Fahr­radtaschen im Test Schon ab 26 Euro gut unterwegs

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Fahr­radtaschen im Test - Schon ab 26 Euro gut unterwegs
Dicht­halten. Spritz­wasser, aber auch kräftigem Land­regen müssen die Taschen widerstehen. © Andreas Labes

Touren- und Citytaschen für Zweiräder müssen einiges aushalten. Sie sollten Regen trotzen, praktisch sein und sicher. Das schaffen längst nicht alle.

Fahr­radtaschen im Test

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Inhalt

Guten Tag, ich heiße Frida und bin eine freundliche Fahr­radtasche. Ich berichte von einem ganz normalen Tag im Alltag von uns Taschen. Zunächst möchte ich mich aber beschweren: Die Stiftung Warentest hat mich in ihrem aktuellen Test nicht beachtet. Immerhin haben sie 20 meiner Angehörigen getestet. Sie kommen aus zwei Groß­familien. Die einen nenne ich immer scherzhaft „die Zugvögel“. Eigentlich heißen sie aber Tourentaschen. Bei Radwanderungen hängen sie voll­bepackt mit Unterhosen und Socken am Gepäck­träger und müssen Land­regen über sich ergehen lassen. Die zweite Familie sind Bürokräfte. Sie müssen oft Laptops und Ordner trocken trans­portieren. Dabei werden diese Citytaschen vor allem durch die Stadt kutschiert.

Unser Rat

Einzige sehr gute Fahr­radtasche ist die Tourentasche Ortlieb Back-Roller High Visibility (110 Euro). Für etwa ein Viertel des Preises verkauft Decathlon die gute B‘TwinTrekkingbike Bag 500 (26 Euro). Die beste Citytasche ist die wasser­dichte Vaude Augs­burg III (140 Euro) mit Laptopfach. Tipp: So manche schicke Büro-Aktentasche lässt sich prima in einer Tourentasche verstauen.

Acht ausreichend oder mangelhaft

In einer Familie gehört es sich, alle Mitglieder gleich lieb zu haben – die Ortliebs wie die Haber­lands. Die Warentester aber haben ihre Favoriten in beiden Groß­familien gekürt. Unter den zehn Tourentaschen fanden sie einen sehr guten Testsieger von Ortlieb und vier weitere, gute Exemplare. Zwei rasselten mit einem mangelhaften Qualitäts­urteil durch den Test: Die Tasche von ConTec, weil sie Wasser in ihr Inneres lässt. Und das Modell HaZwoO von Haber­land, weil in ihm zu viele kritische Weichmacher und andere Schad­stoffe stecken.

Von den zehn geprüften Citytaschen bewerteten die Warentester nur zwei mit Gut. Die Vaude Augs­burg III holt den Testsieg. Nur sie und die zweit­platzierte Ortlieb Downtown 2 sind in der Citytaschen-Familie sowohl unauffäl­lig in der Schad­stoff­prüfung als auch wasser­dicht. Immerhin sechs der geprüften City-Verwandten lassen Wasser an Akten und Notebooks. Drei sind mangelhaft: In den Modellen von Basil, New Looxs und Haber­land fanden die Tester sehr hohe Mengen an kritischen Weichmachern oder PAK, also poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoffen.

Nun wird es Zeit, aus meinem Taschen-Alltag zu berichten. Immerhin haben sich auch die Warentester weit­gehend an unserem Arbeits­alltag orientiert.

8 Uhr: Zeit zum Packen

„Kommet her, die ihr müde und beladen seid.“ So oder so ähnlich heißt es in der Bibel, und das gilt auch für uns: Am Morgen sind wir müde, und kurz nach dem Aufstehen müssen wir zum Beladen antreten. Das ist Teil des Hand­habungs­tests, in dem meine Familien­mitglieder an verschiedene Gepäck­träger montiert wurden. Sechs Personen waren für diese Prüfungen radelnd unterwegs. Während sie meiner Familie jeden Tag die Welt zeigten, beluden und entluden sie sie immer wieder, öffneten und schlossen, trugen und reinigten sie.

Das Befüllen fiel den Test­radlerinnen und -radlern bei allen Modellen mehr oder weniger leicht. Sie verteilten meist die Noten sehr gut bis befriedigend. Nur ausreichend ist in dieser Disziplin die Prophete-Tourentasche: Auf ihrem runden Boden kann sie nicht selbst­ständig stehen. Beim Packen muss sie umständlich mit einer Hand fest­gehalten werden. Unter uns Taschen nennen wir das scherzhaft „betreutes Befüllen“.

9 Uhr: Besuch der Aussätzigen

Bevor unser Tag richtig losgeht, besuchen wir noch unsere verstoßenen Freunde – die schad­stoff­belasteten Taschen. Sie gehören in den Keller, weil sie dort in Ruhe ausdünsten können. Tatsäch­lich riechen einige Taschen im Test auffällig.

Nach Labor­analysen werteten die Prüfer sechs Taschen wegen Schad­stoffen ab. Vier davon sind so stark belastet, dass sie die Note Mangelhaft bekommen: Im Material der beiden Taschen von Haber­land und der City-Tasche von Basil fanden die Tester Phthalate ober­halb der Grenz­werte. Die gefundenen Weichmacher, die Gewebe flexibel machen sollen, wirken fort­pflan­zungs­gefähr­dend. Im Material der New Looxs-Tasche stecken zu hohe Mengen an PAK. Einige dieser Substanzen können Krebs erzeugen. Uns Taschen ist das egal, den Menschen aber wohl nicht.

Fahr­radtaschen im Test

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10 Uhr: Die Arbeit ruft!

Wenn wir zur Arbeit müssen, heißt es: Ran an die Gepäck­träger! Bei den meisten Familien­mitgliedern funk­tioniert das sehr gut bis befriedigend. Mit einem sehr guten System glänzen die drei Taschen von Ortlieb und das Modell von Fahrer. Wenn sie am Gepäck­träger hängen, reicht es, sie leicht am Tragegriff nach oben zu ziehen – schon lösen sie sich.

Die Prophete-Tourentasche erfordert beim Anbringen und Abnehmen große Geschick­lich­keit. „Des is’ a mühsame G’schicht“, kommentierte ein österrei­chischer Prüfer. Bei der Thule-Tourentasche ist das ähnlich frickelig. Ihre Haken zum Befestigen am Gepäck­träger sind unnötig kompliziert. Beide Modelle bekamen in diesem Punkt ein Ausreichend.

Ausgesprochen umständlich ist es auch, die Thule-Tasche an unterschiedlichen Gepäck­trägern zu befestigen. Das ist wichtig, wenn während einer langen Tour verschiedene Radler die Tasche trans­portieren sollen. Zum Ummontieren brauchten die Test­personen einen spitzen Stift und Werk­zeug. Das brachte der Thule Shield Pannier L als einziger getesteter Tasche ein Mangelhaft in diesem Prüf­punkt. Bei anderen – wie den Taschen von Vaude – klappte der Wechsel sehr gut mit wenigen Hand­griffen.

12 Uhr: Am Mittag trocken bleiben

Wir Taschen haben nicht viel mit den Menschen gemein. Aber eins gilt auch für uns: Bei der Arbeit sollten wir trocken bleiben. Menschen trinken zum Mittag­essen besser keinen Alkohol, und wir lassen auf dem Weg besser keinen Regen in unser Inneres. Von zehn geprüften Tourentaschen gelingt das neun. Ausnahme ist die ConTec Travel Waterproof. Sie hat die Wasser­dicht­heit im Namen, hält das Versprechen aber nicht. Dafür bekommt sie die Note Mangelhaft, die sich direkt auf das Qualitäts­urteil auswirkt: Es wird ebenfalls mangelhaft. Denn eine Fahr­radtasche für Touren muss dicht­halten.

Bei den Citytaschen waren die Warentester weniger strikt. Die Bürokräfte werden auch nicht alle als „wasser­dicht“ beworben. Eine mangelhafte Wasser­dicht­heit bewirkte bei Citytaschen nicht unmittel­bar die Gesamt­note Mangelhaft. Sechs Modelle lassen Wasser in ihr Inneres, darunter all jene, die mit einem Regencape verkauft werden. Fahrer sollen diese Plastikhüllen bei schlechtem Wetter über die Taschen ziehen. Am Rücken der Taschen sorgt meist ein Gummi­zug dafür, dass die Hülle nicht abfällt. An dieser Stelle dringt jedoch Spritz­wasser und Regen ein. Die Folge: Es sammelt sich Wasser in den Schutz­hüllen, die Taschen werden nass.

18 Uhr: Reflektieren und Leben

Ob wir im Straßenverkehr gesehen werden, kann eine Frage von Leben und Tod sein. Viele Hersteller aber bringen nur wenige oder gar keine Reflektoren an (Von Leuchtstars bis Lichtkegeln). Immerhin: Alle guten Tourentaschen sind am Abend und bei Nacht mindestens befriedigend sicht­bar. Licht ins Dunkel bringt der Touren-Testsieger von Ortlieb: Bei ihm ist ein reflektierendes Garn verwebt. Es lässt die ganze Tasche im Dunkeln beein­druckend leuchten – ganz ohne Neon-Signalfarben.

Vor allem die Citytaschen von B‘Twin und Gusti lassen Radler im Dunkeln stehen. Das führte im Prüf­punkt Sicherheit für beide zu einer Abwertung. Selbst die City-Testsiegerin glänzt in dieser Prüfung nicht: Einzige echte Schwäche der Vaude ist, dass sie beim Anstrahlen recht düster bleibt – die Sicht­barkeit ist ausreichend.

Auto­scheinwerfer erhellen uns Taschen manchmal, aber unsere Laune hellt auch der verdiente Feier­abend auf. Dann legen wir uns zur Ruhe und träumen von trockenem Wetter. Und gewaschenen Socken in unserem Inneren. 

Alles über Draht­esel. Auf unserer Themenseite Fahrrad, E-Bike und Pedelec finden Sie Tests zu Fahr­radschlössern, E-Bikes und Helmen.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 05.10.2020 um 17:08 Uhr
Nutzungsgrundlagen

@bar66bara: Die mit einem Abo verbundenen Rabatte gewähren wir nur noch Direktabonnenten. Wir verweisen auf unsere Nutzungsgrundlagen unter https://www.test.de/nutzungsgrundlagen/

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bar66bara am 04.10.2020 um 13:17 Uhr
Test freischalten

Warum muss ich fürs freischalten noch eine Gebühr zahlen ich habe Test und finanztest im Abonnement

Bruno.Kleinhenz am 28.06.2020 um 07:10 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 08.06.2020 um 13:09 Uhr
Fahren über Bordsteinkanten

@gerwinmaria: Wir haben die Befestigungseinrichtungen ausgiebig geprüft. Sie wurde auf einem Rollenprüfstand mit 200.000 Stoßimpulsen bei 8 km/h und mit 100.000 Stoßimpulsen bei 12 km/h getestet. Die Prüfleisten waren 1 cm hoch. Dabei ist die Tasche nicht abgefallen. Es wäre nicht plausibel, dass die Tasche bei 3 cm dann plötzlich abfällt. Die Vaude Augsburg hat ein Verschlusssystem, bei dem man nach dem Aufsetzen der Tasche auf den Gepäckträgerholm einmal fest gegendrücken muss, sodass die beiden Verschlüsse einrasten. Man hört deutlich ein Klicken, Sie öffnen danach nur, wenn man an dem Seilgriff nach oben zieht. Vielleicht liegt es an einer fehlerhaften Anbringung. (RG/mk)

gerwinmaria am 06.06.2020 um 12:07 Uhr
Testsieger nicht praxistauglich

Der von Ihnen propagierte Testsieger ist meiner Meinung nach nicht praxistauglich. Habe mir die Vaude Augsburg nach dem Test gekauft und bin schwer enttäuscht. Benutze sie um damit zur Arbeit zu fahren und bin heilfroh dass ich am Anfang meinen Laptop nicht mit genommen habe. Sobald man auf dem Radweg einen Bordstein überquert der höher als 3 cm ist und man mehr als 15 km/h drauf hat löst sich entweder die Halterung vom Gepäckträger oder die Tasche von der Halterung und diese fällt auf die Strasse! Dabei ist es unerheblich ob die Tasche fast leer ist oder ob man 2-3 Bücher oder ähnliches dabei hat. Leider wurde das bei den Prüfmethoden anscheinend gar nicht berücksichtigt, dabei sollte dieser Punkt doch ganz oben auf der Liste stehen.