Interview: Gut für das Gesamtbefinden

Fahrradtrainer Test

Dr. med. Johannes M. Peil, leitender Arzt der Sport­klinik Bad Nauheim, zum Heimtraining aus ärztlicher Sicht.

Was nützt Herz-Kreislauf-Training?

Ausdauertraining verlangsamt den natürlichen Alterungsprozess, es stärkt das Herz-Kreislauf-System und versorgt somit den Körper mit mehr Sauerstoff; die gesamte Körperchemie wird positiv beeinflusst. Außerdem bleibt die Beweglichkeit länger erhalten, weil Knochen und Gelenke regelmäßig beansprucht werden. Der gesamte Stoffwechsel verbessert sich, was vorbeugend wirkt gegen viele Krankheiten, zum Beispiel Fettstoffwechselstörung oder Osteoporose. Auch können leichte Fälle von Diabetes oder Bluthochdruck ohne Medikamente reguliert werden. Studien zeigen, dass auch die Psyche positiv beeinflusst wird; das Training befreit den Kopf und kann Stress abbauen. Besonders bei älteren Personen wirkt sich regelmäßiges Ausdauertraining positiv auf das Gesamtbefinden aus.

Wie trainiert man am besten?

Ein Trainingsgerät ist nicht zwingend erforderlich. Joggen, Fahrradfahren im Freien, Schwimmen, Nordic Walking oder Skilanglauf sind hervorragende Sportarten, um das Herz-Kreislauf-System zu trainieren. Das Heimfahrrad hat den Vorteil, dass es bei jeder Witterung gefahrlos verwendet werden kann. Nachteilig beim Fahrradergometer ist, dass nur die Beine bewegt werden, die Arme und die so wichtige Rumpfmus­kulatur bleiben weitgehend ausgespart.

Wie wirkt sich eine falsche Einstellung der Geräte aus?

Leider versäumen viele Hersteller, dem Verbraucher klare Anweisungen zu geben, wie der Sattel richtig einzustellen ist, um eine Überlastung des Bewegungsapparates zu vermeiden. Ein zu weit nach vorn oder nach hinten verstellter Sattel beeinflusst den Knie-Beugewinkel und die Stellung der Lendenwirbelsäule, gleiches gilt für eine falsche Einstellung der Höhe des Sattels. Für eine korrekte Sitzhaltung ist auch die Position des Lenkers wichtig. Für ältere Personen und für diejenigen mit Rückenproblemen eignen sich sogenannte Recumbent Bikes (Liegefahrräder), deren bequemer Sitz den Rücken gut stützt und entlastet.

Welche Risiken birgt das Training aus orthopädischer Sicht?

Eine Überlastung könnte dann eintreten, wenn über einen längeren Zeitraum oder bei entsprechender Vorschädigung mit zu hohem Widerstand trainiert würde. Dadurch entstehen hohe Druckkräfte insbesondere im Kniegelenk, die zu Beschwerden führen können. Aus orthopädischer Sicht ist es grundsätzlich sinnvoll, mit einem ge­ringeren Widerstand und etwas höherer Drehzahl zu trainieren.

Welche Risiken bestehen aus kardiologischer Sicht?

Für einen gesunden Körper ist das Training mit einem Fahrradergometer positiv zu sehen, sofern Überlastungen durch unsachgemäßes Training ver­mieden werden. Ein guter Parameter dafür ist die Pulskontrolle und das Hören auf die körpereigenen Warnsignale. Da die angezeigten Pulswerte der Trainingscomputer nicht immer exakt sind, sollte man den Puls zusätzlich selbst von Hand messen und mit der Anzeige abgleichen. Warnsignale wie Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl etc. sollte man sehr ernst nehmen.

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?

Sowohl aus orthopädischer Sicht als auch aus kardiologischer Sicht ist eine Abklärung des Trainings mit einem Arzt dringend zu empfehlen, insbesondere beim Wiedereinstieg in das sportliche Training. Der Hausarzt, Sportarzt oder Internist kann bei bestehenden Defiziten eine „Range“ (individueller Herz­frequenzbereich) festlegen, in der das Training für den Patienten gefahrlos ist. Allerdings sind die getesten Modelle keine therapeutischen Geräte. An die werden höhere Anforderungen gestellt.

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