Fahr­rad

Fahr­radbremsen: Alternativen zum Rück­tritt

Fahr­rad - Das große Technik-Special
Felgenbremsen sind weit verbreitet und wartungs­freundlich. © picture alliance / dpa Themendienst

Für Verzögerung an Fahr­rädern sorgen vor allem Felgenbremsen, aber auch Scheiben- und Nabenbremsen sind gebräuchlich. Zu letzteren zählen Trommel- und Rollenbremsen – und die gute alte Rück­tritt­bremse. test.de erklärt die Eigenheiten der verschiedenen Bremsen­typen und nennt deren Vor- und Nachteile.

Inhalt

Felgenbremsen – leichte Wartung, hoher Verschleiß

So funk­tioniert es: Bei Felgenbremsen drückt eine Brems­zange zwei Gummis auf die Brems­flächen der Felge. Die sind meist aus Aluminium, was eine gute Reibung garan­tiert. Betätigt werden die Bremsen per Seil­zug oder hydrau­lisch. Das funk­tioniert bestens, auch bei höchsten Geschwindig­keiten bringt man damit ein Fahr­rad schnell zum Stehen. Voraus­setzung: Die Brems­gummis müssen passend anliegen und der Seil­zug muss geschmeidig laufen.

Vorteile

Nachteile

einfach

nur mäßige Brems­wirkung bei Nässe

preis­wert

die Brems­flanke am Laufrad verschleißt, irgend­wann ist ein neues Laufrad fällig.

wartungs­freundlich

Verschleiß­indikatoren

Gute Laufräder haben Verschleiß­indikatoren auf ihrer Brems­fläche. Daran kann man die Abnut­zung der Felge erkennen. Im normalen Alltags­betrieb hält ein Laufrad nahezu ewig, bei stärkerer Bean­spruchung kann es schon mal nach 25 000 bis 30 000 Kilo­metern „durch­gebremst“ sein. An Carbon-Laufrädern werden spezielle Brems­klötze benötigt. In Härtetest zeigt sich immer wieder, dass die Brems­flächen so heiß werden können, dass sie Blasen bilden und das Rad unfahr­bar wird. Scheibenbremsen an Carbon-Laufrädern beseitigen dieses Problem.

Diese Typen von Felgenbremsen gibt es

Seiten­zugbremsen (Pivot / Dual Pivot). Sie sind klein, leicht und wirkungs­voll und daher die typischen Renn­radbremsen. Ein exzen­trisch gelagerter Brems­arm verteilt den Brems­druck gleich­mäßig auf beide Arme.

Tipp:Achten Sie darauf, dass die Halterungen für die Brems­gummis („Brems­schuhe“) aus Metall sind, das verbessert die Wirkung. Die Brems­gummis lassen sich austauschen. Probieren Sie unterschiedliche Gummi-Arten aus

Cantile­verbremsen. Hier sind die Brems­arme an den beiden Sitz­streben befestigt, dafür sind spezielle Sockel am Rahmen nötig. Die Brems­arme sind über einen Seil­zug miteinander verbunden. Die Wirkung ist sehr gut, man findet diese Bremsen vor allen an Mountain­bikes und Cyclocross­rädern, also geländegängigen Renn­rädern.

V-Bremsen. Ähneln den Cantile­verbremsen, haben aber anstelle des verbindenden Seil­zugs ein stabiles Metall­röhr­chen. Dieses gibt beim Bremsen nicht nach, wodurch die Brems­wirkung etwas besser ist als bei Cantile­verbremsen. V-Bremsen sind oft bei sport­lichen Rädern oder Fitness­bikes verbaut.

Hydrau­lische Felgenbremsen. Funk­tionieren über Öldruck und sind damit etwas wirk­samer als die per Seil­zug betätigten Felgenbremsen. Sind aber auch etwas schwerer.

Nabenbremsen – gut bei Nässe, stressig für Speichen

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Trommelbremse an einem Holland­rad © picture alliance / dpa Themendienst

So funk­tioniert es: Beim Bremsen wird eine Reibefläche aus Metall gegen die Innenwand der Nabe gepresst. Trommelbremsen, wie man sie bei Holland­rädern am Vorderrad findet, funk­tionieren genauso.

Vorteile

Nachteile

unempfindlich gegen die Witterung

schlechter zu dosieren als Felgenbremsen

kein Verschleiß tragender Bauteile

Über­hitzungs­gefahr: Bei langen Abfahrten kann die Nabe heiß­laufen und das Schmier­fett in den Lagern schmelzen und heraus­laufen

Diese Typen von Nabenbremsen gibt es

Rück­tritt­bremsen. Vor allem bei älteren Radlern nach wie vor beliebt. Wird die Kurbel ein Stück rück­wärts gedreht, presst sich in der Hinterradnabe ein Metall­konus ins Naben­gehäuse und erzeugt die Verzögerung.

Vorteile

Nachteile

Auch für ungeübte Radfahrer einfach zu bedienen.

tech­nisch veraltet

wenig wirkungs­voll und oft schwer zu dosieren

Über­hitzungs­gefahr bei langeren Berg­abfahrten

Trommelbremsen. Haben meist spezielle Brems­beläge. Man findet sie an Holland­rädern und vielen Citybikes. Sie sitzen im Vorderrad und werden über Seilzüge bedient. Die Brems­beläge werden von innen gegen eine Metall­trommel gedrückt.

Vorteile

Nachteile

Unabhängig von Witterungs­einflüssen

Nicht geeignet für starke Berg­abfahrten oder den Trans­port großer Lasten.

Wirkung lässt auch bei Nässe nicht nach

Vergleichs­weise geringer Verschleiß

Rollenbremsen. Die Brems­beläge werden wie bei der Trommelbremse von innen gegen eine Metall­trommel gedrückt. Bei Rollenbremsen reibt Metall auf Metall. Die entstehende Hitze wird über spezielle Kühlkörper abge­führt.

Vorteile

Nachteile

Verschleißen lang­samer als Trommelbremsen

Bremsen sind recht schwer und werden bei langen Abfahrten sehr heiß.

Brems­leistung ist witterungs­unabhängig

Wartungs­arm: Wasser und Schmutz können kaum eindringen.

Scheibenbremsen – gut dosier­bar

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Scheibenbremse mit Brems­sattel an einem Hinterrad. © www.pd-f.de / Gunnar Fehlau

Seit einigen Jahren sind Scheibenbremsen an Alltags­rädern auf dem Vormarsch. Sie werden mecha­nisch per Seil­zug oder hydrau­lisch mit Öldruck betätigt.

Hinsicht­lich der Wirkung nehmen sich beide System kaum etwas. Die Hydraulik ist eleganter und einen Tick wirkungs­voller. Für die Entlüftung der Öldruck­leitungen ist aber etwas Geschick erforderlich, die Brems­beläge selbst sind einfach zu wechseln. Der Durch­messer der Brems­scheiben sollte mindestens 160 Milli­meter betragen – ansonsten werden die Scheiben bei großer Bean­spruchung zu heiß und können ihren Dienst versagen.

Bei den Brems­belägen gibt es metallische und organische Varianten. Die metallischen Beläge gelten als härter und lang­lebiger. Organische Beläge bestehen aus verschiedenen Harzen und bremsen etwas weicher.

So funk­tioniert es: Ein Brems­sattel drückt beidseitig auf eine Scheibe, die sich rund um die Fahr­radnabe befindet. Die Löcher in der Scheibe führen dazu, dass durch den bei Scheibenbremsen üblichen hohen Flächen­press­druck Wasser schnell abge­leitet werden kann.

Vorteile

Nachteile

wirken besser und sind leichter dosier­bar als Felgenbremsen

etwas schwerer als Felgenbremsen

sprechen bei Nässe besser an

aufwendige Wartung (Entlüftung)

Bremsen führt nicht zu Verschleiß des Laufrads

Nach­rüstung nicht möglich

leicht bedien­bar

Scheibenbremsen mit Anti-Blockier-System (ABS)

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ABS-Steuerungs-Box an einem Fahr­rad. © www.flyer-bikes.com | pd-f / Thomas Knecht

Seit 2019 bieten verschiedene Anbieter ABS-Systeme für Scheibenbremsen an Fahr­rädern an. Sensoren am Vorder- und Hinterrad reduzieren im Zusammen­spiel mit einer elektronischen Steuer­einheit am Lenker die Brems­kraft, sobald die Räder zu blockieren drohen. ABS gilt vor allem bei schnel­leren S-Pedelecs als sinn­volle Ausstattung, da es hilft, Stürze zu vermeiden.

Vorteile

Nachteile

feine Dosierung der Brems­wirkung

aufwendige elektronische Steuerung

erhöhte Sicherheit auf nasser Fahr­bahn und bei plötzlichem Bremsen

Risiko Über­schlag

Für alle Fahr­radbremsen gilt: Sie dürfen weder zu viel noch zu wenig bremsen. Je geringer die Brems­wirkung, desto länger der Bremsweg und desto höher das Risiko von Zusammen­stößen. Ebenfalls gefähr­lich: Wenn die Vorderrad-Bremse zu hart zupackt. Dann blockiert das Rad, und Rad wie Fahrer über­schlagen sich. Gefahr droht vor allem, wenn plötzlich ein Hindernis auftaucht und der Fahrer den Brems­hebel in Panik mit aller Kraft zieht. ABS-Systeme für Scheibenbremsen gibt es zwar, sie werden bislang im Groß­serien­bereich aber noch nicht angeboten.

Break Booster

Neben den seit Kurzem erhältlichen ABS-Scheibenbremsen gibt es sogenannte Break Booster. Sie enthalten ein Feder­element, das über­mäßig starke Brems­hebelkräfte vermeidet. Der Booster ist ein kleines zylindrisches Teil, das in der Nähe des Brems­hebels in die Brems­leitung einge­fügt wird

Brems­leistungs­verlust bei Regen

Ebenfalls wichtig: Bremsen müssen auch bei Nässe zuver­lässig funk­tionieren. Sonst wirds gefähr­lich. Vor allem bei Niesel­regen drohen böse Über­raschungen: So lange die Felge noch feucht ist, muss der Fahrer kräftig bremsen, um die nötige Verzögerung zu erreichen. Ist die Felge trocken­gebremst, nimmt die Verzögerung plötzlich zu. Wenn dann ein Rad blockiert, kann es wegrutschen oder einen Über­schlag verursachen. Scheibenbremsen haben dieses Problem nicht, sie wirken bei Nässe deutlich besser als Felgenbremsen.

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36 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

minellikari am 09.05.2021 um 13:21 Uhr
Es ist Geschmacksache. Mein Geschmack: Nabenmotor

Persönlich würde ich meinen Nabenmotor nicht gegen einen Mittelmotor eintauschen. Auch nicht bergauf (ich wohne in einer Stadt in den Voralpen, es ist nirgends flach).
Namentlich die Aussage im Beitrag: "das Fahr­gefühl ähnelt sehr stark dem bei einem konventionellen Fahr­rad" kenne ich selbst nur vom Nabenmotor, und nicht von den Mittelmotoren, die ich bis jetzt getestet habe. Ich kenne natürlich nicht alle. Jene Vielfahrer e-Biker, die ich kenne, die täglich bis zu 60km fahren, sind alle auf Nabenmotoren umgestiegen und wollen nicht mehr zurück.
Was ich übrigens nicht zu vernachlässigen finde, ist die Energierückgewinnung. Ich habe oft gelesen, sie nütze wenig.Mir hilft sie zu geschätzt 20-30% mehr Reichweite, natürlich nur im unebenen Gelände. Und gezielt eingesetzt. Es geht dann halt weniger flott bergab...
PS: Bitte keine überbordenden Emotionen in den Antworten. Es geht ja auch freundlich, sachlich und unpersönlich 👍 🤗

B.Klaas am 16.03.2021 um 09:53 Uhr
Strix.Aluco Kommentar hilfreich

Wie kann man bei einem Kommentar (Strix.Aluco) auf „Daumen hoch“ klicken, wenn man versehentlich „Daumen runter“ berührt hat?

Profilbild Stiftung_Warentest am 08.09.2020 um 10:42 Uhr
Sachlicher, respektvoller Tonfall

@alle: Bitte zeigen Sie Respekt gegenüber Mitdiskutierenden. Auch wenn Sie sich einmal ärgern sollten, freuen sich die Angesprochenen und Mitlesenden über einen höflichen Umgang und den auf test.de üblichen, sachlichen Tonfall. (maa)

Niko23 am 31.08.2020 um 17:11 Uhr
Schwerpunktstreit Stephan 2017

Hallo Stephan,
daß ein schwererer Heckmotor besser für die Balance des Fahrers samt Rad sorgen soll als ein tiferer, sogar leichterer Mittelmotor, ist ja ein erstaunlicher Irrglaube. Welcher Physiker-Sekte gehörst du bitte an?
Mein Testaufbau:
Häng doch mal bitte 2 schwere, volle also insgesamt 30 kg schwere Packtaschen hinten ans Rad dran und dann viel Vergnügen bei plötzlichen Richtungswechseln! Das Vorderrad ist nämlich nun viel zu leicht und der Schwerpunkt ist zu weit hinten!
Genau diesem Effekt wirkt der Mittelmotor natürlich entgegen.
Amen!

Niko23 am 31.08.2020 um 16:51 Uhr
Counsel hat Unrecht und ist fachlich inkompetent

Was Counsel da in unsicherem Deutsch empört jammernd ablässt ist für mich technisch absolut unbegründeter Unsinn eines technischen Laien.
Meine 2000er BMW hat jedenfalls einen Boxer-Mittelmotor, ganz unten,...haar genau wie ein echter Porsche: da sitzt er hinter den Frontsitzen, aber VOR der Hinterachse.
Ist doch auch logisch, wegen der günstigeren Gewichtsverteilung und dem möglichst niedrigen Schwerpunkt natürlich.
Kleine Anekdote: Neulich stürzte direkt vor mir eine Dame mit E-Bike hart aufs Pflaster, der schwere Akku war dummerweise auf dem Hinterradgepäckträger deponiert, und sie kam beim Überholen nicht mehr auf den gepflasterten Radweg zurück, da eine kleine 3 cm Bordsteinkante dieses verhinderte und ihr eingeschlagener Winkel des Vorderrades war leider zu gering.
Sie kam also deshalb ins Schleudern und konnte, dank des zu hohen Schwerpunktes ihres für Sie offenbar zu schweren E-Rades, dasselbe nicht mehr abfangen und klatsche vor mir voll aufs Mett.
Mein Beileid!