Tret­lager­schaltung: Optimaler Schwer­punkt

Immer beliebter sind Schalt­getriebe fürs Fahr­rad, die im Tret­lager­gehäuse unterge­bracht sind. Sie machen den Austausch defekter oder verschlissener Laufräder leichter. Außerdem sitzen sie an der tiefst­möglichen Stelle in der Fahr­radmitte und sorgen so für eine Verbesserung von Schwer­punkt und Gewichts­verteilung.

Funk­tions­weise

Tret­lager­schaltungen weisen sehr unterschiedliche Funk­tions­weisen. Manche werden in vorhandenes Tret­lager­gehäuse gesetzt werden und können dann beispiels­weise mit Ketten- und Naben­schaltungen kombiniert werden. Andere Konzepte benötigen spezielle Rahmen und haben ein komplexes Innenleben, wie beispiels­weise die Pinion.

18-Gang-Schaltung von Pinion

Derzeitiger Höhe­punkt der tech­nischen Entwick­lung ist die 18-Gang-Schaltung von Pinion. Sie ist fein abge­stuft und hat dennoch eine gewaltige Band­breite. Allerdings wird sie nur in teuren Edel-Fahr­rädern verbaut, die weit über 3 000 Euro kosten. Seit kurzem gibt es allerdings auch preis­wertere Tret­lager­getriebe-Varianten mit weniger Gängen, die in Mittel­klasse-Rädern zum Einsatz kommen (siehe Tabelle Nabenschaltungen) Nachteil aller Tret­lager­getriebe mit mehr als zwei Gängen: Sie benötigen einen speziell konstruierten Fahr­radrahmen.

Tabelle: Tret­lager­schaltungen im Über­blick

Unsere Tabelle zeigt alle auf dem deutschen Markt erhältlichen in Groß­serie hergestellten Modelle.

Typ

Zahl der nutz­baren Gänge

Über­setzungs­band­breite
(in %)

Größter Über­setzungs­sprung
(in %)1

Gewicht
(in Gramm)

Schalter

Besonderheiten

Preis (Euro)

Schlumpf Speed Drive

2 2

165

65

1075 (inkl. Achse, Lagerung, Ketten­blatt­stern, Kurbel, Kettenblatt (46 Zähne)

Mit Ferse schalt­bar

Kettenblätter mit 34/36/38/40 Zähne aus Stahl oder 42/44/46/48/50/52/.... bis zu 75 Zähnen aus Alu möglich; mit Riemen­antrieb und Naben­schaltung kombinier­bar

380-600

Schlumpf High Speed Drive

2 2

250

150

1120( inkl. Kettenblatt und Kurbel)

Mit Ferse schalt­bar

Kettenblätter mit 34/36/38/40 Zähnen aus Stahl oder 42/44/46/48/50/52/.... bis zu 75 Zähnen aus Alu möglich; mit Riemen­antrieb und Naben­schaltung kombinier­bar, auch mit Rück­tritt­bremse verwend­bar

380−600

Schlumpf Mountain Drive4

2 2

−250

−150

1235 (inkl. Kurbel und Kettenblatt

Mit Ferse schalt­bar

Kettenblätter mit 34/36/38/40 Zähne aus Stahl oder 42/44/46/48/50/52/.... (bis zu 75) Zähnen aus Alu möglich; mit Riemen­antrieb, Rück­tritt­bremse und Naben­schaltung kombinier­bar

380−600

Truvativ Hammer­schmidt Free­ride

2

160

60

1787 (mit Innen­lager)

Daumenschalter

Kurbel­armlängen 165, 170 & 175 mm, optimierte Steifig­keit für Free­rideein­satz

360−600

Truvativ Hammer­schmidt All Mountain

2

160

60

1623 (mit Innen­lager)

Daumenschalter

Kurbel­armlängen 170 & 175 mm

450−630

SR Suntour V−Boxx GB10−VB−FR9−BAZ

9

610

47

3000

Drehgriff

spezielle Rahmen notwendig

nicht einzeln erhältlich

Pinion 18

18

634

11

2700

Drehgriff

spezielle Rahmen notwendig, in Rädern ab 3 500 €

nicht einzeln erhältlich

Pinion C.12

12

600

18

2100

Drehgriff

spezielle Rahmen notwendig, in Rädern ab 1 500 €

nicht einzeln erhältlich

Pinion C1.9

9

568

k.A.

2000

Drehgriff

spezielle Rahmen notwendig, für Pedelecs

nicht einzeln erhältlich

Pinion C1.6

6

295

k.A.

1800

Drehgriff

spezielle Rahmen notwendig, für Pedelecs & Cargobikes

nicht einzeln erhältlich

Kapp­stein Doppio

1

157

57

735

Spezieller Daumendrehgriff

450

    k.A. keine Angabe

    • 1 Kombinier­bar mit Ritzelpaket nach Wahl
    • 2 Unterset­zung, deshalb negative Werte

    Riemen statt Kette

    Ebenfalls im Trend sind Räder, die mit einem Riemen angetrieben werden. Sie sind durch die größere Verbreitung auch nicht mehr so teuer und finden auch in Alltags­rädern Einzug. Vor allem zwei Anbieter buhlen um den Kunden: das US-Unternehmen Gates mit Carbon Drive und ContiTecs Conti Drive System (CDS) mit dem Mutter­konzern Continental im Rücken. Die Riemen unterscheiden sich im Aufbau und Material­zusammenset­zung.

    Funk­tions­weise: Der Riemen besteht aus einem Kunststoff (Polyurethan), in denen Carbon- oder Aramidfasern einge­lagert sind. Der kreisförmige Riemen ist mit Zähnen ausgestattet und greift in eine Riemenscheibe und ein entsprechendes Ritzel. Durch ein Schloss am Rahmen wird der Riemen auf die Riemenscheibe gezogen.

    Vorteile:

    • Riemen­antriebe sind geräusch­arm und kommen praktisch ohne Wartung aus.
    • Riemen sind sehr viel länger halt­bar als Ketten, zudem müssen sie nicht geschmiert werden. Nach einer Matsch­fahrt reicht es, sie mit einem Tuch zu reinigen.
    • Die Riemen sollen laut Anbieter bis zu 20 000 km Lauf­leistung bieten.

    Nachteile:

    • Die Riemen sind vergleichs­weise teuer (ab 80 Euro)
    • Sie sind je nach System unterschiedlich halt­bar.
    • Der Riementrieb ist - wenn eine Schaltung gewünscht wird - nur mit einer Naben­schaltung kombinier­bar.
    • Ein Nach­rüsten ist nicht möglich, man braucht einen speziellen Fahr­radrahmen, der sich öffnen lässt, damit der Riemen über­haupt aufgezogen werden kann.
    • Die Riemen müssen pfleglich behandelt werden. Sie dürfen beispiels­weise nicht geknickt oder einge­drückt werden.
    • Auf eine exakte Spannung ist zu achten. Das früher zu beob­achtende Abrutschen des Riemens ist bei den neuen Modellen mit Führungs­steg allerdings nicht mehr zu finden.
    • Ein ange­schlagener Riemen muss voll­ständig getauscht werden – während man bei einem Kettenriss einfach das schadhafte Glied entfernt oder austauscht.
    • Geräusche bei falscher Einstellung sind nur schwer selbst beheb­bar so dass das Rad in die Werk­statt muss.

    Anwendungs­bereich:

    Riemen­antrieb wird häufig mit einer Tret­lager­schaltung kombiniert. Da spielt das System seine Vorteile aus. Aber auch jede gute Naben­schaltung lässt sich heut­zutage mit einem Riemen­antrieb kombinieren.

    Preise:

    Ein Riemen ist mit Preisen ab etwa 80 € deutlich teurer als eine herkömm­liche Kette. Allerdings gibt es auch bei Ketten deutliche Preis­unterschiede. Der Preis relati­viert sich wieder, wenn man bedenkt, dass ein Riemen im Normalfall vier bis fünf Kettenleben hält. Ein Rad mit einem Riemen­antrieb verteuert sich um etwa 200 Euro. Darin enthalten sind bereits die Mehr­kosten für den besonderen Rahmen.

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