Beim schnellen Ausweichen geraten viele Träger aus der Balance. Nur vier sind gut. Thule ist am besten, Mont Blanc am schlechtesten. Erstmals im Test: Träger, die sich auch für Elektrofahrräder eignen.

Wer einen Fahr­radträger fürs Auto kaufen will, sollte zunächst eine Frage beant­worten: Aufs Dach oder ans Heck? Für einen Dach­träger spricht vor allem der Preis. Nachteile sind die mühevolle Beladung und die hohen Dachlasten, die voll im Fahrt- und Seiten­wind stehen. Das kann zu Sicher­heits­problemen und einem erheblich höheren Sprit­verbrauch führen. Unerläss­lich für einen sicheren Dach­trans­port sind stabile Grund­träger, die mit dem Auto­dach verschraubt sind.

Fahr­radträger für die Anhängerkupp­lung haben einige Vorteile, kosten aber deutlich mehr. Sie sind meist einfach zu montieren, und viele bieten den Rädern einen festen Halt. Die Kupp­lungs­träger zu beladen erfordert keine Gewicht­heberqualitäten, vor allem wenn es eine Auffahr­schiene gibt.

Kofferraum bleibt zugäng­lich

Obwohl die Räder den Kofferraum versperren, ist er zugäng­lich, da der Fahr­radträger weggeklappt werden kann. Der Luft­widerstand wird durch die Heck­last zwar kaum beein­flusst, dennoch ändert sich das Fahr­verhalten durch den verschobenen Schwer­punkt. Großer Nachteil: Bei Nässe werden die Räder ziemlich einge­saut.

Fahr­radträger, die an der Heck­klappe des Autos einge­hakt werden, spielen kaum noch eine Rolle, da sie an vielen modernen Autos nicht mehr angebracht werden können. Sie sind zwar praktisch, können aber auch leicht den Auto­lack beschädigen.

Wir haben zusammen mit dem ADAC Dach­träger und Kupp­lungs­träger untersucht. Sechs Heck­modelle verkraften eine Traglast von 55 bis 60 Kilogramm und können somit auch die schwereren Elektrofahr­räder trans­portieren. Uns interes­sierten vor allem die Hand­habung, der Einfluss auf das Fahr­verhalten und die Sicherheit.

Ob auf der Auto­bahn oder auf einer einsamen Land­straße – es kann immer wieder vorkommen, dass der Auto­fahrer einer Gefahr abrupt ausweichen muss. Um zu prüfen, wie sich das mit zwei Fahr­rädern beladene Auto dabei verhält, haben wir einen Ausweichtest durch­geführt, ähnlich dem berühmten Elchtest. Der Begriff wurde 1997 geprägt, als ein Fahr­zeug der damals neuen Mercedes-A-Klasse bei einem Test in Schweden auf die Seite kippte.

Nach Ausweichmanöver defekt

Holp­rig: Fahr­prüfung auf einer drei Kilo­meter langen Schlecht­wegstrecke.

Umge­fallen sind die Autos bei unserem Elchtest nicht, aber einige Fahr­radträger haben sich bedenk­lich gelo­ckert, und beim Mont Blanc Explorer 2 ist sogar ein Fahr­rad herunter­gefallen. Der Test, bei dem der Fahrer eine Art Slalom fährt, wurde in vier Stufen durch­geführt: mit 70, 75, 80 und 85 Kilo­metern pro Stunde – eine zugegeben harte Prüfung. Deshalb kommen die Heck­träger von Uebler und Twinny Load auch noch mit einem Befriedigend davon. Der Schaden trat hier nicht beim ersten Ausweich­versuch auf, sondern erst bei höheren Geschwindig­keiten. Der Heck­träger von Fabbri war dagegen sofort lose, und bei West­falia brachen die Befestigungen an. Sie wurden deshalb mit Ausreichend bewertet. Alle beim Ausweichen gelo­ckerten Träger müssen von einem Fachmann neu justiert werden. Die Urlaubs­reise ist damit erst­mal unterbrochen. Nur der nachgebende Eufab Raven lässt sich an Ort und Stelle mit einem Schrauben­schlüssel nach­spannen.

Schlaglöcher und Kopf­stein­pflaster

Die Dach­träger haben mit den Ausweichmanö­vern keine Probleme. Auf der Schlecht­wegstrecke, die unter anderem Schlaglöcher und Kopf­stein­pflaster nach­bildet, halten die beiden billigsten die Räder aber nicht optimal. Der Eufab Alu Star und der Mac Safety First schneiden insgesamt zwar noch befriedigend ab, ihre Montage und die Beladung machen aber wenig Vergnügen. Sie eignen sich nur für gelegentliche Fahr­radtrans­porte.

Thule beim Crash vorbild­lich

Auffahr­unfall: Bei den Kupp­lungs­trägern wird dabei die Heck­scheibe zerstört.

Auffahr­unfall: Bei den Kupp­lungs­trägern wird dabei die Heck­scheibe zerstört.

Der Aufprall­test simuliert einen Auffahr­unfall mit 30 Kilo­metern pro Stunde. Nur der Dach­träger Thule Proride 591 hat ihn vorbild­lich bestanden. Die Modelle für die Anhängerkupp­lung schneiden bestenfalls gut ab, da alle bei einem Crash die Heck­scheibe beschädigen (siehe Foto).

Mont Blanc am schlechtesten

Absturz: Beim Mont Blanc Discovery reißen beim Crash die Haltebänder.

Absturz: Beim Mont Blanc Discovery reißen beim Crash die Haltebänder.

Die schlechteste Figur machten die Modelle von Mont Blanc. Beim Kupp­lungs­träger fällt beim Crash ein Fahr­rad herunter. Beim Dach­träger reißen die Felgenbänder, und das Rad wird aus der Halteklammer gerissen. Die spröden Haltebänder des Mont Blanc Discovery sind schon beim ADAC-Test vor zwei Jahren durch­gefallen. Der Anbieter hat in der Zwischen­zeit offen­bar nicht nachgebessert.

Auch durch Fehler bei der Montage können fatale Folgen eintreten. Zum Beispiel, wenn bei den Kupp­lungs­trägern von Fabbri und Twinny Load die Leuchten falsch montiert werden. Dann kann es passieren, dass das Auto links blinkt, aber rechts abbiegt. Beim billgen Mac Safety First ist die Verwechs­lung einiger Teile bei der Erst­montage geradezu programmiert.

Die Klemm­kraft zum Befestigen des Trägers auf der Anhängerkupp­lung lässt sich bei Thule und Mont Blanc leicht verstellen. Damit besteht die Gefahr, dass Nutzer die Klemm­kraft aus Bequemlich­keit verringern. Das kann böse Folgen haben, denn der Träger sitzt dann nicht richtig fest. Besser ist es, wenn die Kraft genau einge­stellt und nur mit Werk­zeug veränder­bar ist.

Tipps: Wer sich für einen Dach­träger entscheidet, muss auf ordentliche Grund­träger achten. Der Fahr­radträger kommt ja nicht direkt aufs Auto­dach, sondern wird auf einem Grund­träger befestigt. Der sollte am besten am Dach verschraubt sein. Beachten Sie die maximale Dachlast des Autos und die veränderte Höhe. Ein Aufkleber im Auto kann daran erinnern.

Beachten Sie bei Kupp­lungs­trägern die Stützlast und den D-Wert – die Dauer­festig­keit gegen Kraft­einwirkungen. Die Kupp­lungs­kugel sollte sauber und fett­frei sein. Über­prüfen Sie vor Fahrt­antritt die Funk­tion der Lichter, manchmal können sie vertauscht werden. Nach etwa 50 Kilo­metern sollten Sie Schrauben und Gurte kontrollieren und nach­ziehen – bei jedem Träger.

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