Das Angebot von Falk-Insolvenzverwalter Josef Nachmann klingt großzügig: Gegen Rückzahlung von 55 bis 60 Prozent der Erträge verzichtet er auf den Rest und beendet alle Gerichtsverfahren, mit denen er die meisten der 1 300 Anleger überzogen hat. Anlegern, die sich auf das Angebot einlassen, ist vor allem eins sicher: Sie müssen auch dann zahlen, wenn sich später herausstellt, dass der Insolvenzverwalter kein Recht auf das Geld hatte. Anlegeranwälte empfehlen Betroffenen dringend, sich gründlich beraten zu lassen.

Ausschüttungen trotz Verlust

Die Vorgeschichte: Mit der Aussicht auf satte Renditen warben die verschiedenen Falks-Fonds um die Gunst von Anlegern. Anfangs schütteten die Fonds tatsächlich Gelder aus. Tatsächlich jedoch fuhren die Unternehmen offenbar von Anfang an Verluste ein. Nachdem die Falk Beteiligungsgesellschaft 71 GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet hatte, bat Insolvenzverwalter Nachmann die Anleger zur Kasse. Die trotz der Verluste gezahlten Ausschüttungen müssten Sie zurückzahlen, forderte er und erhob zahlreiche Klagen. Die Rechtslage ist kompliziert: Kommanditisten müssen Ausschüttungen tatsächlich zurückzahlen, wenn Sie zu Unrecht erfolgt sind. Beim Falk-Fonds 71 sind jedoch die Anleger anders als bei vielen anderen Fonds nicht direkt Kommanditisten geworden, sondern über Treuhandvereinbarungen mit der Prometa Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft mbH. Ob die Anleger jetzt trotzdem so haften, als wenn sie selbst Kommanditisten wären, ist zweifelhaft.

Angebot mit Haken

„Gläubigerausschuss stimmt Vergleichsangebot im Insolvenzverfahren Falk Fonds 71 zu“, schreibt Nachmann in seiner Pressemitteilung zum Vergleichsangebot. Das klingt so, als hätte er für die Anleger einen Verhandlungserfolg erzielt. Tatsächlich ist das Angebot für viele Anleger ein zweischneidiges Schwert: Wenn sie den Vergleich akzeptieren, verlieren sie etwaige Einwendungen gegen die Forderung des Insolvenzverwalters. Viel Zeit lässt der Rechtsanwalt den Anlegern nicht. Nur bis Dienstag, 20. Februar, werde er Vergleichsverträge abschließen, kündigte er an. Wer 55 Prozent der zurückgeforderten Ausschüttung bis Ende Februar oder 60 Prozent bis Ende Juli zurückzahlt, braucht keine weiteren Ausschüttungen mehr zurückzuzahlen. Das Angebot des Vergleichsverwalters hat einen zusätzlichen Haken: Anleger sollen je nach Zeitpunkt ihrer Zahlung noch 55 bis 60 Prozent der Gerichts- und Anwaltskoten übernehmen. 

Anleger unter Zugzwang

Anleger sind jetzt in der Zwickmühle. Wie die Verfahren ausgehen werden, lässt sich kaum vorhersagen. Lassen sie sich auf den Vergleich ein, müssen Sie in jedem Fall zahlen. Wer nicht unterschreibt, hat die Chance, gar keine Ausschüttungen zurückzahlen zu müssen und läuft umgekehrt Gefahr, die gesamte Forderung zuzüglich hoher Prozesskosten zahlen zu müssen. „Die Entscheidung muss jeder für sich treffen“, erklärt Rechtsanwalt Ralph Veil von der Kanzlei Mattil & Kollegen. Er empfiehlt, einen Anlagefragen erfahrenen Rechtsanwalt einzuschalten. In jedem Fall gilt: Unabhängig vom Vergleich oder dem Ausgang der Klageverfahren bleiben die Verluste. Ob die Anleger vom ursprünglich in den Fonds investierten Geld noch etwas zurückerhalten, ist äußerst fraglich. Möglich sind Schadenersatzansprüche gegen Vermittler oder für den Falks-Fonds Verantwortliche. Aber die müssen auch erst mal noch geltend gemacht werden.

Armenrecht für Banken

Absurdes Detail am Rande: Das Landgericht München hat dem Falk-Fonds 71 für eine Klage gegen einen Anleger Prozesskostenhilfe bewilligt. Prozesskostenhilfe ist an die Stelle des früheren Armenrechts getreten. Sie dient eigentlich dazu, mittellosen Menschen Rechtsschutz zu ermöglichen. Von den Falk Fonds-Klagen des Insolvenzverwalters profitieren jedoch allein die Gläubiger des Unternehmens - allen voran die Postbank, DZ-Bank und Credit Suisse. „Es ist ein rechtspolitischer Skandal, dass die Banken sich von der Staatskasse aushalten lassen“, schimpft Rechtsanwalt Ralph Veil.

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