Ketten­schaltung: Der Klassiker

Ketten­schaltungen sind die Klassiker unter den Fahr­radschaltungen. Trotz zahlreicher Neuerungen im Bereich Naben- und Tret­lager­getrie­beschaltungen sind sie nach wie vor die am häufigsten am Rad zu findende Schaltungs­art.

Funk­tions­weise

Ketten­schaltungen sind im Prinzip simpel: Vorne stehen bis zu drei und hinten bis zu zwölf unterschiedliche große Ritzel zur Verfügung. Über Schalt­hebel am Lenker kann der Fahrer entweder das so genannten Schalt­werk und/oder den Umwerfer in der Nähe des Tret­lagers steuern. Sie legen die Kette auf das gewünschte Kettenblatt und Ritzel und sorgen so für die passende Über­setzung.

Vorteile

  • Die Ketten­schaltung hat immer noch den besten Wirkungs­grad unter den Antrieben. Jedenfalls, wenn die Kette auch geschmiert ist und möglichst in gerader Linie läuft. Ist die Kette verschmutzt oder durch Abnut­zung gelängt, sinkt der Wirkungs­grad allerdings deutlich.
  • Im Vergleich zu einer Naben­schaltung ist die Ketten­schaltung preis­wert.
  • Ketten­schaltungen arbeiten mit feinerer Abstufung und nur minimalen Reibungs­verlusten. Sie sind trotz der zahlreichen Ritzel etwas leichter als Naben­schaltungen.
  • Die Einzel­teile lassen sich bei Bedarf einfach austauschen. Dadurch lässt sich auch die Abstufung der Gang­schaltung problemlos ändern. Das geht bei Naben­schaltungen gar nicht.
  • Bei einer Ketten­schaltung tritt der Fahrer während des Schaltens einfach weiter in die Pedale. Das ist nicht bei jeder Naben­schaltung möglich.

Nachteile

  • Die oft große Anzahl an Gängen nützt in der Praxis wenig, denn meist sind nicht alle Gänge schalt­bar, zudem gibt es Über­schneidungen.
  • Es kann kein Ketten­schutz angebracht werden.
  • Hoher Verschleiß: Staub und Sand setzen sich zwischen Kette und Ritzel und schleifen sie Stück für Stück ab.
  • Die Kette leidet unter extremen Gang­wechseln. Eine Naben­schaltungs­kette hält deutlich länger.
  • Eine Ketten­schaltung muss gepflegt werden, das gilt nicht nur für die Kette, sondern auch für die Einstellung der richtigen Position von Schalt­werk und Umwerfer.
  • Eigenheiten bei der Bedienung: Damit der Fahrer einen neuen Gang einlegen kann, muss das Hinterrad in Bewegung sein. Ketten­schaltungen schalten nur, während der Fahrer in die Pedale tritt. Große Über­setzungs­sprünge erfordern Zwischen­schritte. Der Versuch im Stand zu schalten, kann zu teuren Schäden führen
  • An Schaltungen mit breitem Über­setzungs­spektrum sind seiten­flexible und schmale Ketten nötig.
  • Bei Schnee und Eis kann die Schaltung komplett versagen, wenn sich Eisklumpen zwischen die Ritzel setzen.
  • Bei Mountain­bikes im harten Geländeein­satz halten die Ketten oft nicht einmal 2 000 Kilo­meter.
  • Spätestens nach Abnut­zung der vierten Kette sind auch neue Ritzel fällig. Das geht bei Vielfahrern ganz schön ins Geld.
  • Ketten­schaltungen lassen sich nicht mit den modernen wartungs­freien Riemen­antrieben kombinieren.

Anwendungs­bereich

Ketten­schaltungen finden sich bei Billigrädern wie auch an Highend-Mountain­bikes. Sie sind immer noch die am meisten verbreitete Schaltungs­variante.

Ketten­schaltungen im Über­blick

Ketten­schaltungen besteht grob aus drei Teilen: der Kette, dem Ritzelpaket am Hinterrad und einem Schalt­werk. Ketten­schaltungen können 5 Gänge haben, aber auch 18 oder 22 Gänge. Üblich sind heute meist 27 Gänge. Möchte man mehr als elf Gänge haben, müssen vorne weitere Kettenblätter montiert werden. Bei einem 27-Gang-Rad sind es drei Kettenblätter und hinten dreht sich ein 9er-Ritzelpaket. Um die Kettenblätter ansteuern zu können bedarf es eines Umwerfers und eines zweiten Schalt­hebels am Lenker. Oft werden Räder mit einer bestimmten Ausstattungs­variante beworben. Führend auf dem Gebiet der Ketten­schaltungen ist der Hersteller Shimano.

Vorsicht: Oft werden Komponenten­gruppen kombiniert und der Anbieter paart beispiels­weise ein Shimano-XT-Schalt­werk mit minderwertigeren Komponenten. Bei Renn­rädern und hoch­wertigen Mountain­bikes sind neben Shimano-Ketten­schaltungen auch solche von Campagnolo, Sram (je bis zu 33 Gänge) und Microshift (bis zu 30 Gänge) Stand der Technik. Wichtig: Von der Anzahl der Gänge sollte man sich nicht blenden lassen. Wichtig sind die echten Gänge, die sich nicht über­schneiden (siehe auch die Fußnoten in der folgenden Tabelle).

Typ

Zahl der nutz­baren Gänge1

Über­setzungs­band­breite
(in %)

Größter Über­setzungs­sprung
(in %) 2

Gewicht
(in Gramm) 3

Preis
(Euro)

7-fach 11-28 Ritzel hinten /Kettenblatt vorne 24+34+46

typisch für: ältere Trekkingräder

19

488

20

ca. 1000 bis 1300

ca. 100 bis 700

8-fach 13-28 Ritzel hinten/ Kettenblatt vorne 24+34+42

typisch für: billige Trekkingräder

22

377

17

1000 bis 1300

100 bis 800

9-fach 11-32 Ritzel hinten /Kettenblatt vorne 26+36+48

typisch für: Trekkingräder

25

537

14

1100 bis 1300

1100 bis 1400

10-fach Ritzel hinten 11-34/ Kettenblatt vorne 26+36+48

typisch für: Trekkingräder

28

571

17

1100 bis 1400

100 bis 1500

9-fach 11-34/22+32+44

typisch für: Mountain­bikes

25

618

18

1100 bis 1400

100 bis 1500

10-fach Ritzel hinten 11-36/Kettenblatt vorne 26+39

typisch für: Mountain­bikes (High-End)

18

491

17

ca. 650

ca. 1500

11-fach Ritzel hinten 11-25/ Kettenblatt vorne 39+53

typisch für: Renn­räder

20

309

12

ca. 550 bis 1200

ca. 300 bis 1500

11-fach Ritzel hinten 11-28/ Kettenblatt vorne 34+50

typisch für: Fitness­räder und berg­taugliche Renn­räder

20

374

15

ca. 950 bis 1400

ca. 300 bis 1500

    • 1 Gänge mit zu viel Ketten­schräg­lauf sind wegen erhöhtem Verschleiß, verringerter Effizienz und oft auch störenden Geräuschen nicht sinn­voll und werden daher hier nicht berück­sichtigt. Bei ungenauer Einstellung oder nicht exakter Ketten­linie kann die Zahl der nutz­baren Gänge noch geringer sein. Zu beachten: Die Über­setzungen der verbleibenden Gang­stufen über­schneiden sich teil­weise.
    • 2 Erfasst sind nur die Über­setzungs­sprünge beim Schalten zwischen den Ritzeln hinten. Bei Einbeziehung der Kettenblätter vorn oder zusätzlicher Über­setzungen einer Getriebenabe sind Zwischen­stufen möglich, die sich allerdings nur mit häufigen „Doppel­schaltungen“ über Kreuz ausnutzen lassen.
    • 3 Je nach Typ und Qualität der Komponenten. Maßgeblich ist das Gewicht von Schalt­werk, Hinterradnabe und Umwerfer sowie das Mehr­gewicht des Ritzelpakets, der Kettenblätter und des Schalt­hebels (im Vergleich zu einer Naben­schaltung zusätzlich erforderlich).

    Preise

    So groß die Band­breite an Schaltungen, so groß sind auch die Preis­unterschiede zwischen den einzelnen Modell­typen. Das fängt bei rund 100 Euro an und hört bei 1 600 Euro auf. Der Preis hängt vor allem von zwei Kriterien ab: Halt­barkeit und Leichtig­keit. Jedes Gramm weniger muss extra bezahlt werden. Am oberen Rand der Skala geht es nur noch ums Gewicht. Dann leidet zunehmend auch die Lang­lebig­keit.

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