Ganz schön gefährlich, der Fahrradtransport auf dem Autodach: Beim Crashtest flogen die Räder samt Trägern gleich reihenweise herunter. Im Ernstfall ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Besser hielten sich Heck- und Kupplungsträger.

Rrrumms. Am Steuer seines Wagens ­ hörte test-Leser Werner K. aus Berlin plötzlich ein lautes Scheppern, dann stürzte etwas Metallenes krachend und polternd auf das Wagendach. Schreck, lass nach: Werner K. hatte das Fahrrad über seinem Kopf vergessen und wurde beim Abtauchen ins Parkhaus unsanft an die begrenzte Höhe der Einfahrt erinnert. Zu spät.

Was hier aus purer Vergesslichkeit einen Schaden provozierte, kann aber auch sonst Probleme bereiten. Wer sein Fahrrad auf dem Wagendach seines Autos transportiert, muss allerlei Unbill in Kauf nehmen: Auf- und Abbau sind umständlich, das Fahrverhalten verschlechtert sich, der Spritverbrauch steigt und ganz sicher sind die Räder hoch droben auch nicht aufgehoben.

Dachträger: Die Wackligen

Bei einer Reihe von schweren Unfällen auf den Autobahnen im vergangenen Jahr spielten Fahrräder, die von Autodächern gefallen waren, eine entscheidende Rolle. Die Gefahren für die Verkehrssicherheit bestätigten sich in unseren Prüfungen. Im normalen Fahrbetrieb und selbst bei Vollbremsungen gab es mit den Dachträgersystemen zwar kaum Probleme. Doch beim simulierten Auffahrunfall im Labor mit 30 Stundenkilometern änderte sich das schlagartig: Die an den Dachbolzen des Golf eingerasteten Halter, ob Bohrungen oder Haken, rissen oder bogen sich durch die Wucht des Anpralls auf, und die Dachlast ging dadurch in den Sturzflug. Beim Audi A 6 rutschte der Träger mitsamt den Rädern einfach vom Dach.

Allerdings waren es nicht die eigentlichen Fahrradträger, die versagten, sondern die Grundträger, auf denen die Aufsätze für den Radtransport befestigt werden, hielten dem Aufprall nicht stand. Sämtliche Grundträger kassierten deshalb das Qualitätsurteil „mangelhaft“.

Ohne einen Basisträger lassen sich die Fahrradträger zwar gar nicht erst montieren, aber es muss durchaus nicht ein Grundträger der gleichen Marke sein, auf die der eigentliche Fahrradhalter kommt. Mit verschiedenen Adaptern lassen sie sich auch auf ganz anderen, möglicherweise schon vorhandenen Basisträgern festmachen. Aus diesem Grund haben wir auch zwei getrennte test-Qualitätsurteile für Grundträger und Fahrradträger vergeben.

Bei den eigentlichen Fahrradträgern unseres Testfelds machten die beiden Dachträger mit Lifteinrichtung die beste Figur. Das „Lift“ im Namen der beiden zeigt, was diese Modelle können: Beim Atera Bike Lift sorgt ein schwenkbarer Hebelarm dafür, dass sich die maximal zwei Fahrräder eins nach dem anderen ganz bequem per Servounterstützung vom Boden auf den Träger hieven lassen. Auch der Unitec Dachlift macht es dem Autofahrer leichter, sein Rad aufs Dach zu bekommen: Bequem in Hüfthöhe beladbar, schwenkt der komplette Träger für ebenfalls maximal zwei Fahrräder nach oben und transportiert sie – anders als alle anderen – auf dem Autodach übereinander liegend durch die Landschaft. Das bringt neben der Höhenersparnis auch eine etwas günstigere Schwerpunktlage beim Fahren.

Außerdem kommt man bei den „liegenden“ Rädern wohl auch weniger in Versuchung, alle möglichen Teile, die sich während der Fahrt lösen können, am Fahrrad zu belassen. Luftpumpen, Trinkflaschen, Packtaschen, Einkaufskörbe oder Kindersitze gehören in den Kofferraum, keinesfalls aber aufs Autodach. Unbedingt zu beachten ist auch die höchstzulässige Dachlast (steht in der Betriebsanleitung). Bei Heck- und Kupplungsträgern ist dafür zu sorgen, dass Kennzeichen und Leuchten nicht verdeckt sind. Für den sicheren Transport trägt der Kraftfahrer die Verantwortung. Dazu gehört auch, mit Rädern auf dem Dach nicht schneller als höchstens 130 Stundenkilometer zu fahren, auch wenn kein Tempolimit angegeben ist.

Kupplungsträger: Die Standfesten

Sehr viel unproblematischer als die Dachträger sind die getesteten Heck- und Anhängerkupplungs-Fahrradträger. Der Transport auf der Kupplung ist prinzipiell die erste Wahl, um Fahrräder mit dem Auto zu transportieren. Für Automobilisten aber, die den stählernen Bürzel nicht schon am Fahrzeugheck haben, verteuert sich der Fahrradtransport um die Kosten für den Einbau der Anhängevorrichtung (etwa 500 Euro). Bei Preisen von teilweise über 500 Euro für den Träger wird die sicherste damit aber auch zur teuersten Lösung.

Überzeugen konnten aber nur drei der sieben geprüften Träger für die Anhängerkupplung. Vor allem die Kreis- und Slalomfahrten stellten die anderen vier vor Probleme. Die wurden zwar nicht bedrohlich, machten die Unterschiede zu den besseren Trägern aber doch deutlich. Bei den mit „befriedigend“ benoteten Modellen lockerten beziehungsweise öffneten sich teilweise die Spanngurte oder Felgenspannbänder. Teilweise schlug der Träger rechts und links am Fahrzeug an.

Die besten Urteile fuhren AL-KO Bike Pack, Twinny Load Quattro und Thule Euro Classic ein. Weder bei der Vollbremsung aus 80 Stundenkilometern, noch im Kreis bei Lastwechseln (Gas wegnehmen beziehungsweise Gas geben) aus 55 oder beim Wedeln mit 50 Stundenkilometern gaben sie sich eine Blöße. Nur beim Twinny schwankten die Räder im Kreisverkehr, was zwar unschön ist, aber nicht weiter problematisch war.

Ansonsten bietet der Transport auf der Kupplung auch den Vorteil der niedrigen Beladungshöhe und in der Regel einfachen Befestigungsmöglichkeit für die Räder. Um an den Kofferraum oder ins Wageninnere von hinten zu gelangen, lassen sich Kupplungsträger häufig abklappen – auch beladen. So lagen die Anhängerkupplungsträger auch im Prüfpunkt Be- und Entladen vorn. Nur der Dachträger Atera Bike Lift war hier mit einem „Sehr gut“ noch besser.

Heckträger: Die Vielseitigen

Als relativ billige und im normalen Fahrbetrieb meist auch recht stabile Alternative für eher angejahrte Autos erfreuen sich Universal-Spanngurtsysteme fürs Autoheck großer Beliebtheit. Vertreter dieser Gattung im Test ist der Unitec Professional. Mit Spannbändern und Polsterrollen wird er an der Heck- oder Kofferraumklappe festgezurrt und stützt sich bei Stufenhecklimousinen am Kofferraum oder Stoßfänger ab.

Diesen durchaus akzeptablen Universalträger mit einer Kapazität für drei Räder gibt es schon für 40 Euro. Der Unitec Professional ist zwar nur Durchschnitt (test-Qualitätsurteil „befriedigend") und hatte auch gewisse Schwierigkeiten beim Spurwechseltest – aber immerhin.

Trotzdem gilt: Besser als die universellen Heckträger sind für den entsprechenden Fahrzeugtyp maßgeschneiderte Modelle – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie schonender mit der Rückfront der Karosserie umgehen. Thule Backpac 973 und Paulchen Kit Golf IV sind auf den Golf IV abgestimmt. Sie werden mit speziellen Befestigungssätzen und stabilen Hal­teklammern an der Heckklappe verschraubt. Thule Backpac zeigte sich Paulchen Kit vor allem in der Handhabung überlegen und kostet mit 344 Euro 35 Euro weniger als der Konkurrent.

Beim Aufpralltest im Labor blieben alle Heckträger an der Heckklappe des Golf und gefährden somit nicht andere Verkehrsteilnehmer durch unkontrollierten Absturz. Die durch den Aufprall verursachten Schäden an Heckklappe oder Dachpartie können aber erheblich sein.

„Legen Sie alle Einzelteile aus dem Karton auf einen Tisch oder den Boden. Setzen Sie die Adapterschraube in das Gewindeloch ...“ – nach dem Kauf eines Fahrradträgers wartet eine Menge Arbeit auf den Laien: Teilweise Dutzende von Einzelteilen muss er richtig zusammenbauen und anschließend korrekt mon­­tieren. Aber oft sind die Anleitungen nicht sonderlich hilfreich, was neben anderen Faktoren auch eine Quelle für Fehlmontagen sein kann. Die Testerin unter unseren fünf Prüfpersonen kapitulierte vor Paulchen, dem Heckträger: Nach mehr als zwei Stunden vergeblicher Versuche überließ sie das nervige Puzzle einem versierteren Kollegen.

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