Fahr­rad

Federung: Der Klügere gibt nach

Fahr­rad - Das große Technik-Special
Eine Federgabel und breite Reifen bieten Fahr­komfort auf schlechten Wegen. © www.haibike.de / pd-f, lefti.at

Jedes Fahr­rad federt. Selbst massives Stahl­rohr federt unter Belastung nach. Wir erklären, welche Typen es gibt und wie sie funk­tionieren.

Inhalt

Federung hat Vor- und Nachteile

Mit verschiedenen Techniken haben die Hersteller immer wieder versucht, das Fahr­radfahren komfort­abler zu machen. Gebräuchlich sind heute vor allem:

  • breitere Reifen
  • Federgabeln am Vorderrad
  • voll­gefederte Rahmen, vor allem an Mountain­bikes
  • federnde Sattel­stützen
  • gefederte Vorbauten

Dabei ist mehr Komfort durch­aus ein zwei­schneidiges Schwert. Einer­seits macht eine Federung am Fahr­rad die Fahrt angenehmer. Boden­unebenheiten, Stöße und Schläge von der Fahr­bahn oder Hinder­nissen werden abge­mildert und erreichen den Fahrer weniger stark. Anderer­seits schluckt jede Federung etwas von der Antriebs­kraft, die der Fahrer auf die Pedale bringt.

Komfort und Rahmenmaterial

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Komfort lässt sich schon mit breiten Reifen erreichen © www.schwalbe.com

Schon bei der Material­auswahl kann man sich für mehr oder weniger Komfort auf dem Fahr­rad entscheiden.

Stahl­rahmen sind etwas elastischer als Aluminium- oder Carbon­rahmen. Stahl gibt nach, ist relativ bieg­sam und vermittelt alleine dadurch schon etwas Komfort. In Kombination mit einem breiteren Reifen, etwa ab 32 Milli­metern, reicht dieser Fahr­komfort in der Stadt völlig aus. Wer nicht permanent schlechte Feld- und Wald­wege befährt, ist mit einer solchen Kombination besser bedient als mit einer billigen Federgabel.

Aluminium­rahmen sind beinhart, hier lohnen sich Feder­systeme am meisten. An besseren Alu-Fahr­rädern sind die Gabeln aus Carbon – das macht sich im Fahr­komfort an den Händen bemerk­bar.

Carbon ist komfort­abler als Aluminium, die Rahmen dämpfen feine Fahr­bahn­unebenheiten ganz gut ab.

Titan ist ein weiches Material und verleiht etwas Fahr­komfort. Allerdings ist es auch wegen der aufwendigen Herstellung am teuersten.

Sattel­stützen und Vorbauten

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Bequem, wippt aber etwas nach vorne und hinten: eine Parallelogramm-Sattel­stütze. © www.cosmicsports.de | pd-f

Auch Sattel­stützen tragen zu einer spür­baren Verbesserung des Fahr­komforts bei. Die üblichen Stützen aus Aluminium sind sehr hart. Besser sind schon Carbon­stützen – sie dämpfen leicht, aber spür­bar Fahr­bahn­unebenheiten.

Wer es noch bequemer haben will, der greift zu einer gefederten Sattel­stütze. Am Markt dominieren zwei Varianten:

  • Teleskopsattel­stützen: Hier sitzt eine Feder im Sattel­rohr, die Stütze federt senkrecht ein.
  • Parallelolgramm-Sattel­stützen: Hier verschiebt sich die Sitz­fläche beim Einfedern nach vorne und hinten, sie „wippt“ etwas. An dieses unge­wohnte Fahr­gefühl muss sich mancher erst gewöhnen.

Hand­gelenke schonen

Gefederte Vorbauten, die es zum Nach­rüsten gibt, sorgen für mehr Fahr­komfort. Sie halten Stöße vom Lenker etwas ab und schonen die Hand­gelenke. Sogar an Renn­rädern gibt es Federungen für den Lenker­bereich. Die Systeme sind im Steuer­rohr unterge­bracht und mildern Fahr­bahn­stöße mit einem Federweg von rund zwei Zenti­metern ab.

Was Federgabeln leisten

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Eine Federung am Fahr­rad hat verschiedene Vorteile. © picture alliance / dpa

Federgabeln ermöglichen es dem Vorderrad, Fahr­bahn­unebenheiten auszugleichen und die sonst mit ihnen verbundene Erschütterung vom Fahrer fern­zuhalten. Die meisten Federgabeln bestehen aus ineinander gesteckten Rohren, die gegen­einander federn. Tech­nisch sind die Unterschiede dennoch gewaltig. Die Konstruktionen reichen von einfachen Stahlfedern über Kunststoff-Elastomere bis hin zu aufwendigen und kost­spieligen Konstruktionen mit verstell­barer Gasfederung und Öldämpfung (mehr im Kapitel Fahrradgabel).

Komplexe Anforderungen

Federgabeln sollen so leicht wie möglich sein, so exakt wie möglich einfedern und sofort wieder in die Ausgangs­position zurück­federn ohne nach­zuwippen. Um in ebenem Gelände oder bei Berg­auffahrt keine unnötige Kraft zu verlieren, lassen sich viele Federgabeln vom Lenker aus während der Fahrt blockieren („Lock­out“).

Individuell einstell­bar

Luft­federgabeln werden am häufigsten verbaut. Bei ihnen kann man die Härte mit einer Luft­pumpe einstellen. Daneben gibt es ölgefederte Gabeln. Auch sie kann man sehr gut justieren.

Geländetauglich

Die größten Federwege haben Free­ride- und Downhill-Räder, die speziell für artistische Sprünge und Abfahrten im Gelände konstruiert sind.

Voll­federung am Mountain­bike

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Ein modernes „Fully“ mit Viergelenkfe­derung. © www.haibike.de | pd-f

Vorder- und Hinterradfederung zusammen findet man haupt­sächlich an Mountain­bikes. Man nennt diese Bikes Fullys. Bei Geländerädern ist eine Federung natürlich besonders sinn­voll. Fullys ermöglichen waghalsigen Abfahrten. Die Ingenieure wenden viel Fantasie auf, um die Gelenk- und Hebel­systeme zu optimieren. Der Einbau einer Federung bedeutet aber auch immer, dass das Fahr­rad schwerer wird. Ob man wirk­lich eine Federung braucht, hängt vom Einsatz­zweck ab.

Drei Federungs­systeme für das Hinterrad

Einge­lenk-Hinterbauten. Der Hinterbau, der das Rad führt, ist mit nur einem Gelenk am Tret­lager befestigt. Die Federung spricht sensibel an, das Fahr­rad ist aber nicht so seiten­steif wie ein ungefedertes Modell. Wartungs­arm.

Mehr­gelenk-Hinterbauten. Sie haben mindestens ein zweites Gelenk und sind etwas wartungs­intensiver.

Viergelenk-Hinterbauten. Eine aufwendige, aber mitt­lerweile sehr verbreitete Konstruktion mit einem speziellen Dreh­punkt an der Ketten­strebe. Dadurch federt das Hinterrad ziemlich senkrecht ein. Das System ist sehr stabil, die Abstimmung erfordert etwas Know-how.

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36 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

minellikari am 09.05.2021 um 13:21 Uhr
Es ist Geschmacksache. Mein Geschmack: Nabenmotor

Persönlich würde ich meinen Nabenmotor nicht gegen einen Mittelmotor eintauschen. Auch nicht bergauf (ich wohne in einer Stadt in den Voralpen, es ist nirgends flach).
Namentlich die Aussage im Beitrag: "das Fahr­gefühl ähnelt sehr stark dem bei einem konventionellen Fahr­rad" kenne ich selbst nur vom Nabenmotor, und nicht von den Mittelmotoren, die ich bis jetzt getestet habe. Ich kenne natürlich nicht alle. Jene Vielfahrer e-Biker, die ich kenne, die täglich bis zu 60km fahren, sind alle auf Nabenmotoren umgestiegen und wollen nicht mehr zurück.
Was ich übrigens nicht zu vernachlässigen finde, ist die Energierückgewinnung. Ich habe oft gelesen, sie nütze wenig.Mir hilft sie zu geschätzt 20-30% mehr Reichweite, natürlich nur im unebenen Gelände. Und gezielt eingesetzt. Es geht dann halt weniger flott bergab...
PS: Bitte keine überbordenden Emotionen in den Antworten. Es geht ja auch freundlich, sachlich und unpersönlich 👍 🤗

B.Klaas am 16.03.2021 um 09:53 Uhr
Strix.Aluco Kommentar hilfreich

Wie kann man bei einem Kommentar (Strix.Aluco) auf „Daumen hoch“ klicken, wenn man versehentlich „Daumen runter“ berührt hat?

Profilbild Stiftung_Warentest am 08.09.2020 um 10:42 Uhr
Sachlicher, respektvoller Tonfall

@alle: Bitte zeigen Sie Respekt gegenüber Mitdiskutierenden. Auch wenn Sie sich einmal ärgern sollten, freuen sich die Angesprochenen und Mitlesenden über einen höflichen Umgang und den auf test.de üblichen, sachlichen Tonfall. (maa)

Niko23 am 31.08.2020 um 17:11 Uhr
Schwerpunktstreit Stephan 2017

Hallo Stephan,
daß ein schwererer Heckmotor besser für die Balance des Fahrers samt Rad sorgen soll als ein tiferer, sogar leichterer Mittelmotor, ist ja ein erstaunlicher Irrglaube. Welcher Physiker-Sekte gehörst du bitte an?
Mein Testaufbau:
Häng doch mal bitte 2 schwere, volle also insgesamt 30 kg schwere Packtaschen hinten ans Rad dran und dann viel Vergnügen bei plötzlichen Richtungswechseln! Das Vorderrad ist nämlich nun viel zu leicht und der Schwerpunkt ist zu weit hinten!
Genau diesem Effekt wirkt der Mittelmotor natürlich entgegen.
Amen!

Niko23 am 31.08.2020 um 16:51 Uhr
Counsel hat Unrecht und ist fachlich inkompetent

Was Counsel da in unsicherem Deutsch empört jammernd ablässt ist für mich technisch absolut unbegründeter Unsinn eines technischen Laien.
Meine 2000er BMW hat jedenfalls einen Boxer-Mittelmotor, ganz unten,...haar genau wie ein echter Porsche: da sitzt er hinter den Frontsitzen, aber VOR der Hinterachse.
Ist doch auch logisch, wegen der günstigeren Gewichtsverteilung und dem möglichst niedrigen Schwerpunkt natürlich.
Kleine Anekdote: Neulich stürzte direkt vor mir eine Dame mit E-Bike hart aufs Pflaster, der schwere Akku war dummerweise auf dem Hinterradgepäckträger deponiert, und sie kam beim Überholen nicht mehr auf den gepflasterten Radweg zurück, da eine kleine 3 cm Bordsteinkante dieses verhinderte und ihr eingeschlagener Winkel des Vorderrades war leider zu gering.
Sie kam also deshalb ins Schleudern und konnte, dank des zu hohen Schwerpunktes ihres für Sie offenbar zu schweren E-Rades, dasselbe nicht mehr abfangen und klatsche vor mir voll aufs Mett.
Mein Beileid!