhr, dass die Verjährungsfrist fast abgelaufen war.

Mehrere Stichtage

Das kann leicht passieren. „Wer Zweifel hat, ob er richtig beraten wurde, sollte keine Zeit verlieren“, rät Anwalt Uwe Krieger von der Kanzlei Bornemann-von Loeben aus Heidelberg. Welche Frist gilt, hängt meistens davon ab, wann der Anleger aufgrund einer falschen Beratung sein Geld investiert hat.

Falschberatung nach dem 1. April 1998. Schadenersatzansprüche verjähren drei Jahre nachdem der Anleger die Order erteilt hat.

Hat der Kunde etwa am 17. Mai 2001 aufgrund falscher Beratung Aktien gekauft, verjähren seine Ersatzansprüche am 17. Mai 2004 um 24 Uhr. Fällt das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, läuft die Frist am nächsten Werktag ab.

Falschberatung vor dem 1. April 1998. Ansprüche aus Beratungen vor diesem Stichtag verjähren generell am 31. Dezember 2004 um 24 Uhr. Ansprüche, die vor 1972 entstanden sind, sind bereits verjährt.

Betrügerische Falschberatung nach dem 1. Januar 2002. Hat der Berater den Kunden bewusst falsch beraten oder sogar betrogen, gilt eine andere Regel. Dann verjährt der Ersatzanspruch 10 Jahre nachdem die Verluste eingetreten sind, spätestens aber 30 Jahre ab dem Zeitpunkt der falschen Beratung.

Hat also ein Anleger nach der Beratung im Jahr 2002 Geld angelegt und erst 2010 einen Verlust erlitten, verjährt sein Anspruch im Jahr 2020. War die Falschberatung im Jahr 2002, treten die Verluste aber erst 2025 ein, verjährt der Anspruch nicht 10 Jahre nach dem Eintritt des Verlusts, sondern bereits 2032. Denn 30 Jahre nach der Beratung ist in jedem Fall Schluss.

Betrügerische Falschberatung vor dem 1. Januar 2002. Fand die betrügerische Falschberatung vor dem 1. Januar 2002 statt und beginnt die Verjährungsfrist erst danach zu laufen, weil die Verluste erst nach diesem Stichtag entstehen, dann verjähren die Ansprüche so wie bei einer betrügerischen Falschberatung nach dem 1. Januar 2002 (siehe oben).

Waren aber sowohl Beratung als auch Verjährungsbeginn vor dem 1. Januar 2002 und läuft die Verjährung noch, endet die Frist drei Jahre nachdem der Anleger Kenntnis vom Schaden hat. In jedem Fall aber 30 Jahre ab Beratung.

Verhandeln stoppt Verjährung

Der geschädigte Anleger hat jedoch in allen Fällen die Möglichkeit, die Verjährung aufzuhalten. Sie wird erst einmal gestoppt, wenn zwischen Kunde und Bank Verhandlungen laufen.

Doch dazu gehören zwei, erläutert Anwalt Krieger: „Der Kunde muss – am besten schriftlich – erklären, dass und warum er Schadenersatzansprüche geltend macht. Die Bank muss Verhandlungsbereitschaft signalisieren.“ Das tat die Bank von Paul Becker nicht.

Bleibt die Bank stur, kann der Anleger die Verjährung durch eine Klage oder einen Mahnbescheid hemmen. Paul Becker hat das Mahnverfahren gewählt. Das konnte er kostengünstig und unkompliziert beim Amtsgericht beantragen. Der Ausgang ist ungewiss, doch so hat er wenigstens erst einmal seine Ansprüche rechtzeitig angemeldet.

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