Das Landgericht Rottweil hat eine Volksbank zu Schadenersatz wegen Falschberatung verurteilt. Die Bank hatte einer Anlegerin für 50 000 Euro Anleihen der Serie Cobold Nr. 62 der DZ-Bank verkauft.

Der Wert der Cobold-Anleihen hängt von der Kreditwürdigkeit mehrerer Referenz­unternehmen ab. Geht eines der Unternehmen pleite, erhält der Anleger im Tausch gegen seine Cobolde die Anleihen der Pleitefirma, die so gut wie nichts mehr wert sind (siehe Meldung Anleger können noch Geld retten). Im Portfolio des Cobold Nr. 62 war die US-Bank Lehman Brothers, die im September 2008 pleite ging.

Das Gericht sah einen Beratungsfehler des Anlageberaters der Volksbank bereits darin, dass dieser der Klägerin den Basisprospekt mit den Anleihebedingungen nicht ausgehändigt hatte. Im Verfahren stellte sich sogar heraus, dass der Anlageberater von der Existenz des Basisprospekts gar nichts wusste.

Seine Beratung erfolgte nach Angaben der Anwaltskanzlei Dr. Fricke und Partner aus Freiburg im Breisgau auf der Grundlage eines Computerausdrucks, auf dem lediglich der aktuelle Kurswert, die Namen der Referenz­unternehmen und die selbst- ermittelte Risikoklasse genannt waren.

„Das legte den Verdacht nahe, dass die Banken die von ihnen verkauften Produkte selbst entweder gar nicht oder zumindest nicht genau kannten“, sagt Rechtsanwalt Klaus Märker, der das Urteil erstritt. Die Klägerin habe an ein sicheres Investment geglaubt, zumal der vereinbarte Zins von 3,2 Prozent pro Jahr eher niedrig war (Az. 3 O 345/08, nicht rechtskräftig).

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