Fahrradtrainer Test

Der knappe Testsieger unter den Fahrrad­trainern kostet 1 450 Euro. Das preisgünstigste „gute“ Gerät ist für 300 Euro zu haben. Doch bei vielen Modellen trüben Schadstoffe in den Kunststoffgriffen die Testergebnisse.

Ich habe mir im letzten Winter ein Ergometer gekauft“, schreibt Lummi im Internetforum sportlerfrage.net. „Ich fand das Fahren auf der Stelle dann aber so fad, dass ich kaum gefahren bin. Nun starte ich eher fett als fit ins Frühjahr. Was kann ich tun, damit mir das im nächsten Winter nicht wieder passiert?“ Ein Teilnehmer des Forums namens Adriano gibt Lummi Tipps, wie man den inneren Schweinehund überlisten kann: „Ich steige auf meinen Hometrainer, wenn die Sportschau läuft, da vergeht die Zeit wie im Flug. Manchmal lese ich auch. Oder leg dir fetzige Musik auf und versuche wie im Spinningtraining mit dem Takt zu fahren. Das macht echt Laune.“

Die Motivation ist der Dreh- und Angelpunkt beim Heimtraining. Viele kaufen sich ein teures Ergometer, und das steht dann, weil der Anreiz zum Training fehlt, weitgehend ungenutzt herum. Die Anbieter versuchen für Abwechslung zu sorgen, indem sie die Geräte mit verschiedenen Trainingsprogrammen ausstatten. Das reicht bis zum Abfahren realer Radstrecken, deren Verlauf der Trainierende über eine Computerschnittstelle (bei Daum, Kettler, Horizon) auf dem Monitor verfolgen kann. Sogar Wettrennen sind mit dem Heimtrainer möglich, auch wenn die Kontrahenten weit entfernt voneinander wohnen.

Belastete Kunststoffgriffe

Fahrradtrainer Test

Nach dem Auspacken müssen die Teile zusammengebaut werden. Das schaffen meist auch Laien. Am besten baut man die Geräte zu zweit auf. Bei Daum und Kettler fehlt im mitgelieferten Werkzeug ein Kreuzschlitz-Schraubendreher.

Wer etwas für seine Gesundheit tun will, muss rauf aufs Rad, und zwar regelmäßig. Denn Ausdauertraining verlangsamt Alterungsprozesse, es stärkt das Herz-Kreislauf-System und hat positive Einflüsse auf den gesamten Körperstoffwechsel (siehe Interview). Der Trend bei den Heimtrainern geht eindeutig in Richtung Ergometer, also zu Geräten mit Leistungsanzeige. Eine neue Variante sind Liegeräder (recumbent bike), die in den USA weit verbreitet sind und hierzulande häufig in Rehabilitationszentren eingesetzt werden.

Wir haben zwölf Ergometer für 300 bis 1 550 Euro untersucht, darunter ein Liegerad für 1 400 Euro und drei klassische Heimfahrräder für 149 bis 300 Euro. Zum Trainieren eignen sich alle Geräte, wobei die Ergometer meist komfortabler sind und auch mehr Abwechslung bieten.

Das Testergebnis hätte besser aussehen können, wenn die Kunststoffgriffe von fünf Geräten nicht zu hoch mit Schadstoffen belastet wären, sodass wir sie auf „mangelhaft“ abwerten mussten. Es handelt sich um polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die über Hautkontakt in den Körper gelangen können. Durch den Schweißfluss beim Fitnesstraining wird das noch verstärkt. Viele der gefundenen PAK wirken beim Menschen krebserzeugend, fruchtschädigend und erb­gutverän­dernd.

Seit Jahren warnen wir vor diesen Schadstoffen, die zum Beispiel häufig in den Griffen von billigem Werkzeug enthalten sind. Umso erstaunter waren wir, dass diese Gifte immer noch verwendet werden, sogar in den vergleichsweise teuren Heimtrainern. Leider liefern nur zwei Geräte den Beweis, dass es auch besser geht.

Unzuverlässige Pulsaufnehmer

Acht Tester, drei Männer und fünf Frauen zwischen 21 und 78 Jahren, haben sich für uns abgestrampelt und die Trainingseigenschaften der Geräte bewertet. Dafür mussten sie nach den Trainingsdurchläufen umfangreiche Fragebögen ausfüllen. Zum Abschluss der praktischen Prüfung lagen 1 260 Beurteilungen vor. Die Tester waren sich erstaunlich einig, es gab kaum größere Abweichungen bei ihren Bewertungen.

Lediglich bei der Pulsanzeige lagen die Urteile der Testpersonen teilweise weiter auseinander. Kein Wunder, denn manche Pulsaufnehmer arbeiten nicht einwandfrei. Sie zeigen mitunter gar keine oder falsche Werte an. Am unzuverlässigsten sind die Handschalen, die von Person zu Person ganz unterschiedlich arbeiten können. Ohrclips sind etwas besser, am genauesten aber ist die Pulsmessung über einen Brustgurt, der jedoch oft dazugekauft werden muss (siehe Tabelle: Fahrradtrainer).

Alle Testmodelle arbeiten mit berührungslosen Bremssystemen (Magnet- oder Wirbelstrombremse). Das hat zwei positive Effekte: Zum einen gewährleisten diese Systeme im Zusammenspiel mit einer passenden Schwungmasse einen angenehmen runden Tritt. Zum anderen laufen die Heimtrainer leise, was nicht nur die Trainierenden zu schätzen wissen.

Ungenaue Leistungsanzeige

Fahrradtrainer Test

Alle Anzeigen im Blick. Die Displays der Trainingscomputer zeigen die wichtigen Parameter. Vor dem Training wird das Programm (zum Beispiel Leistung oder Puls) eingestellt. Hier die „sehr gut“ ablesbare Anzeige des Daum Premium 8.

Fahrrad-Ergometer, die nach der DIN-EN-Norm die Leistung in Watt anzeigen, müssen eine Messgenauigkeit einhalten, die maximal zehn Prozent Abweichung nach oben und unten erlaubt. Viele schaffen das problemlos. Bei drei Ergometern – Life Fitness, Vision Fitness und Horizon – haben wir aber größere Ungenauigkeiten festgestellt. Die angezeigte Leistung lag bei diesen Geräten teilweise deutlich unter der tatsächlichen Leistung. Das kann fatale Folgen haben. Wenn zum Beispiel ein Herzpatient die vom Arzt vorgegebene Watteinstellung erreichen will, trainiert er mit einer zu hohen Leistung, was schlimmstenfalls zur Überlastung führt, zumindest dann, wenn er die Signale seines Körpers überhört (siehe Interview).

Da mit diesen Modellen aber problemlos auch mit einem Pulsprogramm trainiert werden kann, haben wir auf eine stärkere Abwertung verzichtet. Die Pulsanzeige sollte jedoch immer über einen Brustgurt erfolgen, der auf der bloßen Haut aufliegt.

Erfreulicherweise hat keines der getesteten Modelle den Widerstand erhöht, wenn das Pulssignal verlorenging, was alle außerdem noch mehr oder weniger deutlich anzeigen. Daum Premium 8 und Kettler X 3 erfüllen sogar schon die Anforderungen der demnächst in Kraft tretenden neuen Norm, wonach beim Verlust des Pulssignals spätestens nach einer Minute der Widerstand reduziert werden muss.

Errechnete Geschwindigkeit

Fahrradtrainer Test

Der Widerstand der Magnetbremse der Fahrradtrainer wurde im Labor geprüft.

Die angezeigte Geschwindigkeit der Fahrradtrainer ist ein errechneter Wert. Die meisten Geräte ermitteln sie über die Drehzahl, der eingestellte Widerstand spielt keine Rolle. In der Praxis hieße das, entweder auf einer leicht abschüssigen Strecke zu fahren (niedriger Widerstand) oder es wird eine Steigung simuliert (hoher Widerstand). Bei drei Ergometern (Life Fitness, Vision Fitness, Horizon) ist die Geschwindigkeit auch vom Widerstand abhängig, was in der Praxis einer Fahrt mit verschiedenen Gängen auf ebenem Gelände entspricht.

Bei den einfachen Fahrradtrainern, bei denen der Widerstand nur mechanisch eingestellt werden kann, ist das Wiederauffinden einer einmal gewählten Leistungsstufe etwas schwierig. Im Test klappte das deutlich besser, wenn wir zunächst auf Minimum gestellt haben und dann auf die gewünschte Trainingsstufe.

Erstmals haben wir ein Liegerad getestet. Es ist nicht billig und etwas sperriger als die herkömmlichen Ergometer, machte aber eine gute Figur. Besonders die Senioren-Testerin (78) war von dem Rad mit der Rückenlehne begeistert. Es ermöglicht ein besonders leichtes Auf- und Absteigen und die angelehnte Sitzhaltung mit seitlichen Handstützgriffen ist für Ältere sehr angenehm. Der Anbieter empfiehlt es auch für Personen mit Rückenproblemen. 48 Programme sorgen für Abwechslung. Die Motivation für regelmäßiges Training muss aber auch hier jeder selbst aufbringen.

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