Fast alle Ergo­meter eignen sich gut fürs Ausdauertraining zuhause. Vier disqualifizieren sich aber wegen verbotener Schad­stoffe in den Griffen.

Keine Zeit – so versuchen sich Sport­muffel gern heraus­zureden. Ein Argument, das nicht wirk­lich über­zeugt. Denn schon 15 Minuten Bewegung am Tag reichen aus, um das Herz-Kreis­lauf-System in Schwung zu bringen und das Wohl­befinden zu steigern. Und dafür ist es nicht einmal nötig, vor die Haustür zu gehen.

Für alle, die sich unabhängig von Wetter, Sport­studio oder Schwimm­halle fit halten wollen, kommt ein Fahr­radergo­meter infrage. Er ist eine gute Alternative zu Radeln, Laufen, Nordic Walking, Skilang­lauf und Schwimmen. Gegen­über Heimtrainern haben Ergo­meter den Vorteil, dass Nutzer eine genau definierte Belastung einstellen können – Voraus­setzung für ein optimiertes, auch ärzt­lich über­wachtes Training.

Genaue Anzeigen, runder Lauf

Elf solcher Fahr­radtrainer mit Leistungs­anzeige haben wir getestet, zwei davon sind Liegeräder. Fast alle Ergo­meter hinterließen beim Trainieren einen guten Eindruck: Sie laufen angenehm rund und machen so gut wie kein Geräusch. Viele glänzen zudem mit genauen Anzeigen für Drehzahl und Leistung. In der praktischen Prüfung fiel nur der Inter­sport/Energetics etwas ab. Gleich sechs Modelle verdarben sich ihr Qualitäts­urteil jedoch durch Schad­stoffe in den Griffen.

Verbotene Weichmacher

Das Thema Schad­stoff­belastung scheinen einige Anbieter noch immer nicht mit dem nötigen Ernst zu behandeln. Das legen zumindest unsere Prüfungen nahe. Substanzen, deren Herstellung und Verwendung in Europa seit Jahren verboten ist, tauchen plötzlich wieder in größeren Mengen auf.

Ein Beispiel dafür sind kurz­kettige Chlorparaf­fine. Diese umwelt­gefähr­lichen Stoffe dienen als Weichmacher in Kunststoffen. Sie können in der Natur nicht abge­baut werden und reichern sich in Böden, Gewässern sowie im Organismus von Tieren und Menschen an. Außerdem stehen sie im Verdacht, krebs­erzeugend zu sein.

Für einige Industrie­zweige wurden diese Stoffe schon 2002 verboten. Seit 2012 ist ihre „Verwendung und Inver­kehr­bringung“ in der EU generell untersagt. Dennoch haben wir in den Griffen von vier Modellen so hohe Konzentrationen gemessen, dass die Bewertung nur mangelhaft lauten konnte.

Zudem fanden wir bei einigen Test­kandidaten Phthalate in den Griffen – haupt­sächlich Diethylhex­ylph­thalat (DEHP) und Diisononylph­thalat (DINP). Diese Chemikalien werden ebenfalls als Weichmacher für Kunststoffe wie PVC oder synthetisches Gummi verwendet. DEHP ist gesundheitlich problematisch, da es im Verdacht steht, hormonell zu wirken. Dadurch kann es beim Menschen beispiels­weise Unfrucht­barkeit verursachen.

Die gemessenen Phthalat-Konzentrationen waren nicht sehr hoch, sodass wir das Schad­stoff­urteil ausreichend vergaben. Übrigens: Ab 2015 dürfen Hersteller laut EU-Chemikalien­ver­ordnung (REACH) ohne Zulassung kein DEHP mehr für Verbraucher­produkte verwenden. In Kinder­spielzeug ist DEHP bereits verboten.

Dass es auch ohne gefähr­dende Schad­stoff­mengen geht, zeigen die Modelle von Kettler und Finnlo. Bei Horizon ist beides möglich: Das Standfahr­rad war unauffäl­lig, das Liegerad mit dem Weichmacher DINP belastet.

In der Praxis meist gut

Standergo­meter. Mit genau definierter Belastung trainieren.

Beim Trainieren gab es fast nur gute Noten, ausgenommen für Inter­sport/Energetics. Er zwingt Nutzer nicht nur in eine Sitz­position, die die Tester als unangenehm empfanden. Auch die Hand­schalen-Puls­abnehmer sind ungünstig positioniert. Sie lassen sich nur mit angewinkelten Hand­gelenken umfassen. Dadurch wird der Trainierende in eine Zwangs­haltung gebracht, die den Spaß am Sport deutlich trübt. Der feste Lenker beim Horizon Comfort 5i, der nur eine Griff­position zulässt, ist zwar nicht normgerecht. Negative Auswirkungen hatte das jedoch nicht. Im Gegen­teil: Die Tester lobten die Form der Griffe, die die Hand­gelenke angenehm entlasten.

Liegeergo­meter. Bequemes Training für ältere und schwergewichtige Personen.

Besonders beliebt bei den Prüfern waren die Liegeräder von Horizon und Kettler. Sie sind zwar teuer und sper­rig. Das Training auf ihnen ist aber deutlich angenehmer, nicht zuletzt wegen der stützenden Rückenlehne. Sie erleichtert vor allem älteren und schwereren Personen den Sport.

Die Bedienung der Computer klappt problemlos. Mit allen kamen die Tester nach kurzer Zeit gut zurecht. Die Anzeigen empfanden sie als selbst­erklärend.

In der tech­nischen Prüfung offen­barten sich allerdings Unterschiede. So ist eine genaue Leistungs­anzeige für Ergo­meter unerläss­lich. Die Norm erlaubt eine Abweichung von maximal zehn Prozent nach oben und unten. Viele Geräte schaffen das problemlos. Finnlo Exum und die beiden Kettler-Modelle erreichen sogar nahezu die Genauigkeit medizi­nischer Geräte. Tunturi Go 70 zeigt dagegen bei hohen Leistungen deutlich zu viel an.

Ältere Personen und absolute Einsteiger sollten ihr Training mit nied­riger Belastung beginnen. Sie brauchen daher einen Heimtrainer, bei dem sich geringe Leistungen von 25 bis 50 Watt einstellen lassen. Beim Christopeit und beim Sport Tiedje ist das jedoch nicht möglich.

Brust­gurt misst am besten

Herz­frequenz. Ohrclips über­tragen den Puls besser als Hand­abnehmer – aber das Kabel kann beim Training stören.

Aus der Reihe tanzt auch eines der teuersten Modelle im Test: Am Life Fitness für 1 100 Euro lässt sich nur der Widerstand in Stufen einstellen. Die Leistung ändert sich somit je nach Kurbeldrehzahl. Das Modell ist deshalb kein Ergo­meter, obwohl es oft als solches angeboten wird. In den USA, der Heimat des Anbieters, spielt die Einstellung in Watt kaum eine Rolle, trainiert wird dort meist mit Puls­programmen.

Solche Programme bieten alle Geräte. Sie passen den Tret­widerstand auto­matisch so an, dass der Trainierende einen vorgegebenen Puls erreicht oder hält. Voraus­setzung ist eine exakte Messung der Puls­frequenz. Doch die Über­tragung ist nicht immer einwand­frei. Am ungenauesten sind die Sensoren an den Hand­griffen. Ohrclips messen etwas besser. Am zuver­lässigsten funk­tioniert die Puls­messung über einen Brust­gurt. Während alle Geräte über einen Empfänger verfügen, muss der Gurt oft dazugekauft werden.

Die meisten Ergo­meter zeigen über ein blinkendes Herz an, ob sie ein Puls­signal empfangen. Geht das Signal verloren, muss das Gerät die Belastung auto­matisch reduzieren. Das tun alle bis auf Rex Los Angeles, bei dem immerhin eine Warnung in der Computer­anzeige erscheint.

Erst schrauben, dann strampeln

Montage. Bevor man auf sein Ergo­meter steigen kann, sind etliche Teile zusammen­zuschrauben. Selbst Geübte brauchen dafür mindestens 30 Minuten.

Das erste Training beginnt bei den untersuchten Geräten gleich nach der Auslieferung: In allen Kartons liegen die Ergo­meter in Einzel­teilen, die der Nutzer zusammenbauen muss. Je nach hand­werk­licher Versiertheit dauert das 30 bis 60 Minuten.

Nicht nur für die Montage ist eine verständliche Gebrauchs­anleitung Pflicht. Die gibt es aber nicht immer. Beim Tunturi-Fahr­radtrainer fanden wir nur eine Anleitung in Eng­lisch. Auch beim Life Fitness fehlt die gedruckte Monta­geanleitung auf Deutsch. Sie befindet sich nur auf einer beigefügten CD.

Eine Frage der Motivation

Wer mit dem Heimtraining nicht nur fitter, sondern auch schlanker werden will, muss aufpassen. Zum einen geben die Trainings­computer den Kalorien­verbrauch mangels individueller Faktoren nur ungenau an. Zum anderen verkehrt sich der Trainings­effekt schnell ins Gegen­teil, wenn man anschließend ordentlich zulangt.

Dreh- und Angel­punkt beim Heimtraining bleibt die Motivation. Viele Geräte stehen bald ungenutzt herum, weil der Trainings­anreiz fehlt. Die Anbieter versuchen, über die Software der Computer für Abwechs­lung zu sorgen. Das geht bis zum Abfahren von selbst per Video­kamera aufgezeichneten Touren. Im Test haben nur die Kettler-Geräte eine solche Schnitt­stelle.

Tipp: Stellen Sie das Gerät nicht in den Keller. Besser ist der Platz vor dem Fernseher. Nutzen Sie freie Zeit zum Trainieren – auch wenn es nur 15 Minuten sind.

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