Interview: Behörde will Gutachten

Fahr­tauglich­keit Special

Fährt ein Mensch nicht mehr sicher, kann ihm die Fahr­erlaubnis entzogen werden. Wie das abläuft, erklärt Christian Janeczek, Fach­anwalt für Verkehrs- und Strafrecht.

Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, dass meine alten Eltern nicht mehr sicher Auto fahren?

Janeczek: Erst einmal sollten Sie versuchen, mit Ihren Eltern zu reden. Vielleicht gibt es auch die Möglich­keit, ihnen Fahrten abzu­nehmen, indem Sie beispiels­weise einen kleinen Fahr­dienst inner­halb der Familie einrichten oder Besorgungen über­nehmen. Nehmen die Auffälligkeiten im Verkehr zu und haben die Eltern absolut kein Einsehen, bleibt oft nur der Weg zur Fahr­erlaub­nisbehörde durch die Kinder oder andere Personen wie Nach­barn. Das kann zu Konflikten führen.

Wann wird die Behörde aktiv?

Janeczek: Hier muss der Sach­verhalt genau geschildert werden. Die Behörde wird aktiv, wenn sie begründete Zweifel an der Fahr­tauglich­keit eines Fahr­zeug­führers hat – wenn er also sich und andere gefährdet. In diesem Fall schreibt die Behörde den Fahrer an und fordert ihn auf, ein ärzt­liches Gutachten inner­halb einer Frist vorzulegen. Wo er sich unter­suchen lassen muss, legt die Behörde fest. Die Kosten trägt der Fahrer.

Inwiefern entscheidet das Alter über den Führer­schein­entzug mit?

Janeczek: Das Alter allein reicht nicht aus, um einem Menschen den Führer­schein zu entziehen. Entscheidend ist, ob jemand sich verkehrs­gerecht und umsichtig verhält. Tut er das nicht und fällt wegen Mängeln bei einer Verkehrs­kontrolle auf, wird die Polizei ihn am Weiterfahren hindern und die Führer­scheinstelle informieren. Sie entzieht den Führer­schein und verlangt ein Gutachten von einem Arzt mit verkehrs­psychologischer Qualifikation.

Was für eine Verpflichtung hat ein Arzt seinen Patienten gegen­über?

Janeczek: Der Arzt hat gegen­über seinem Patienten eine Aufklärungs- und Schwei­gepflicht. Er muss ihn also über seinen Gesund­heits­zustand und die Folgen für die Fahr­eignung unter­richten. Informationen über den Patienten darf er normaler­weise nicht an andere Stellen wie die Fahr­erlaub­nisbehörde weitergeben. Nur im absoluten Ausnahme­fall – wenn der Patient aufgeklärt wurde, dass er nicht fahren darf, und er es trotzdem tut – darf der Arzt die Behörde informieren.

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