Fahrräder sind im Frühjahr der Renner. Auch im Supermarkt: Dort gibts den Drahtesel für wenig Geld. Doch was tun, wenn er bockt? Die Stiftung Warentest reklamierte zwei defekte Räder bei Tchibo und Plus. Mit Erfolg: Plus schickte einen Boten, der den Drahtesel wieder auf Trab brachte. Bei Tchibo kamen die Ersatzteile mit der Post. Fazit: Guter Service, aber nur für Bastler. Nach dem Kauf muss der Kunde das Rad zunächst montieren.

Kostenlos im ersten Jahr

Ein Trekkingbike für 199 Euro: mit Alurahmen, gefederter Sattelstütze und 24-Gängen. Im Angebot bei Plus Anfang März 2004. Das klang nach einem Schnäppchen. Die Stiftung Warentest schlug zu. Doch im Schnelltest ging das Rad kaputt: Die Sattelstütze ließ sich nicht mehr richtig befestigen. Der Schnellspanner am Rahmen war ausgeleiert. Das brachte die Tester auf eine Idee: Wie funktioniert eigentlich der Service bei Fahrrädern aus dem Supermarkt? In den Unterlagen zum Plus-Fahrrad steht: „Im ersten Jahr der Garantiezeit verpflichten wir uns zur kostenlosen Reparatur oder Neulieferung.“ Das wollten die Tester sehen.

Hilfe vom Götterboten

Nach einem Anruf bei der Hotline schickte der Hersteller des Plus-Fahrrads einen Boten ins Haus. Die Tester nannten eine Privatadresse. Sie gaben sich nicht als Mitarbeiter der Stiftung Warentest zu erkennen. Hermes der Götterbote kam am elften Tage. Im Gepäck: einen neuen Schnellspanner für die Sattelstütze. Der Bote krempelte die Ärmel hoch und brachte das Ersatzteil gleich an. Kompletter Service ohne Kosten: Reparatur auf Garantie. Fazit: Guter Service für Ersatzteile bei Plus. Das Einstellen von Sattel, Lenker, Schaltung und Bremsen bleibt allerdings Sache des Kunden. Auch Unfallschäden und Schäden durch unsachgemäße Behandlung sind von der Garantie ausgenommen.

Pedale per Post

Tchibo verkaufte im März ein Alu-Trekking-Rad mit gefedertem Rahmen. Preis: 349 Euro. Auch das wurde getestet, auch das ging kaputt. Die Tester reklamierten völlig ausgefressene Gewinde an Tretkurbeln und Pedale. Anruf bei der Tchibo-Hotline. Schon zwei Tage später waren die Pedale in der Post. Hitverdächtig. Ein Fachhändler hätte sie montieren sollen. Tchibo übernimmt die Kosten bis 50 Euro, so die Auskunft der Hotline. Doch die Tretkurbeln fehlten. Sie würden nachgeliefert, hieß es im Begleitschreiben. Nach neun Tagen kam ein zweites Päckchen. Inhalt diesmal: ein Tretlager. Aber wieder keine Kurbeln.

Fahrrad vom Boten

Ein erneuter Anruf bei der Hotline klärt das Missverständnis auf. Tretkurbeln seien als Ersatzteil nicht zu haben, sagt die Hotline. Nun schickt auch Tchibo einen Boten. Der kommt nach zehn Tagen, holt das Fahrrad ab und bringt es nach weiteren elf Tagen repariert zurück. Tretkurbeln und Pedale sind neu. Die zugeschickten Ersatzteile darf der Testkunde behalten. Zwei Pedale und ein Tretlager nennt er nun sein Eigen. Fazit: Etwas umständlich und mit Wartezeit, aber der Service stimmt. Zumal der Defekt in diesem Fall auch auf falsche Handhabung zurückgehen kann. Die Gewinde an Tretkurbeln und Pedale verschleißen schnell, wenn die Pedale bei der Montage nicht richtig angezogen werden.

Nur vormontiert

Fahrräder aus dem Supermarkt sind im Allgemeinen nur vormontiert. Das heißt: Der Kunde muss Lenker und Sattel einstellen, die Schrauben prüfen und die Pedale anschrauben. Beim Alu-Trekking-Rad von Tchibo geht das nur schwer. Der mitgelieferte Sechskantschlüssel für die Pedale ist dünn und unsauber gestanzt. Die Pedale lassen sich damit nicht ordentlich anziehen. Die Stiftung Warentest hats ausprobiert: Fünf Laien sollten das Trekking-Rad von Tchibo montieren. Anschließend beurteilte ein Fahrradexperte den Zustand des Rades.

Nichts für Laien

Ergebnis: Alle Testpersonen blieben mit Kompromissen auf der Strecke. Mal ließ sich der Sattel nicht auf die gewünschte Höhe einstellen, weil die Sattelstütze zu lang war, mal war die Federung des Rahmens zu weich, mal ragte der Bremsbelag über die Felge hinaus. Größtes Problem: die Höhe des Lenkers verstellen. Hier scheiterten alle Kandidaten: ob Betriebswirt, Kauffrau, Student, Hausfrau oder Sekretärin. Einmal blieb der Lenker sogar lose. Auch die Pedale saßen nicht richtig fest. Die Bedienungsanleitung und das mitgelieferte Werkzeug halfen nicht weiter. Fazit: Erst Bastlergeist und extra Werkzeug bringen den störrischen Drahtesel auf Trab. Wer die Kunst des Schraubens nicht beherrscht, kauft besser beim Fahrradhändler. Falsch montierte Fahrräder sind im Extremfall sogar lebensgefährlich.

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